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Der Orient · 1846-09-03 · Heft 36 (3.9.1846) · p. Seite 279

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 36 (3.9.1846)
Date
1846-09-03
Page
Seite 279 (sequence 5)
Language
German
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- 279 — in Kraft aufnehmen werden, dem sie aber dazu geistig bei Weitem überlegen sind. Und cmch beim Laudbau kommt es gar viel auf dm Geist an. Allerdings ist es bei diesem Plane auf das Alter nicht abgesehen, aber von der schwachen Kindheit, die sich überall von selbst ausschließt, bis zu diesem liegt nicht gerade das 30. bis 50. Jahr, sondern auch die Knaben und der Jüngling, der gar kräftig ist, werden ergreifen eine Beschäftigung, die ihnen ihre Existenz dereinst sichert. Es ist, wie wir Horen, bereits dafür gesorgt, daß Knaben, die keine Eltern haben oder sonst arm sind, frühzeitig bei diesen Bauern üntergebracht werden sollen, und die Kolonisten dürsten keine Sorge haben, nothige Dienstleistungen, die sie besorgen können, von Kindern sich verrichten zu lassen, wenn sie derselben bedürften. Eben so wenig wird es nach einigen Jahren an jüdischen Knechten fehlen. Nach dem Andrange zu urtheiten, werden sich gar Viele findenr und bei der Gelehrigkeit und Geschicklichkeit der Juden dürften sie die Tüchtigkeit zum Landbau sich gar bald angeeignet haben. Es giebt schon jetzt viele Juden, die den Laudbau betreiben, und es fehlt ihnen nicht an Stärke und Kraft und nicht an der Geschicklichkeit und der nöthigen Kenntuiß. Das ist Alles keine Hexerei, und so schweres dem Verfasser Vorkommen mag, so leicht dagegen einen Aufsatz zu machen, so leicht kommt cs wieder Andern an, das Land zu bauen, dagegen unglaublich schwer einen Artikel zu liefern. Man darf bei solchen Dingen nicht immer seine eigne Person zum Maßstab nehmen. Aus eben einer solchen Anschauung macht der Verfasser den Oekonomcn zum Theoretiker; giebt es aber nicht auch praktische Oekonomen? Der Verein wird aber nur solche wählen. Diese Leute verstehen aber das Land gar gut auch selbst anzubauen, wie der Verfasser wissen muß, wenn er sich auf dem Lande umgesehen, und sie unterweisen die Bauern, und zeigen ihnen alte nöthigeu Verrichtungen. Der Kolonist ist da gar nicht abhängig von dem Knechte. Darum war mir auch die Bemerkung von der „Hoffart" und der Aufhätzigkeit der Knechte in dem Munde eines klugen Mannes ganz unerklärlich. Der Herr Verfasser hat vergessen, daß schon Ahasver den allergnädigsten Ukas erließ, daß jeder Herr ist in seiueni Hanse, und wahrlich, der verdient nun kein Mitleid, der. sich von seinem Knechte tyrannisiren läßt. Der Vorwurf über die jüdischen Festtage, der roch mir etwas nach E i s e n m e n g e r und G h i l l a n y. Rechnen Sie mein Herr die blauen Montage mit zum Sonntag, und ich will der heiligen Tage nicht gedenken, die das christliche Volk feiert, und der Jude wird tut Vergleiche dazu ein sehr arbeitsames Leben führet!, wenn er selbst außer den Festen auch noch Neumonde und Halbfeste zu .feiern hätte. Uebrigcns kann ich aus sicherer Quelle bemerken, daß es den Juden gestattet werden wird, Sonntage und christliche Feste in diesen Kolonien zu arbeiten. < Sehr bestreiten aber müssen wir, was der Herr Verfasser zwar nicht deutlich sagt, aber sagen zu wollen scheint, daß die Ceremonien den Inden den Landbau verleiden möchten; das ist grundfalsch. Die Juden haben von jeher Land gebauet, und sind bei aller Strenge des Gesetzes gut fortgekommen. Und hat ja selbst die Zeit manche Beschwerlichkeit abgestellt. Sollte aber auch manche höhere Ausgabe dem Juden iu Folge des Gesetzes uethwendig sein, wahrlich die Nüchternheit, Thätigkeit und der Fleiß werden dies reichlich ersetzen. Wir brauchen keines Stern, und hoffen, der Jude tvird doch sehr gut fortkommeu. Es schwinden uns aber auch noch die letzten Bedenken des Verfassers in ein Nichts dahin. Der Jude, der Kolonist wird, wird eo ipso, wenn er es brauchen sollte, er braucht es aber ja nicht/ naturatisirt sein, und die Kolonien stehen, nicht unter einem Schulzen des Nachbardorfes, sondern unter einem eigenen, und unmittelbar unter Aufsicht deS Landrathes und der Regierung. Der Neid, „diese Bestie" hat keine Gelegenheit und keine Veranlassung zu schaden; ob er aber im Innern bleiben wird, weiß ich nicht, ich glaube aber, er fehlt auch in den Städten nicht. Uebrigcns werden nur immer 20 bis 30 Kolonisten in einer Gegend sein, und weil aber geschlossen, werden sie nicht angeseindet werden. Der Verfasser sieht, daß in den Statuten, an denen bewährte praktische Männer gearbeitet, Alles bedacht wurde, was er vorgebracht hat. Hätte er sie in Geduld ohne seinen unzeitigen Tadel abgewartet, er hätte sich und mir Mühe gespart zu arbeiten, und was mehr ist, dem Publikum die Mühe, zu lesen. Wir hoffen darum zuversichtlich, daß die Juden sehr gut fortkommen und daß.die Gemeinden sich betheiligen werden. Es ist unseren Brüdern ein neuer guter Nahrungszwcig geöffnet, und die Schande der Trägheit von uns gewälzt. G. Z. Frankfurt a. M. 14. Aug. Wie man wohl erwarten tonnte, haben sich in die Angelegenheit der Verwahrung gegen die Rabbinerversammlung hie und da personelle Sympathien und Anthipathien der Stelle der Prinzipien bemächtigt; indessen sieht unsere jüdische Gemeinde im Durchschnitt allzu klar , als daß eine bedeutende Anzahl in derselben sich von blauem Dunste umnebeln lassen sollte. Der einzige die Sache selbst angehende Einwurf gegen den Inhalt der „Verwahrung^ war bisher die negative Behauptung, das Streben der Rabbinerversammlung und ihrer Mitglieder nach hierarchischer Autorität, von ihr selbst ostensibel in Abrede gestellt, sei nicht erwiesen und liege nicht klar, genug vor-, um so geradezu ohne thatsächliche Belege hingestellt werden zu dürfen — ein Einwand, der sich sogar in der am 11* d» M. Statt gehabten Sitzung des engern Ausschusses des Reform-Vereins geltend zu machen suchte. Da in einer Streitsache selbst für 36 *

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