Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1846)
- Date
- 1846-09-03
- Page
- Seite 278 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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278 der durch seine bedeutenden Legate den Lesern dieser Blätter schon bekannt ist. Von den: Namen Benedikt läßt sich wirklich sagen „nomen et omen“! Segcnbringend haben diese beiden Brüder in Würtemberg gewirkt und wirkt der noch lebende Moses Benedikt fort. Leute, die von der Pike auf gedient, sich eine bedeutende Stellung im Lebe:: errungen, haben sie dem Ruft der Liebe stets gern Ohr-geliehen und es nicht verlernt, unter dem Klange der Goldmünzen auf die Bitten der Unglücklichen zu hören. Moses Benedikt hat auch unter seinen 'christlichen Mitbürgern die verdiente Anerkennung gefunden: er wurde, als geübter, sinniger Kunstkenner und Kunstrichtcr in die Direktion des Kunstvereins berufen. Haben die Rothschilde in der Geschichte sich ein Blatt, als Eetdmacht errungen, so werden Benedikts stcts noch von den Armen und Waisen, die durch ihre Fideikommisse der Noch entzogen und versorgt worden sind, gesegnet werden. — Ein anderer der Stuttgarter Gemeinde angehöriger Jsraclite, Rechtskonsulent Dr. Jordan, ist in den Stadtrath einstimmig gewählt worden. — Die Koryphäen der würtembergischcn Ständekannner, StnttgartcrBürgcr, haben ihnvorgeschtagen und cS dnrchgesetzt. Römer, der strenge Kato, sprach sich bei dieser Gelegenheit in einer öffentlich gehaltenen Rede dahin aus, daß cs für die Jude:: rathsamer wäre, dem Volke als den Machthabern sich anzuschließen. Unter unsers Wilhelms Negierung aber.wohnen wir glücklich unter seinem Seeptcr. Der edle Monarch macht keinen Unterschied zwische:: Jnd' und Christ, sie stehen feinem Herzen gleich nah. Auf seinen ausdrücklichen Befehl wurden in allen Synagogen bei Gelegenheit der ehelichen Einsegnung unsres Kronprinzen mit der Großfürstin Olga um Segen für das hohe Paar gestehet; auch wurde angeordnet, daß in der Liturgie bei dem Gebete für das König!. Haus die hohe Gemahlin des Kronprinzen eingeschossen werden soll. Bieten sich der Fürst und die Edlen im Volke die Hand, Recht — was man irrthümlich Toleranz, Duldung nennt —- zuüben,' so ist es betrübend, daß der Pöbel unverbesserlich ist. Er ist ein Galeerensklave, geschmiedet an die Ketten des Vorurthelts und der nieder:: Leidenschaften, manchmal schüttelt er wüthend diese Ketten, und wehe, wenn er die Kette bricht l", — In Buchau wurden von verruchter Hand Grabsteine auf dem israelitischen Friedhof demolirt und Drohbriefe an die Synagoge geheftet. Buchau, eine Gemeinde, wo weder Schacher noch Wucher getrieben wird, wohlthätig, ohne Rücksicht auf Verschiedenheit der Religion zu nehmen, deren bürgerliche und gottesdienstliche Verbältnisse unter der Leitung ihres wackern Rabbiners Güldenstem geordnet sind, hat dennoch vom J^udenhasse zu leiden. „Thut nichts, der Jude wird verbrannt!" — Von Ernst Maier, Privatdoeent in Tübingen, ist eine Schrift über den Dekalog erschienen. Kirchenrath Maier in Stuttgart soll gegenwärtig auch an einem größeren wissenschaftlichen Werke arbeiten. — Der jüdische Lesevcrein in Hcilbronn hat den Prälaten Hafner als Ehrenmitglied anfgeuommen, derselbe hat schöne Worte bei der Ptenar-Versammlung der Vereins-Mitglieder gesprochen. Dr. Eallma n n und Rabbiner L ö w e n g a r d t tragen viel zur Belebung des Vereins bei. Könnten wir nur auch den übrigen jüd. Lesevereincn ein so freundliches Prognostikon wie dem Heilbronner stellen!. Posen, im Aug. - (Randbemerkungen zu den ,/Bedenken über die Eolonisation der Inden in der Provinz Posen)." Nach einer Note der verehrten Redaetion waren die hier zu besprechenden ,/Bedenken" derselben schon zugekommen, noch ehe über die Eolonisation selbst etwas mitgetheilt wurde, also gewiß noch ehe etwas Sicheres verlautete; denn eigentlich läßt sich selbst jetzt, da die Statuten noch nicht veröffentlicht sind, nichts Bestimmtes über das Unternehmen sagen, viel weniger darüber rechten. Den Verfasser der,, Bedenken" trifft darum vorerst der volle Tadel eines ywrb mit gutem Recht, und er verdient, nach der Lehre des Weisen, eigentlich keine Widerlegung. Indessen als Mitarbeiter dieser geschätzten Zeitschrift, und als gewandter Mann, wie er sich in dem bewegten Aufsatz zeigt, hat er vorweg diesen Angriff auf seine Person abgewendet, und wie er von den sieben Sachen nur eine sich anzueignen für gut befunden, können auch wir nur an der Sache uns halten, und glauben die Pflicht zu haben, aus Achtung gegen seine Person und gegen das lesende Publikum, die ^Bedenken" Punkt für Punkt zu widerlegen. Freilich müssen wir zuvor bemerken,, daß auch unsere Widerlegung nur auf Gerüchte sich stützt, da auch wir noch keine Kenntnis; von den Statuten haben. Der Verfasser tadelt, daß die Empfehlung der Handarbeit in dem Aufruf nichherwähnt ist; uns erscheint es aber als ganz ungehörig, wenn von Feldarbeit gesprochen wird, und für die Angewöhnung derselben etwas gethan werden soll, in ein fremdes Handwerk hineinzupfuschen. Mögen Andere für die Förderung der Handarbeit etwas unternehmen. Hat denn der Verein cs verboten, davon abgerathen, oder durch sein Unternehmen es unmöglich gemacht? Uebrigens giebt cs der Handwerker in der Provinz genug; die Gelegenheit eine Professton zu erlernen ist leicht da, und Tausende haben sie ergriffen. Sie schafft aber in der zeitigen Konkurrenz wenig Aussicht für eine gesicherte Existenz, weshalb auch Viele sich wieder dem Handel zuwenden. Das Alles ist aber gerade im Gegentheil beim Feldbau, und darun: scheint es uns eine glückliche Idee, daß" der Verein für die Ermöglichung desselben bei den Juden sorgen will; Was nun der Verfasser über die Schwäche und Untüchtigkeit der Juden in seinen Schilderungen vorbringt, glauben wir mit Stillschweigen übergehen zu dürfen; denn Gottlob giebt es Juden, die es mit jedem Bauern