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Der Orient · 1846-08-27 · 35 (27.8.1846) · p. Spalte 553-554

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
35 (27.8.1846)
Date
1846-08-27
Page
Spalte 553-554 (sequence 5)
Language
German
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1553 | Ueber die jüdische Eidesformel.;1 \ Von ' ' | i Wt- B. Fried enthttl. Ä ———--—- | In unfern Lagen, in denen kein religiöser Gebrauch vor;i Angriffen und Kadel frei bleibt, haben einige der Neuerung I zu sehr ergebene Ieraeliten, auch die uralte Eidesformel: „bei dem Gotte Israels" anzutasten, und bei unseren christlichen Mitbürgern herabzusetzen gewagt. Man dürfe nur j bei Gott, dem Gotte schlechthin, ohne weitern Beisatz, schwöi ren; ja der Gott Israels sei ein National-Gott, und es - ] zeige von der Befangenheit eines, unsrer Zeit unwürdigen Partikularismus, den Allgemein - Gott aller Menschen durch; diese Bezeichnung in die enge Sphäre des Gottes einer •; Nation zu bannen. Natürlich haben die frommen Rabbinen - gegen , die Abschaffung der alten und geheiligten Eidesform \l mit Eifer protestirt. Und mit Recht; denn die Neuerung ■ beruht, wie ich zeugen werde, aus einer gänzlich unrichtigen Auffassung des alten biblischen Ausdrucks. Der Gott Israels / ist nicht etwa der Gott dieses Volkes allein, sondern der / diesem Volke, und dadurch auch uns, seinen Nachkommen und r Erben, ^geoffenbarte Gott. — g Der Gott Israels ist allerdings nicht das Produkt mo- > derner Spekulation, der Gott derer, die keinen Gott anerken- / nen, als den , welchen ihr niederer. Verstand anzeigt, sondern der Gott, als Lenker des Weltalls, der persönliche Gott, dessen ) Thaten und Eigenschaften uns aus der Offenbarung wohl / bekannt sind. Er ist der mit jenen dreizehn hohen Eigenv-, schäften' (Exod. 34, 6) gekrönte Gott, der Richter des Weltalls und des Menschengeistes (Zachar. 12, 1). Dieses ist der * Gott, der dem Schwörenden vorschwebt, der namentlich als 'i Rächer des Meineides jeden, der seinen Namen beim Eide :) mißbraucht, entdeckt und unerbittlich bestraft. — / Gott selbst sagt (Deuter. 10, 21): Du sollst bei meinem - Namen schwören, und wo ein solcher Eid beim Namen Gots;; tes in der Offenbarung erwähnt ist, geschah es stets mit einem /' passenden Zusatze, die Erinnerung an eine heilsame That, die Gott dem Schwörenden selbst oder seinen Ahnen erwiesen l hatte. —' ■ ■ ' ’;; Abraham, als Gründer des monotheistischen Volkes, als Sohn eines Götzendieners, konnte nicht bei dem Gotte , seines Vaters schwören, er beschwor (Gen.) seinen Knecht bei dem Gotte des Himmels und/der Erde, aber er fügte auch noch die Erinnerung an den Bund der Beschneidung hinzu. Z Aber Jakob schwur, als er seinen Bund mit Laban schloß, bei der Ehrfurcht seines Vaters (Gen. 31, 53). Sogar L a- / ban schwor bei dieser Gelegenheit bei dem Gotte Nachor's (seines Vaters). — / Vor der Offenbarung durch Moses wird der Eid | OVlW genannt; nach derselben dagegen Nj-M, daher es | bei Jesaja heißt (43, 1) II Chron. 15, 12—15. „Die bei J Iehova's Namen schwören, und den Gott Israels anrufen", 1 daher nyw in Etod. 22, 10 und Josua 10, 19. — i 554 Gott selbst schwor bei seinem heiligen Namen (Ierem. 26). — In dem Schwure bei dem Gotte Israels liegt aber eben so wenig Partikulacisrisches wie in dem gleichbedeutenden Schwure bei dem Namen Gottes. Gebrauchen ja die Katholiken oft bei der Anrufung Gottes den Ausdruck: Gott Abrahams, Isaaks rmd Jakobs. Den Israeliten war die Heiligkeit des Eides eine der unverbrüchlichsten Pflichten, und wo diese mit andern Gebeten in Widerstreit trat, da war es der Eid, dessen Verletzung als die größere Sünde galt. Dem Josua war die Vernichtung'der Kananiter geboten, aber "ein Eid, selbst erschlichen, schützte die Gibeoniten und Rachab vor dem Lode (Josua 9 und 2). Unter dm verschiedenen Eidesformeln galt aber der Anruf an den Gott Israels oder Jehova als .die heiligste, als der eigentliche Eid. —; Andere ferner gelten weniger als Eid, damals Versicherung, deren Verletzung zwar immer straffällig bleibt, aber doch in geringerem Grade wie die des heiligen Eides bei dem Gotte Israels oder Iehova's (Maimuni). — König Zidkija ließ sich verleiten, das mit Nebuchadnezar geschloffene Bündniß zu brechen. Er benutzte günstig scheinende Umstände, um sich von dem Joche der Babylonier zu befreien. Er brach seinen Eid. Er war sonst ein frommer und auch von den Rabbinen hochgestellter Fürst, und man hat nicht verfehlt, es den Rabbinen zum Vorwurf zu machen, daß sie einen Meineidigen, der deshalb auch, von zwei großen Propheten getadelt wird, als Muster eines frommen Königs darstellend Aber wenn Zidkija unter Umständen wo kaum jemals ein Fürst anders gehandelt hätte, aus Liebe zu seinem Volke seinen Eidschwur brach, so wurde er hart genug dafür bestraft, und die Rabbinen sind weit entfernt/ dem Repräsentanten der Theokratie auch unter solchen Umständen einen Meineid zu gestatten, und diese Strafe etwa für ungerecht zu halten. Es konnte aber bei Zidkija als Milderungsgrund gelten, daß er nicht den vollen Eid geleistet hatte. Er hat nur aber nicht wie es bei dem wirklichen Eide geschieht, '-o geschworen. — Der Gott Israels ist uns ein durch sein Alter geheiligter Ausdruck, der uns wohl an den sich den Vätern offenbarenden und den Enkeln große Pflichten auferlegenden Welt-Gott, aber keineswegs an einen National-Gott erinnern s°L - Der Eid ist gleich dem Gottesdienst eine religiöse Handlung, er erlangt seine, dem bloßen Versprechen gegenüber, höhere Bedeutung, nur durch diese religiöse Weihe, und da sind Ausdrücke, welche, wie der des Gottes Israels an die Zeiten der Entstehung unserer - heiligen Religion erinnern, vollkommen an ihrer Stelle. —- Die Erwähnung von und bei Zidkija widerlegt nicht meine hiev aufgestellte Behauptung, denn bedeutet im ausgedehntesten Sinne Betheuerungen bei Gott, ohne daß damit ein eigentlicher Eid verbunden wäre, der doch nur darin besteht, deu.Gott der Wahrheit zum Zeugen seiner Studien. Die jüdische Eidesformel.

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