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Der Orient · 1846-08-27 · 35 (27.8.1846) · p. Spalte 549-550

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
35 (27.8.1846)
Date
1846-08-27
Page
Spalte 549-550 (sequence 3)
Language
German
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549 550 Studien. Das große Chroniken Seder Dlam Rabba< Jose eine Hauptperson'). Nachdem R. Meir gestorben war8), verstarb auch Jo se in seiner Vaterstadt Zippori um c. 150 n. Chr., von seinen Brüdern sehr betrauert9), aU Rektor der dortigen Hochschule. Nächst der Zerstörung Jerusalems, welche sein Vater Chalesta gesehen, hatte Jose in der bewegtesten, aufgeregtesten und schrecklichsten Zeit gelebt. Als Schüler 'Akiba's machte er den blutigen Aufstand unter Hadrian mit durch, sah seinen gefeierten Lehrer und Hunderttausende seines Volkes unter der eisernen Hand Hadrians hinwürgen, und Palästina lag zu seiner Zeit, wie er selbst erzählt, wüste und zerstört von der Geißel Rom's, die schönen Olivenwaldungen waren durch die eiserne Gewalt des Vernichtungskrieges gefällt, und die Gesetzeslehrer, seine Genossen, vom vaterländischen Boden gejagt^). In seinem Alter wurde er noch Lehrer des jungen, um 123 n. Chr. gebornen Jehuda Ha-Nasi, der freilich noch kein Nasi war, und dieses großen Jugendlehrers gedenket der Mischna- Redakteur stets mit großer Ehrerbietung, unter dem Namen: „längst hat so der Greis gelehrt" ]1), unb in feinem Spruche: „unser Geschlecht ist von dem Geschlecht des Jose so weit entfernt, wie das Allerprofanste von dem Allerheiligsten" hat. er die Hoheit des Jose weiter überliefert^). An 95 Stellen des Talmuds wird die Halacha nach ihm entschieden 13); in der Mischna wie in der Barajta wird bei einer Divergenz der Meinungen nur die seine berücksichtigt, weil, wie der Talmud berichtet, seine halachischen Lehren vorzüglich klar nach allen Seiten hin abgewogen, und nach den besten Beweisen und Gründen ausgestellt finb 14). —- 2« Von diesem Jose ist nun das bekannte Chronikon, genannt Seder 'Olam, verfaßt worden, wie schon Mar Jochanan (2. Jahrh.) ausdrücklich dem.R. Jose dieses Chronikon zuschreibt i5>, aus welchem im Talmud sehr oft mit oder ohne Nennung des Namens citirt wird 16). Die Mittheilungen Jose's über Historisch-chronologische Daten wurden so hochgeachtet und so allgemein anerkannt, dass man sich sogar.-an seinen Sohn Jsmael wandte und ihn ersuchte, dergleichen,Daten von seinem Vater mitzutheilen, die man dann mit der in Seder 'Olam niedergelegten in Einklang zu bringen suchte17). Man würde aber sehr im Jrrthume sein, wenn man die Abfassung dieses Chronikon in dem Sinne späterer Schriftstellerei auffassen wollte. Rabbi Jose hat eigentlich nur die dahingehörigen Traditionen, die Aussprüche seiner Genossen, bereichert mit seinen eigenen Erweiterungen, redigirt, ganz in derselben Weise, wie nach ihm Jehuda Ha-Nasi die Mischna-Sammlung redigirt, und der Talmud selbst hat schon diesen Standpunkt für das Seder -Olam herausgekehrt, als er. in demselben zuweilen einen Widerspruch mit den anderweitigen halachischen Aussprüchen wahrgenommen lS). Darum kann es gar.nicht auffallen, wenn er, der Mischna gleich, seine unmittelbaren Vorgänger in der Tradition: Elieser und Jehoschua, Jochanan ben Nur! undJehoschua ben Karcha, oder seine Genossen Simeon ben Gamliel, Rabbi Meir und RabbiNehorai ^d), oder seinen Namensverwandten Jose, Sohn des Jehuda ben 'Jlai, der ebenfalls sein Zeitgenosse war""), mit der gewöhnlichen Formel: „es spricht N. N.", oder wenn er seine eigenen Aussprüche unter der Formel: „es spricht R. Jose" einführt, da dieses später in der Mischna ebenfalls der Fall ist, ohne daß ein Grund da ist, dem Jehuda Ha-Nasi die Redaktorschast zu entziehen. 3. Was nun das Seder 'Olam anlangt, so ist es kaum zu bezweifeln, daß früher-dieses .Werk viel umfänglicher und inhaltreicher vwar, da im Talmud nicht nur sehr Vieles von Jose angeführt wird, und sogar zuweilen in der Weise, als wäre es aus seiner Barajta citirt, sondern auch die historischchronologische Mittheilung seines Sohnes Jsmael sich in unserem erhaltenen Seder 'Olam nicht findet-7). Aber ebenso gewiß ist es, daß schon früh das ganze Chronikon, mit Ausnahme einiger Interpolationen 2a) und Ansätze-3), sich auf i 7) Schic Rabba 15 a. — 8) R. Meir starb in Asia propria außerhalb Palästina (j. Kilaj. Ende) und vor Jose (s. Seder Ha-Dorot 118 c>. — 9) Sanh. 109 a; Moi:d-Katan 25 d. Das in j. Aboda Sara e. 3 dasär stehende Laodicea bezieht sich auf Jsmael ben Jose, bei dessen Tode seine ehemalige Gemeinde m Laodicea trauerte. 10) Pea e. 4. — 11) Nidda 14 b; Sabbat 51a; Sanhedrin 24a; Jebawot 105 b. — 12) j. Gittin c. 6 Ende. — 13) Seder Ha-Dorot 118 e. — 14) Babcr-Kamma 24 a; Gittin 67 a; Erubin 14 a; 51 a (Raschi)/83 b (Tos.). — 15) Nidda 46 b, wo er sagt: wer lehrte das Seder 'Olam? Rabbi Jose"; dasselbe findet sich Jebamot 82 b. 16) Sabbat 88 a; 'Aboda-Sara 8 b; Nasir 5 a; Megilla 11 b und an den vorher erwähnten Stellen. Diese Anführungen, welche übrigens noch zahlreicher bei genauer Untersuchung ausfallen werden, werden bald als Tanja be- Seder Olam, bald als Tna, bald aber auch ganz ohne besondere Kennzeichen gemacht. — 17) 'Aboda Sara 8 b, 9 a. Diese Datenmittheilungen außerhalb des Seder 'Olam müssen übrigens bei einer Kritik des alten Chronikon mitbenutzt werden, indem sie gleichsam dies ergänzen. — 18) Nidda 1. c. wo es heißt: Rabbi Jose hat diese Stelle wohl gelehrt und redigirt (t’ni Iah), aber nicht als seine Meinung.—. 19) Rabbi Nehorai war ein Zeitgenosse des Jose und .stritt zuweilen mit ihm (Nasir 66 Ende), wie er auch mit allen Genossen des Jose , mit Rabbi Möir, Rabbi Jehuda, R. Simeon b. Gamliel in Berührung kam (Mdd. Ende. Rosch Ha-Schana 22 b). — 20) Jose ben Jehuda war ein jüngerer Zeitgenosse des Jose ben,Chalesta, und er konnte seiner, wohl gedenken. 21) S. Aboda Sara 8 b; Sanh. 102 a. — 22) Dergleichen Interpolationen finden sich unter der Formel nVu* dgl., die aber im Ganzen unbedeutend sind. — 23) Als Zusatz des Sohnes Jsmael betrachte ich in e. 5 das mit „es. lehrte R. Chija" eingeleitete, indem Jsmael ein Genosse des Chija war' ('Erubin 80 a). Das Fragment im 35 *

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