Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 35 (27.8.1846)
- Date
- 1846-08-27
- Page
- Spalte 547-548 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/8555529-9897631-9897671--4632-3532503- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
547 Studien. Das große Chroniken Seder Dlam Rabba.! 548 Vorträge, gesammelt aus den Schriften des INN, re., von Benjamin-Boncs, Baal-Schein ans Krotoschin , Kerez, 1785. 8. 30 Dl. — (23. f.) Das große Chronikon, ^21 nb)y t.d, verfaßt von einem Tannaiten. Unter den Geistescrzcngniffen der Mischna-Lehrer aus der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts, welche nicht der nomokanonischen Halacha zugewandt sind, verdient das unter dem'Namen Seder Dlam bekannte, das oft gedruckte und zuwetten auch'kommentirte Chronikon der jüdischen Geschichte gewiß die vorzüglichste Beachtung und die aufmerksamste Betrachtungund' zwar um so mehr, als das jüdische Schriftthmn bekanntlich weder m der mischnä.sch-talmudischen, noch später in mittelalterlicher Zeit an dergleichen Arbeiten nicht reich zu nennen ist. Freilich vermissen wir in dem erwähnten Chronikon gerade denjenigen wichtigen Lheil, um deswillen es dem Forscher erst willkommen., gewesen wäre, nämlich die chronologischen Daten des Verfassers von dem Weltbezwinger Alexander bis auf die Zeit der Abfassung, wozu ohnehin das chronologische Material sehr dürftig zusammenzubringen ist: freilich finden wir für die biblische Geschichte, nämlich von der Schöpfung bis auf Alexander, in der uns erhaltenen heiligen Schrift schon die vorzüglichsten Daten gegeben , so daß die Aufsuchung dieser. Schrift nur als sekundäre Arbeit erscheinen kann. Jndeß gerade dieser Umstand, daß der wichtigste Lheil. des Chronikons fehlt, hätte zur nähern Beleuchtung locken sollen. ' Indem ich hier diese .Beleuchtung versuche, stelle ich zuerst das positive Ergebniß über Verfasser und Schrift zusammen, die Wiederlegung der unkritischen Ansichten, die über Abfassungszeit und über die Schrifr in den literarhistorischen Arbeiten, für den Schluß überlassend. Zuerst folge also Einiges über den Verfasser, dann über dessen Schrift. — 1. I0 se ben Chalefta wurde e. 80 n. Ehr. in Zippori (Z£7tcpcoQLg)f iw der alten großen, sehr festen Stadt Galiläa's*), geboren, wo er in der stürmischen und furcht- 1) Josef, I. K. 3, 3: SericpcoQig ^ytarr] xijgTaldaiag nolig. Nach R. ©e’tri (im % Iahrb.) ist Zippor:i identisch mit der Sebulunitischen Stadt Kitron, welche von Kananiten bewohnt blieb, und sie habe nach, ihm nur deshalb den Namen Zippori wegen ihrer Lage.aufUdem Gipfel eines Berges, einem in dem Wipfel eine^^Vaums nistenden Vogel gleich, echalten (Megilla 6 a). N'^chssMar Iochanan (2. Jahrh.) soll Zippori identisch sein ssnit^dem alten naftalitischen Rakkat, und zwar weil es wie ein Meeresufer (Rakkat) sehr hoch lag (ib. ib.). Abgesehen von dieser Identisicirung sieht man darausdaß man im zweiten baren Zeit der politischen Zuckungen erzogen und zu einem energischen Charakter herangebildet wurde. In dieser seiner Vaterstadt, wo schon sein Vater Chalefta gelebt und Institutionen eingeführt* 2 3 4 5 6), hielt er später Vorträge, machte Einrichtungen, und stand überhaupt einer Hochschule und einem Gerichtshöfe vor, und der Gerichtshof unter ihm war der strengen Unparteilichkeit wegen sehr berühmt/). Er war aber auch einer der fünf berühmten Schüler des großen Märtyrers Rabbi "Akiba, der neben R. Meir, R. Jehuda, R. Simeon ben Iochai und R. Elasar ben Schamua, nach dem schauerlichen Lode seines Meisters °Akiba (123 n. Chr.) die Hauptstütze des Gesetzes wurdet» Im Jahre 124 n. Chr., als nach dem Märtyrertode *Akiba's die Verfolgungen gegen die Lehrer und die jüdischen Lehren heftiger und grausamer wurden, wurde er sammt seinen Genossen, Simeon ben Iochai und Jehuda, der geheimen Konspiration und der Verdächtigung Rom's beim Volke angeklagt, und. in Folge dessen aus seiner Vaterstadt Zippori verwiesen, so daß er nach Kleinasien auswandern mußtet. Der römische Kaiser Hadrian, welcher Jose verbannte und Simeon ben Iochai zum Lode verurtheilte, so daß Letzterer sich in einer Höhle zu, verstecken gezwungen war, machte einen Sohn des Jose, benamt Jsmael, vermuthlich um die Rabbiner besser verfolgen zu können, zum Häscher und Delator, was er auch so lange blieb, bis er auf Veranlassung geheimer Vorwürfe, daß er das Volk Gottes dem Tode überliefert, nach L a o d i c e a, einer kleinasiatischen Stadt in Phrygien am Flusse Lykus^ dem unglücklichen Gewerbe entfloh ^). Nach dem Tode Hadrians (136 n. Chr.) kehrte Jose aus Kleinasien in seine Vaterstadt Zippori zurück, wie ebenfalls sein Sohn Jsmael aus Laodicea heimkehrte, obgleich die dortige jüdische Gemeinde ihn nie vergessen konnte. Bei dem ersten Concil, welches nach Hadrian's Tod in Uscha zur Befestigung des Gesetzesftudium stattgefunden, die aber immer noch gefahrvoll und todtbringend war (Schilfe ha-Schemad), nämlich 137 n. Chr., bildete Jahrhunderte diese Stadt für sehr alt hielt und daß sie auf einem Berge sehr angenehm gelegen. Wegen dieser ihrer hohen Lage hatte Jose ben Chalefta den Wunsch ausgesprochen: er möchte mit den Frommen Tebarja's den Sabbat einweihen (da Tebarj a ssehr niedrig tag, so wurde dort der Sabbat früh eingeweiht), und mit den Zipporiten den Ausgang des Sabbat bestimmen (Sabbat 117 b. Raschi das.). — 2) Rosch Ha-Schana 27 a. Sa'anit 1 b. — 3) Sanhedrin 19 s, 32 b, 113 b. — 4) Jebamot 62 b. — 5) Sabbat 33 b. Für „le-Zippori" muss es dort „mi- Zippori" heißen, wie schon im Seder Ha-Dorot p. 118 b richtig korrigirt ist. Daß er nach Asia (wdn) ausgewandert, sieht man aus Baba-Mezia 84 a, und daß unter Asia nur Kleinasien zu verstehen, ersieht man deutlich aus dem Gebrauche von ’AeLu in den Büchern der Makkabäer (1 Makk. 12, 39. 13, 32. 2 Makk. 3, 3) und im N. T. Siehe Winer RW. 8. v. Asia. — 6) Baba-Mezia 84 a. - i s i' \ I s-