Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1846-08-27 · Heft 35 (27.8.1846) · p. Seite 272

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 35 (27.8.1846)
Date
1846-08-27
Page
Seite 272 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2360092-2360418-2360454--5569-3532497
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

272 gesetzt ist» Rapap ort, welcher der Geschichte der Gebete, der Kritik des Atterthums Bahn gebrochen, würde gewiß das Resultat seiner Forschungen in Leben umwandeln und würde es gewiß nicht unterlassen, unsere Synagogen aus ihrem jämmerlichen Zustande zu reißen. Was nützen aber der Wille und die Einsicht eines Einzelnen, wo eine Dreieinigkeit verlangt wird! Unsere Gotteshäuser mit ihrer mittelalterlichen Einrichtung und ihrem modernen Geschrei gereichen unserer Gemeinde, die sich als eine intelligente geriren möchte, nur zur Schande. Die Jugend kannsich an das Lärmen L ln Tandelmarkt nicht gewöhnen, sie vermißt das frische Wort der Belehrung und kehrt den Bethäusern den Rücken zu. Wir haben Synagogen in Menge, aber keine Gotteshäuser. Dazu kommen noch andere zwei Uebelstände, welche die Thatkraft eines solchen Gelehrten wie Rapaport hemmen. Bei uns maaßt sich der erste beste Lamdan eine Stimme über den Rabbiner an, wenn er auch in seiner Dumpfheit meint, Kapparot sei eine mosaische Vorschrift. Dadurch wird die Autorität und die Willenskraft des Rabbiner geschwächt. Ein anderes Uebel ist der Mangel an wöchentlichen Vorträgen in unser» Synagogen, die eure allmälige Ordnung vorbereiten helfen könnten. Soll unser Kultus gedeihen und seinen griesgrämigen Charakter verlieren, so muß das religiöse Oberhaupt seinen bessern Willen auoführen können und der Vorstand muß ihm in die Hände arbeiten, muß es stärken anstatt zu. entmuthigen. Das Geschrei des Pöbels und die Pitpulim der dummdreisten sogenannten „Mischnajot-Rabbi's^ sowie die Drohnugen der gelehrt sein wollenden Gemeindeglieder dürfen keinen Maaßstab abgeben, wo es gilt, neues Leben in unsere Gemeinde zu bringen und sie dem allmäligen Verfalle zu entziehen. Es ist traurig, die schönen Kräfte in unserer Gemeinde erschlaffen zu sehen, durch beit Mangel an Unterstützung. Hr. Rapaport sollte das Geschwätz derer, deren ganzes Gebiet die rD^n htif niDN ymN und die weder die Geschichte noch das Wesen des JudenthumS kennen, verachten nnd der Vorstand sollte ihm hilfreich die Hand bieten, □y ral Tyn na rD'N! (StuS einem Briefe.) Oberitalien, 6. Aug. „Rom ist jetzt das Tagesgespräch, Rom wird jetzt .von den leichtbcweg liehen Gemüthern Italiens in den Himmel , erhoben; denn mit dem neuen Pabste, heißt es allgemein, soll nun auch ein neuer Geist einziehen. Auch wir Israeliten haben diese Illusionen, auch wir setzen unsere Hoffnungen, auch wir tragen unsere Wunsche dem neuen Kirchenfürsten zu. Seine erste Bestimmung, daß unsere Armen an den zu vertheilenden Almosengeldern theilnehmen dürfen, die gute Aufnahme, welche die jüdische Deputation den 13. Juli beim Pabste gefunden und die Zusicherung seines Mitleides, das sie erhalten, wären freilich nur schwache Fäden, wenn nicht der ganze Geist, der die neue Regierung beseelt, dazu berechtigte. Die Freiheit Israels geht mit der Freiheit dir Völker Hand in Hand, das lehrt die Geschichte, und wenn wirklich eine Erlösungsstunde für Italien schlagen sott, so wird sie auch für die Bewohner des schauerlichen Ghetto zu Rom nicht ansbleiben, da der freie Mensch neben sich keine Sklaven duldet. Das Vorzüglichste, was bis jetzt gescheben, ist die Amnestie, alles Uebrige war bis jetzt nur Aeußerung persönlichen Wohlwollens; aber wir werden hoffentlich bald erfahren, ob es der bessere Sinn des neunzehnten Jahrhunderts ist, der in die Stadt der Gräber eingezogen. Das israelitische Eentral-Konsistor i um zu Paris, wie wir hören, auf die lebhafteste Anregung von Seiten des Pariser Rothschild, will sich so eben unmittelbar an den heiligen Vater mit der Bitte wenden, das schwere mittelalterliche Joch, welches die Juden seit der Restauration so furchtbar nicderdrückt, abzunehmen und sie im Geiste unseres Jahrhunderts zu behandeln. Ein Gleiches sott ebenfalls von der Elite der englischen Juden, mit dem Baronet Isaak Lyon Gotdsmid, Baron de Goldsmid und de Palmeira, an der Spitze, geschehen, die durch eine Deputation dasselbe nachsuchen wollen.. Bei dem milden Geiste des Pabstes ist es kein Zweifel, daß jene Verwendungen für unsere* tiefgebeugten Brüder im Kirchenstaat von einigem Nutzen sein werden, ob aber eine ganz neue Umgestaltung der Verhältnisse stattfinden werde, müssen wir abwarten." Papa, 4. Aug. Der Rabbiner Leop. Low, wie. sie wissen, kommt nicht hierher; eine starke Opposition, die hier gegen seiner Wahl und der Umstand, daß diese Opposition höher» Orts Klage führt, haben dieses Nichtkommen veranlaßt. Alle seine Freunde erstaunten übrigens über diesen Wechsel; man kann hier nicht begreifen, wie Hr. Löw eine intelligente Gemeinde wie Gr.-Kan ischa mit einer so finstern, bigotten und ränkesüchtigen wie Papa nur vertauschen mochte. Denn daß er in Papa nur einen geringen Wirkungskreis haben konnte, leuchtete Jedem ein. —■ Nun erlauben Sie mir ein. Wort der Berichtigung über den Schützling des Orients, über Schiller. Dieser Mann, den Sie, als „Flegel^ gegen die Rabbiner-Versammlung gebrauchend, gegen die Anklagen von Dieberei u. dgl. zu Ehren gebracht, schreibt sich „Doeent" oder „Professor" am theol. Kollegium zu Eperies, und vor Kurzem haben Sie erst einige darauf bezügliche — aber jedenfalls lächerliche — Reden ausgenommen. Ueber diese Würde, die natürlich jedem Ausländer, der Hrn. Schiller kennt, wundernehmen muß, hat es hier eine eigene Bewandtniß, die dargelegt werden muß, damit nicht die geistige Leerheit , mit eitetn Titeln prahle. Die evangelischen Seminarien, oder wie sie hier heißen Kollegien, sind, als einer ecclesia pressa ungehörig, in dem traurigsten, trostlosesten Zustande, und da mit Mühedie allernöthigsten Fächer der evangelischen Theologie besetzt sind, so ist die Verwaltung. froh, wenn sie irgend ein Fach ohne

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.