Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1846)
- Date
- 1846-08-27
- Page
- Seite 271 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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271 Berlin, 20. Aug. Die Theologen-Verfammlung hak bereits den Neid und die Schmähsucht der 9i.-V. sich zngezogen, und man weiß nichts Geschickteres zu thun, als den Repräsentanten derselben, den Oberrabbiner Frankel anzugreifen. Ein Korrespondent der A. Z. d. I. wagt es, einen unserer ersten begeisterten Theologen hierarchischer, ja persönlicher und selbstsüchtiger Zwecke zu beschuldigen, während doch Jedermann, der eine Stimme vertreten kann, der Zutritt gestattet ist. Uebrigens weiß es Korrespondent, daß Frankel nur dringenden Bitten nachgegeben und sich durchaus nicht an die Spitze stellen wollte. Komisch ist es, wenn in demselben Artikel behauptet wird, Frankel werde eS bereuen, von der R.-V. sich getrennt zu haben. Die R.-V. ist todt und die Trauergebräuche können nach den Beschlüssen der 3. Versammlung eingerichtet werden. Frankel ist übrigens gar nicht der Mann, der sich durch das Gerede eines Korrespondenten in der Verfolgung seines erhabenen Zieles irre machen läßt, und bedarf keiner Versammlung, um eine Autorität zu gewinnen, die er längst besitzt. Posen, 19. Aug. Die projektirte Kolonisation der Inden hiesiger Provinz nimmt zwar eine sehr langsame Fortentwickelung, jedoch für den Fremden scheint es, als sei dieselbe ganz in Stocken gerathen. Es ist darum und nicht ganz mit Unrecht die Saumseligkeit und Schlaffheit des Eentrat-Vereins in ausländischen Blättern mit heftigen Worten getadelt worden. Wir können indessen aus sicherer Ouelle versichern, da wir darüber die genauesten Erkundigungen eingczogeu haben, daß von. Seiten des Centralvereins noch nichts verabsäumt wurde, vielmehr von diesem unausgesetzt mit unverdrossener Thätigkeit an dem Vornehmen gearbeitet wird. Der Verein kam schon vor vielen Monaten auf Grund der Allerhöchsten Ordre des Königs um die Ueberweisung von Krondomainen ein. Es folgte darauf der Bescheid, daß zuvor die Statuten eingeschickt werden müssen, zur Bestätigung. Diese wurden auch nnversäumt eingeschickt, aber erst nach zwei Monaten folgten sie mit geringen Veränderungenmit dem Bemerken zurück^), daß der Verein zuvor vom Könige Korporationsrechte erwerben müsse, ehe er Land in Erbpacht empfangen könne. Da fand nun der Vereins-Vorstand für gerathen, da ohnehin bis zur Erlangung dieser Rechte eine geraume Zeit verstreichen würde, vor der nochmaligen Einsendung der Statuten eine General-Versammlung, die auf den ersten September d. I. anberaumt wurde, sämmtlicher sich bis jetzt zur Theilnahme gemeldeter Gemeinden, wie der gebildeten Filialvereine und einzelner wohlthätiger Mitglieder ausznfchreiben, in der die Angelegenheiten des Vereins reiflich besprochen wer¬ *) Wir bitten den Hrn. Korrespondent, die Statuten gef. einzusenden und die Veränderungen, wenn auch noch so gering, die sie erlitten,-anzumerken. Red. den sollen. Es haben bisher 47 Korporationen zur Betheiligung und Unterstützung aus hiesiger Provinz sich angeschlossen, und 10 Filialvereine sich konstitnirt, und unter dm einzelnen Theilnehmern finden sich zwei, von denen einer, nicht aus der Provinz, 500 Thlr. und der zweite ein hypothekarisch versichertes Kapital, dessen Zinsen jährlich 18 Thlr ausmachen, versprochen. Dieselben in der Provinz wohnenden sollen nun theils durch Deputirte aus ihrer Mitte oder ans der Nlitte der hiesigen Gemeinde durch freie Wahl vertreten werden, und ihre Beschlüsse fassen. Es werden zwar sich noch sehr viele andere Gemeinden, wie dies' bereits theils mündlich theils auf andere indirekte Weise versichert wurde, bei diesem edlen Unternehmen betheiligen, ja, eS .steht, zu hoffen, daß sich keine ausschließen wird; indessen da ein faktischer Beitritt noch nicht geschehen, konnten sie-zur Generalversammlung doch nicht eiugeladm werden. Es ist ans diesem, Allem leichtlich zu ersehen, daß es der Verein nicht an unanSgesetzter Thätigkeit fehlen läßt, unb daß die Verzögerung nur durch den nölhigen Jnstanzcngang der Behörde herbeigeführt wurde. Möge recht bald eine schnellere Beförderung dem Unternehmen zu Theil werden, die Theilnahme des Publikums aber, durch die Verzögerung'sich nicht vermindernl Oefterrei ch. Prag, 14. Aug. Die Freunde des besonnenen Fortschrittes freuen sich sehr, daß Rapaport zurTheologcn-Versammlnnggeht. Sie hoffen, daß dadurch .den jämmerlichen Zuständen in unserer Gemeinde ein Ende gemacht werden werde. Zwar sehen es die Hyperorthode.ren mit scheelen Augen an, allein der feste und offene Charakter Rapaports verbürgt un§, daß er ans die Jeremiaden der Zeloten sowie ans die Rathschläge seiner verkappten Feinde nicht achten werde. — Die hiesige Ncu-Synagoge wurde von Rapaport durch eine passende Rede cmgeweiht. Air diesem Sabbat waren Holdheim, Sachs und Mannheimer in unfern Mauern. Der Fanatismus der hiesigen Inden zeigte sich in einer grellen Gestalt und — machte sich lächerlich. Die Pinkasnnd Neu-Synagoge sollen zwei Prediger und einen geregelten Gottesdienst erhalten, was gewiß sehr erfreulich und für die hiesige Gemeinde sehr wichtig ist.. Prag, 17. Aug. Es ist einmal Zeit, die bektagenöwertheu innern Angelegenheiten unserer Gemeinde . bei ihrem rechten Namen zu nennen und durch eine öffentliche freie Prüfung ans die Mängel und Gebrechen in unserer Gemeinde aufmerksam zu machen. Der Stoff ist aber so umfänglich, daß ich ihn erst in mehren Artikeln zu bewältigen im Staude bin.. Das Nabbinatsverhältniß nehme die erste- Stelle ein. Es ist ein Unglück für unsere Kttltusangelegenheitcn, daß wir einRabbinatskolleginm haben, das auS heterogenen Personen zusammen- . 35 *