Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1846)
- Date
- 1846-08-27
- Page
- Seite 270 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 270 - Weise christliche Institute sich gewöhnen, jüdische (Frei?) Schüler aufzunehmen. Der Verein hatte auch die Absicht, ans seiner Mitte einen Kreis von Lehrern zu bilden, welcher sich dem Scholastcn anschließen und die jüdischen Schüler überwachen sollte. Der Gemeinde- Vorstand wollte von diesem Projekte aber nichts wissen, ich weiß nicht, ans welchem Grunde, ob ihm der Verein keine Garantie in der Befähigung zu solcher Veaufsichtigung geboten, oder ob er die Schulen für gut halt. Diese Sache wurde in der Hamburger Neuen Zeitung weitläufig behandelt; Herr Ed. Cohn trat für den Verein in die Schranken, und ein Schulmann mißbilligte diesen Plan und scheint der Meinung zu sein, daß das Heil unserer Schulen schwerlich vom Verein ausgehen werde! Uebrigens bleibt Alles beim Alten. Breslau, 14. Aug. Die letzte Nummer Ihres geschätzten Blattes, enthält unter der Rubrik (Eingesandt) einen Artikel aus Berlin, in welchem uusereur Rabbiner Herrn Dr. Geiger, der. Vorwnrfgemacht wird, ,,er habe bei dem Leichenbegängnisse des Gemeinde-Beamten Sam oje, deshalb nicht fungiren wollen, weil der Verstorbene nach alter jüdischer Sitte beerdigt worden sei. 'Daß Herr Dr. Geiger aus anderem, als dem angegebenen Grunde, dabei zu erscheinen, verhindert gewesen sein mußte, mag die einfache Thatsache beweisen, daß derselbe bei der am 11.!r. m. stattgefundenen Beerdigung meines Schwiegervaters des emeritirten Lehrers au der hiesigen Königs. Wilhelms-Schule, Heimann Schlesinger, obgleich dieselbe streng nach orthodoxen: Gebrauche erfolgte, wie in allen andern Fällen, amtlich fungirte, und vor einer zahlreichen Trauer-Versammlung, in gewohnter Weise, Worte des Trostes und der Erhebung sprach. Zur Berichtigung des oben erwähnten Artikels, wird die mitgctheilte Thatsache unfehlbar dienen, und erlaube ich mir nur die freundliche Bitte an Sie, eben: dieser Berichtigung ein Plätzchen, in Ihren: vielgelesenm Blatte gönnen zu wollen. Berlin, 16. Aug. Man ist hier auf die erste Versanunlung jüd. Theologen sehr gespannt, indem inan von ihr allein den richtigen Weg zu erfahren hofft, der durch das Labyrinth der gegenwärtigen Wirren durchführt. Die Theologer:-Versammlung kann im Voraus des Beistandes großer Gemeinden gewiß sein, da cs denselben nur erwünscht sein kann, die Ansichten bewährter und ernster Theologen zu vernehmen. - Wie ich höre, hätte die hiesige Gemeinde bereits eine bedeutendeSumme für die Versammlung bestimmt, und zwar durch die Vermittelung unseres würdigen Sachs, der eine bedeutende Stelle in der Versammlung einnchmen wird. Die neue Synagoge hat seiner Beredsamkeit bedeutende Summen zu danken; auch die Theologeu-Versa:umLung wird den starken Einfluß, den Sachs hier übt, bald kennen lernen. Glerwitz, 16. Aug. Wie sehr das Judenthum durch das rege Leben irr jüngster Zeit erstarkt, indem es aus seiner Gebundenheit in eine freie geistige Entwickelung der Gesammtheit begriffen ist, an Bedeutung gewonnen hat, zeigt hinlänglich unsere Tagesgeschichte. Wir scheu es nach einer freien Selbstständigkeit besonnen ringen, die ihm auch, den Reflex des Jdeenaufschwungcs im Volksbcwußtsein producirend zu erstreben gelingen wird. Dazu tragen zuweilen auch die Rabbiner: bei, welche in neuerer Zeit dem Judenthum gewonnen sind, und die nächst einer wissenschaftlichen Bildung auch einer Tüchtigkeit in der Beurtheilnng der Jetztzeit sich zu erfreuen haben, und bemüht sind, dem Bedürfnisse des Lebens zu entsprechen. Sie wissen gleichsam, wenn vielleicht auch.nicht alle so sind, in dembesonnenen Fortschritt das Judenthnm zu wahren und zu fördern. Ein sprechender Beweis hierfür, der mich in meiner Meinung bestärkte, wurde mir zu Theil, als ich Sonnabend in dem Städtchen Rownberg, bei meiner Rundreise in Oberschlesien» verweilte. Ich ward in den Stand gesetzt einzusehen, wie die dortige Gemeinde, die sich seit f- Jahren des wackern Dr. Lewy zu ihrem Rabbiner zu erfreuen hat bedeutend seit meiner Durchreise vor Jahren tut Sinne des wahren religiösen Lebens gehoben. Wenngleich ich nicht zu referiren hätte, daß Dr. Lewy seit seiner Vertretung des Rabbiner-Amtes besondere Anstalten ins Leben rief, was auch in einer so kurzen Zeit sich nicht leicht bewerkstellige!: läßt, so freut es mich doch, dieses Erhebliche mittheilen zu können, daß Dr. Lewy durch seine Vorträge die Gemnthcr der Gemeinde so anregte, daß sich echter Eifer für das Interesse des Judenthums kund giebt. Nur schade, daß sein Wirkungskreis nicht größer ist! -— Auch soll Dr. Lewy, nachdem er das trienniiim acaclemicum zurück'gelegt hat, und gediegene Vorträge mit sonorer Stimme zu halten in: Stande ist, triftige Kenntnisse des Talmuds besitzen, ohne welche, wie ich selbst zu glauben geneigt bin, ein Rabbiner nicht denkbar ist. Wenn ich nun manche Gemeinden, bei welchen: im Perzogthnm Posen eine RabbinatSstelle yacanfc ist, auf diesen so würdigen Mann aufmerksam mache, so glaube ich der guten Sache, für die im.reinen Interesse ich spreche, es schuldig zu sein. Herrn Dr. Lewy würde es vielleicht auch angenehmer finden, trotzdem seine Gemeinde viel Anhänglichkeit zeigt, in seiner'Heimath eine Stelle anzunehmen. Auch für die Gemeinde Krotoschin, bei der, wie ich airs der Oderzeitnng Nr. 110 entnommen habe, eine General-Versammlung über die Oualifikation eines Rabbiners stattfand, dürfte wohl Dr. Lewy recht geeingnet sein, würdige Rabbinatsstelle zu vertreten , ja in ihm) hoffe ich, wird sie den Mann erstrebt haben, der in: besonnenen Fortschritt die Parteiungen der Gemeinde zu versöhnen und vor ferneren Spaltungen zu schützen wissen wird»