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Der Orient · 1846-08-20 · Heft 34 (20.8.1846) · p. Seite 265

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 34 (20.8.1846)
Date
1846-08-20
Page
Seite 265 (sequence 9)
Language
German
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265 - hat er aus seiner angeblichen Lustreise hie und da etwa eine gute Aufnahme gefunden, wofür er sich verpflichtet hielt, etwas Schönes sagen zu müssen. Daß uns noch kein böser Nordwind irgend eines der vielen jüdischen Journale zngetragell, das sehen Sie nun, ist faktisch nicht wahr. Nicht darüber will ich mit Ihnen rechten, ob die Judengemeinden unserer Gegend in jugendlicher naiver Unwissenheit leben, non Rabbinerversammlnngen nichts wissen re. re. — wohl, lassen Sie-uns in naiver Unwissenheit, wenn es Ihnen so gefällig ist, unbefleckt von den Spaltungen des kampfereicheu Israels; ist das Gute nur einmal zu Tage gefördert, wird es auch uns erreichen xmb zukommen, da uns doch Anderes auch zukömmt. Ihre Angaben und Schilderungen aber Herr Referent sind sehr entstellt, daß ich trotz aller Nächstenliebe nolmis yolens dagegen protestiren muß. — Was Sie gegen unserem Herrn Kreisrabbiner Kafka sagen — verdient der alternde Mann seiner geschwächten Gesundheit halber, schon billigerwcise Nachsicht, wie viel mehr nicht erst dann, wenn wir Beispiele haben, daß ganze Gemeinden seinem ausdrücklichen Willen gradezu entgegenhandeln, und seine Autorität unbeachtet lassen; selbst bei der von Ihnen berührten Sportelangelegenheit-—dieser schmählichen Anfeindung — muß man unseremHrn. Kreisrabbiner Billigkeitsgefühl und Humanität zugestehen. Ist bei Ihnen Rabbiner und Prediger von einer Bedeutung? — Stehet Neuern neben Drosau, oder umgekehrt? Verhängnißvolle Frage, wenn man keine topographische Karte zur Hand hat! — Daß Herr I. M. Janowitzer in Neuern ein Mann von Bildung ist, wird Niemand in Abrede stellen wollen, wo aber die ausgezeichnete Bedeutendheit steckt, weiß ich eben sowenig als wie er noch wohlthuend auf Gemeinde und Prediger Praczak wirkt; denn daß Neuern einen Mann wie Herrn Praczak hat, ist nicht sein Werk. Die Idee hiezu ist nicht vonihm ausgegangen, und trägt, er auch nicht mehr bei als jedes andere Mitglied, indem eine gleichmäßige Nepartion stattsindet; eben so wenig wirkt er in einer wie immer gearteten Weise aus Herrn Praczak, welcher auch nicht der Manu ist, der erst einen Einfluß auf sich geltend zu machen brauchen läßt; dies Herr Referent ist bloL Schmeichelei Ihrerseits. Sonst nichts! — Daß Sie einige Gemeinden seit einiger Zeit zurückgehen — andere mit ihren Rabbis zufriedener als diese mit Jenen sein Lassen — dafür haben Sie gewiß Ihre intimen Gründe. Nun, sich will nicht indiskret sein, will nicht weiter in Sie dringen, sagen jedoch muß ich Ihnen, Sie.wissen eben so wenig wer und was ein Rabbi ist, als Sie wissen, wer und was ein Prediger ist, den bei Ihnen freilich die Kanzel und der Tatar macht. Daß ich nicht auch Ihre sonstigen Angaben widerlege, das Herr Referent rührt daher, weil ich eben nicht Ihren Fehler nachahmen will, ich will mich nämlich über nicht ganz genau unterrichtete Dinge, jedes Urtheils enthalten. Nehmen Sie nicht uugütig Herr Referent, wenn ich Sie höflich ersuche, daß, wenn Sie mir etwas entgegnen wollen, dies aber wieder in den Orient cinrücken zu lassen, denn ich muß Ihnen meine Schwäche gestehen, ich schlage mich gerne aus bekanntem Terrain , und habe es lieb, wenn ich den Gegner w o zu finden weiß; Sie werden mich dann zu jeder weitern Aufklärung bereit finden. Die Beschlüsse der dritten Rabbiner- Versammlung. Müde des grenzlosen und lästerlichen Geschwätzes, das auch in der dritten Rabbiner-Versammlung abgedroschen wurde, habe ich die Mittheilungen ans Schonung für die Leser lieber ganz unterbrochen, und erwartete geduldig die Veröffentlichung der Protokolle, wo man leicht die winzigen Resultate heraussinden wird. Indeß bin ich des Wartens überhoben, indem Dr. Geiger auf A Blättchen einen „vorläufigen Bericht über die Thätigkeit der dritten Versammlung deutscher (und böhmischer) Rabbiner" durch den Druck so eben bekannt, gemacht hat, und ich bin nun: in den Stand gesetzt, die Resultate anzugeben, wie sie der Hauptleiter der Versammlung darstellt. Freilich wird der Leser von vorn herein bemerken, daß das hier wörtlich Mitgetheilte sich von dem dort wirklich Verhandelten, namentlich in Bezug auf Form und religiösen Ernst, bedeutend unterscheidet, daß der hier gegebene Jnhaltsast wie ein Stück aus dem Zionswächter klingt; allem bei dem allen erfährt er doch, was in 14 Tagen vorgegangen, und das Verschwiegene mag sich der Leser zudenken. Die Versammlung faßce folgende Beschlüsse. Zuerst über den Sabbat: Die Versammlung erklärt 1) daß der Wiederherstellung einer würdigen Feier des Sabbats, als Tages der- Ruhe und der Heiligung, eine der heiligsten Aufgaben sowohl des israelit. Volkslehrers als jedes einzelnen Israeliten sei, und daß deßhalb in der Gegenwart die Aufmerksamkeit vorzüglich dahin müsse gerichtet sein, durch erhöhte gottesdienstliche Feier und durch Forderung der Sabbatweihe in den Häusern die Heiligkeit des Sabbats immer lebendiger in's Bewußtsein zu rufen; 2) daß die würdige gottesdienstliche Feier des Sabbats von solcher vor-- züglicher Bedeutung ist, daß für sie auch eine so n st v erbotene Thätigkeir nicht untersagt sein könne, daß demnach Alles, was zu einer würdigen Ausstattung des Gottesdienstes gehört oder was dem Einzelnen erst die Theilnahme an einem erbaulichen Gottesdienste möglich macht, gestattet sei; 3) daß alle in das geistige Gebiet gehörenden T h ä t i g k e i t e n der Sabbatfeier keinen Eintrag t h u n; 4) daß wenn ein Stillstand im Berufsgejchäfte die Existenz gefährdet, die Fortführung desselben am Sabbat durch Nichtisraeliten gestattet sei, und daß es ebenso 5) mit kei-

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