Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 33 (13.8.1846)
- Date
- 1846-08-13
- Page
- Spalte 517-518 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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TOUHSW 518 Studien. Aphorismen über Hastara. Von Jonas Bondi. 517 ja sogar wird derselben mehreres entgegen stehen, wie ich mir später zu bemerken erlaube. Die Gründe, welche der gelehrte Verfasser der Vorstudien für die Unwahrscheinlichkeit des Verbotes des Antiochus angiebt, sind: daß derselbe, welcher jüdische Religion und Sitten ausheben wollte, schwerlich weder gegen Propheten eine mildere Gesinnung als gegen den Pentateuch hegte, noch daß die von ihm zur Wegnahme der heiligen Schriften beorderten Soldaten gelehrte Inquisitoren waren, die nichtpentateuchische Rollen von pentateuchischen zu unterscheiden verstanden, auch wird weder in der Mischna, noch im Talmud dieser Art der Einführung der Haftara Erwähnung gethau. So triftig und beachtenswerth diese Gründe auch erscheinen, so dürsten sie doch bei näherer Erwägung an Wichtigkeit verlieren. Die ganzen Gebräuche bei Anfertigung der Schristrollen des Pentateuchs deuten' auf die große Heiligkeit hin, mit welcher der Pentateuch behandelt wurde, was bei den Schriftrollen der andern heiligen Bücher nicht nöthig war, das Absehen der Unterdrücker konnte daher nur auf das heiligste Werk gerichtet sein, welches den Juden bei Ausübung ihrer Gesetze und ihres Kultus'diente, nur auf diejenigen Schriften konnte ihre Aufmerksamkeit gelenkt sein, bei welchen durch ängstliche Beobachtung lästiger Ceremonien bei der Wahl des Stoffes, bei der Bearbeitung und bei der Zusammenfügung desselben, und endlich bei der Schrift selbst die Heiligkeit förmlich zur Schau getragen wurde; dagegen stach gerade grell der Unterschied ab, womit sie die andern Schriften beachteten, auch finden wir im Talmud so oft Beispiele, daß Propheten und die andern Bücher nicht in dem Ansehen stehen konnten, wie sie es eigentlich verdienten. Sabat Fol. 13, p. 2. ^s‘prrp *)DD . UM W1 min nm jnnio mrrvibid* Fol. 30. p. 2 Dnsan wp2 r6np nDD 1U.V? und noch mehrere andere Stellen"), daß dieses den Machthabern, unter deren Zwingyerrschaft sie lebten, nicht unbekannt bleiben konnte, ist nur zu gewiß, da sie durch Neophyten, wie dies ja leider zu allen Zeiten der Fall war und ist, unterstützt wurden, deren sie sich, wie ihrer Priester zu Exekutionen bedienten. Nach Abudirnhim p. 63. Fol. 1. (Ed. Amsterdam 5486) n^>»!?n-i»\ by ~m> nu» 'tb D'ndd p-paso not» mirD ifcOp'» und nach Elias Levita Radix “)UD scheint übrigens nur das Verbot sich auf die Vorlesung aus dem Pentateuch beschränkt zu haben, nicht aber, daß auch die Schriften selbst weggenommen wurden**), was sich also um so eher rechtfertigen ließe, da ja immer nur die Furcht vor der Lehre Mosis oder der Haß gegen dieselbe, welche nur allein *) Auch schon die Mischna, Sabbat, Kapitel 16. §. 1. 'iSl-WD weist darauf hin, man sehe Raschi, welcher sagt: ’i»n NirvnnS min nd\i n’airoi D’ndü min iijd öddd -in» nPi bmb) nwi», ..**) Wie Zunz fälschlich bemerkt, und auf Abudirühim Fol. 63 b hinweist, wo keine Sylbe davon steht» . der Pentateuch enthält, die Motive waren, welche die Bedrücker leiteten, die öffentliche Belehrung aus derselben zu verbieten. Daß nun die Mischna und der Talmud in dieser Weise der Einführung keine Erwähnung thun, ist noch weniger erheblich; denn es ist ja so selten, daß sich in der Mischna oder in den Theilen des Talmuds, welche die praktischen Ausübungen der Gebräuche und-. Gesetze behandeln, nur ein Körnlein der Ursachen der Entstehung oder Entwickelung derselben findet; nur bei Chanuka ist eine Ausnahme, wo uns der Talmud mit sehr kurzen Worten eine der Ursachen erzählt, wogegen die andern Ursachen, wie z. B. der Sieg der Iudit über den Holosornes keine Erwähnung finden. Selbst daß und warum die Vorlesung aus dem Pentateuch an den bestimmten Tagen statrfindet, hätten wir aus dem Talmud nicht erfahren, wenn es nicht gelegentlich durch einen Widerspruch gegen die von Esra getroffenen Bestimmungen hervorgerufen worden wäre. Man sehe Baba Kamma Fol. 82 p. 1 *). Wollen wir Abudirnhim und Elias Levita keinen Glauben schenken, so sehen wir doch in der oben von mir citirten Stelle Raschi's im Namen der Gaonim, welche uns doch wahrlich vollständige Zeugen sein können, daß dergleichen Verbote bestanden haben, wo und in welcher Gestalt, in welcher Weise sie ausgeführt wurden, ob die Vorlesung der Parafcha selbst, oder ob später auch die Vorlesung aus den Propheten davon 'betroffen wurden, bleibt sich ganz gleich, daher ist doch wohl anzunehmen, daß man die Veranlassung der Hastara. in der Geschichte suchen kann. Die Ansicht, daß die Hastara nach dem Schluffe der Bibelvorlesung die Introduktion zu den Vorträgen über die Parascha bildete, widerspricht der Mischna und dem Talmud Fol. 24. p. 1. nos “jn /mim pjbnq pni ndj3 p.ib-0 '"y) 'nnD ybjj.pjninon pios’ n1?» ’-o iy .lino Nin ’) Ich kann hier eine, in viele Beziehung bcmerkenswerthe Erscheinung nicht vorübergehen lassen, die ich nirgends berührt gefunden habe; es wird allgemein angenommen, daß nach bem babylonischen Talmud schon Moses die Vorlesungen aus dem Pentateuch eingeführt, so sagt Maimuni ^Iad ha- Chasaka Abschn. Gebete, Kap. 12. Hal. J.) jp\i HOT '»'QM ’j»3i rn»3 dd~o minn pup irr» bm»’b or6 '‘DT nDKQ in der betreffenden Stelle Baba Kamma steht aber kein Wort von Moses, es wird nur gesagt: jpWiOTy Njpno iin N-ip'yD? und weiter cnuw Dwaj nuy 'Dl MLD pup 1,T» erb upm, wohl aber sagt der jerusalemische Talmud in Megilla Kap. 4. 5,-,' ppnn n^D ttra owin wn-di nirptso rnirp pip iw biaw , ipsoccn!pn* 'n nyib Ndr "D"pi 'jp'iyiD bw ns^i ^'Dmi wn»min3-pnip iw bfrOisn1? ppnn N^y Wy nnJ03. Wir sehen hier, daß der babylonische Talmud nicht einerlei Meinung mit dem jerusalemischen Talmud ist, daß der im Jad ha-Chasaka wortgetreue Maimuni, welcher hier dem babylonischen Talmud folgt, ba er blos die Verordnung der Vorlesung am'Sabbat zur Vesperzeit dem Esra zuschreibt, Moses als den Begründer aufführt, bleibt überraschend. 33 *