Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 33 (13.8.1846)
- Date
- 1846-08-13
- Page
- Spalte 515-516 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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515 516 Studien. Aphorismen über Hastara. Bon Jonas Bondi. mit deutschen Lettern sind wieder zwei verschiedene Ausgaben erschienen, nämlich die Eine mit der Uebersetzung unter dem Texte, die andere dem Texte gegenüber. Prag, 1844. 8. Was nun die Wessely'sche Uebersetzung anlangt, so hat sie bei einer Vergleichung mit der von B e h r in München, von Mannheimer in Wien, Landau in Prag und Arnheim in Glogau,>wohl manche Vorzüge, doch muß die Literatur bedauern, daß der gelehrte Uebecsetzer nicht vorn in dem schönen Vorworte alle vorhandenen Übersetzungen in deutscher Sprache seit David Fried Länder und Isaak Suchet zusammengestellt hat. Diese literarhistorische Notiz würde vielleicht eine einzige Seite eingenommen haben, und daraus kommt .es doch bei . einer umfänglichen Arbeit der Art nicht an. — 3) D^nn "jVI Dj; n^Dn. Das bekannte Siddür mit dem rabbinischen Kommentar von N. Jakob Lissa, der die niD^rp DOT an den gehörigen Ort zusammenträgt. Prag7 1844, 8. Diese Siddur-Ausgabe mit dem rabb. Kommoder übrigens beiläufig gesagt, gar nichts taugt, hat zuerst der bekannte hausirende Chajim Pollak gedruckt, und ich weiß nicht durch welche Anziehungskraftjede Druckerei seitdem sich mit diesem Machwerke zu versehen sucht. An der Stelle desselben könnte wohl ein besserer Siddur dem Publikum geboten werden. — 4) Eine Taschenausgabe des Gebetbuches,, nach der Weise der Perl-Siddur. 6 Bogen .stark. Prag, 1844, 32. Dieses ist sehr geschmackvoll ausgestattet und zum Handgebrauche sehr bequem. — Man sieht, daß die. Auswahl der Gebetbücher schon ziemlich groß ist und fast gar nichts mehr zu wünschen übrig laßt. Ob die Handlung der Wiener, L a n d a u 's ch e n , R ö d e l h e i m e r, Hannoverer, Kro toschi ner Auswahl gleichkommt, kann ich nicht angeben, da mir nur diese zugekommen. Nun komme ich zu den Machasor- Ausgaben. Hr. Dr. Letteris hat den hebräischen Kommentar Heidenheim's umgearbeitet und verkürzt, wie auch eine neue deutsche Uebersetzung des ganzen Machasor's angefertigt. Der Verleger hat diese Uebersetzung und diesen Kommentar zu Machasorausgaben benutzt, von welchen drei verschiedene angekündigt werden. Ich kenne doch nur die Ausgabe in 9 Bänden, von welcher mir die ersten vier Bände, über die EOTU D'Df> sich erstreckend, vorliegen. Diese vier Bände, welche den deutschen Titel führen: Machasor. Die Festgebete der Israeliten übersetzt und erklärt von Dr. M. Letteris, sind gedruckt: Prag, 1845 - 46. 8. Die Abhandlung über die Pajtanim ist auf 9 Bände verrheilt, und befindet sich daher Einiges in jedem Bande vorn. Jedoch ist dieser viel zu wenig Raum gegönnt, manchmal kaum 2 Blättchen, während zu manchem abgeschmackten Pijjutstü'ck ein breiter Raum gegönnt ist, und selbst das Wenige hätte, mit größerer Benutzung der Vorarbeiten geschehen sollen. Die Ursache dieses Mißverhältnisses scheint mir daran zu liegen, daß der Verleger die Arbeit Hrn. Letteris allein aufgebürdet. Um ein Machasor zu kommentiren konnten sehr gut drei Personen fleißig arbeiten, wenn die Arbeit einen bedeutenden Fortschritt bekunden folle, und derselbe Fehler ist auch bei den Gebeten , und es wäre zu wünschen, daß der Verleger bei einer Bibelausgabe diese Fehler vermeiden möchte. * ' ' . Aphorismen über Haftara. Von ' Jonas Bondi. Als ich den Talmud Traktat Sabbat durchging, verweilte ich bei der sehr auffallenden Bemerkung Raschi's,-Fol. 24, Ende, p. 1 zu der Stelle im Talmud: nvrb bxw D'D Dl’ hw OTin1? -jna wtt roßn nmon aonn tdddh VHfiy DOTMH rDlBTD VlNäD 'VH BTpD , DN D’OTv ’OTl, , D’pD2 ■ mtyy DNDD ronriBO n’djd nnp1? rtenn p-i uwb de/dd ymn) , nwyb »ttu nn Vby IpbflDJ ipbnpjfiSf (?nU nmo, auf welche id) weiter ausführlich zurückkomme; sie rief eine-Menge Betrachtungen und Ideen in mir hervor, und veranlasse mich, das sehr dürftig angebaute literarische Feld über Entstehung, Entwickelung und Fortbildung der Haftara durchzuwandern. Der gründliche Zunz zählt etwas gedrängt, aber ziemlich vollständig p. 5 (in: gottesdienstlichen Vorträge der Juden) die hierüber sprechenden, bereits bekannten Stellen auf, ohne uns auf etwas Nezies aufmerksam zu machen. Geschickt geht er von der Meinung der geschichtlichen Veranlassung, nach welcher die Syrer die Gesetzes-Vorträge untersagt, und die Gesetzrollen wegnehmen ließen, so daß man mit passenden Abschnitten aus den prophetischen Büchern den Pentateuch ersetzen mußte, welche er nicht zu bestreiten weiß, zu der Ansicht über, daß es vielleicht keinen historischen Ursprung für eine Einrichtung gab, die bei der Analogie der Gesetzes- Vorträge und dem hohen Ansehen der prophetischen Bücher im Lause der Zeit wohl allmälig ihre Begründung fand. Mein hochgeehrter Freund, der gelehrte Frankel in seinen Vorstudien zur Septuaginta p. 48 ff. saßt die Sache, obgleich nur vorübergehend, auf eine geistreiche Weise auf, er widerspricht geradezu der Behauptung einer historischen Basis, was er mit Gründen, welche sehr viel für sich haben, unterstützt, und entwickelt mit vielem Scharfsinn eine ganz neue Ansicht, wonach nach Verlesung der Parascha in alter Zeit die Haftära die Introduktion zu den Vorträgen bildete, welche mit Vorlesungen aus dem Pentateuch verbunden waren. Der Vortrag war eine einfache Erklärung des aus dem Pentateuch Verlesenen, und die Introduktion begann mit einer der Parascha sich enganschließenden, nicht pentateuchischen, meist prophetischen Stelle, von der man sogleich auf die Parascha überging. So anziehend und so schöpferisch auch diese Ansicht ist, so scheint dies mir doch, worauf es hier zumeist ankommt, alles Beweises zu entbehren,