Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1846)
- Date
- 1846-08-13
- Page
- Seite 258 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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258 in die Arme eilte, da er ihm so gute Nachrichten zu ' bringen glaubte. . Mein Freund , dazu geb ich meine Einwilligung nicht. Der König von England gebraucht geschickte Leute. Sie haben eine schwache Gesundheit: Sie müssen auch dem Vaterlande dienen, welches Sie bisher unterstützt hat. Dies waren die Gegenvorstellungen des guten Alten, und nun eilte er zu Münchhausen, und überzeugte dm Minister, daß der junge Gelehrte dem .-. Staate sehr brauchbar werden könne. Münchhausen /..nahm diesen Rath des einsichtsvollen Mannes an und vephmddrte die Mitreise nach Arabien. Noch ein Jahr, -.',-chieß' es , solle er auf Kosten des Königs studireu und älSdann wolle mall ihn sogleich beförderll, dies ward auch erfüllt. Der junge Manu leistete besonders während des Krieges in mancher wichtigen Angelegenheit große Dienste, welche ihm eine Belohnung nach der andern verschaffte. Endlich rief man ihn nach London. So oft er nachher Hannover sah, ging er mit dem tiefsten Gefühl der Hochachtung und Dankbarkeit zu Raphael. Er starb in London, auch da dachte er noch an seinen Wohlthäter, und vermachte demselben oder seinen Erben 1200 Thlr. als geringen Beweis seiner.unauslöschlichen Erkenntlichkeit. Die Nachricht davon kam etwa ein halb Jahr vor dem Tode des R. an, und man bemerkte deutlich, wie sehr der Gedanke für seinen Freund Nutzen gestiftet zu haben, den dieser auch in'feinen letzten Augenblicken nicht vergessen konnte, sein Herz rührte. Solch eine Probe der Dankbarkeit empfing der Mann -mit Recht,, der sie selbst im höchsten Grade gegen seinen Lehrer Leibniz ausübte. Er pflegte jedesmal wenn der Name dieses Weltweiscn genannt wurde aufzustehen, und an dem Todestage desselben herrschte eine feierliche Stille in seiner Seele, die er nicht.gerne unterbrechen ließ. Ein Gemälde von Leibniz, dem Raphael wenigstens eine sehr große Ähnlichkeit zuschrieb/ betrachtete er * oft mit innigster Freude, und zeugte es, so wie die Neustädter Kirche, die tzeibn. Asche verwahrt*),'manchmal mit Thränen im Auge. Hundert Thaler bor ihm einst der Fürst Von Waldeck für jenes Bitdniß, aber er ließ es für keinen Preis aus seinen Händen. Ein in edler, gemeinnütziger Stille und,, zuletzt in philosophischer Abgeschiedenheit geführtes Leben, beschloß Raphael wie man .es. ihm. wünschen wird, ohne .Schmerzen und Angst 1789 am 17. Mai, im 94. Jahre. Noch eine halbe Stunde vor seinem Entschlmnmeru löste er eine Aufgabe; *) Diese Stelle, verglichen mit der früher erwähnten Aussage des Kanzleiraths Mügge ergkebt doch'wohl,'daß-wir über die Grabstätte Leibnizens nicht im Jrrthume sind, zumal da Raphael, als er der Beerdigung seines großen Meisters beiwohnte, 31 Jahr alt war und die Erinnerung an ein ihm so bedeutungsvolles Ereigmß auch auf die Oerttichkeit sich ausgedehnt haben wird. 24 Stunden vorher bemerkte er, daß sein Ende nahe sei. Er ließ alle seine Freunde und Verwandte vor sein Lager treten und gab einem nach dem andern väterliche Ermahnungen, die auf eines jeden besondern Zustand paßten und zeigte au, daß er morgen unfehlbar sterben werde. So verschied ein Manu , dem seine Kenntnisse und Verdienste allgemeine Hochachtung und sein vortreffliches Herz die Liebe und Ehrfurcht aller derer verschaffte, die näher damit bekannt waren *). Einige arithmetische kleine Arbeiten sind gedruckt worden, mehrere Manuskripte von ihm verwahrt seine Tochter in Hannover, und nach dem Raphael-Leibnitz'- schen Gemälde wird jetzt in Leipzig eine Büste verfertigt, mit welcher ein dasiger wahrer Beförderer und geschickter Kenner der Kunst ein in Leipzig öffentliches Gebäude zu schmücken Vorhaben soll. (Hannov. Morgenzeitung.) Ansichten über die projektirte Theologen-Verfammlung. Wir glauben uns nicht zu täuschen, wenn wir uns vielfache und lebhafte Theilnahme des Publikums an der vom Herrn Dr. Frankel projektirte'n Theolo'gen-Versammlung, und von derselben einen nicht geringen Nutzen versprechen. Ueber das Bedürfniß einer gemeinsamen Wirksamkeit jüd. Theologen zur Förderung und Kräftigung der Religionswissenschaft und des religiösen Lebens dürste wohl in unserer Zeit Keiner in Zweifel sein. Wir sprechen hier nicht von dem sogenannten Bedürfnisse der Ausgleichung der Lehre mit dem Leben, der Grundlage des gegenwärtigen allgemeinen Reformgeschrei's; denn diese ist, wenn man nicht verräterisch zu Werke gehen will, bei einer so durch und durch in die Praxis verwebten Religion unmöglich, und jeder derartige Versuch der Theologen wäre unwürdig. Wenn auch die jüdische Lehre selbst anbesiehlt, im Wege des Gesetzes die größtmögliche Berücksichtigung der Zeitumstande vorwalten zu lassen, um ihren Bekennern die Ausübung der Gesetze zu ermöglichen: so wird es doch, wollte man auch treulos es versuchen, nimmermehr gelingen, zu Gunsten des Lebens ausdrückliche Ge- und Verbote der heil. Schrift durch perfide Exegese zu antiquiren, angeblich um die Gewissen derjenigen zu beschwichtigen, die sich längst aus eigener Macht von denselben losgesagt haben; um mit kriechender Freundlichkeit denen eine Erlaubniß aufzudringen, die solche nicht verlangen, denen sie nicht genügt *) Raphaels Grabstein (auf dem Kirchhof zu Hannover) dessen Inschrift mit den Worten beginnt: „Raphael stand unerschrocken vor Fürsten und Königen, fuhr gen Himmel auf dem Siegeswagen seiner Weisheit u.", soll gegenwärtig neu ausgefrischt und dadurch kenntlicher werden. \