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Der Orient · 1846-08-13 · Heft 33 (13.8.1846) · p. Seite 257

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 33 (13.8.1846)
Date
1846-08-13
Page
Seite 257 (sequence 9)
Language
German
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257. Helmer: er möge ihn besuchen, er habe ein Geschäft mit ihm. . Oppeuheilner erschien-; nach, einiger Er.k'undignng über , die Aufführung des. jungen Menschen, fragte ihn Lelbnitz endlich, wie viel er denn, als ein reicher Mann wohl anlegen wolle, um - seinen Buchhalter weiter zu btirrgen? . Er weiß, .setzte er hinzu, wohlfeil bin ich nicht: untere 300 Thaler nehme ich ihn nicht in Unterricht, Oppeuheiiner . entschloß -sich ohne Bedenken^ dazu. Nun sagte Leibnitz, ich sehe , er hält viel auf den jungen Menschen , er istein rechtlicher Mann : ich verlange nichts, schickerer ihn her. Jetzt ging .Raphael täglich zu Lcibnitz, zog.in sein Haus,, und wohnte endlich sechs Jahr beständig bei ihm. Man kann sich leicht, vorstellen, mit. welchem- Eifer ein Jüngling von dieser Denkart die Winke seines Lehrers benutzte und wie weit er es bei seinen Anlagen in den mathematischen Wissenschaften bringen mußte. Es fand sich, daß Raphael dem Vortrage mit ziemlichem Glück folgen konnte. Einer seiner Mitschüler hingegen, ein Hofmeister in der gräflich Kielsmauseggischen Familie,., ward in Leibnitzcns.Unterrichte ein finsterer Grübler, ünd ist endlich verrückt gestorben. Ob sich nun gleich die eigentliche Unterweisung ans Mathematikbezog, so' erweckte doch diese in -dem Schüler eine große Begierde, die übrigen Schriften des großen Philosophen kennen zu. lernen , und zu verstehen. Hier gelang es aber dem Raphael nicht so gut als in der Größenlchre. Er bemerkte bald, daß es ihm an philosophischen Vorkenntnissm fehle, und sicher war es «crjlcinbigcr, sich darum innerhalb gewisser Gränzen zu halten , als dem Beispiele seines Mitschülers-zu folgen, und ein Narr zu werden. Leibnizens praktisch-philosophische Grundsätze und die-ganze Art über die -Verhältnisse des menschlichen Lebens zu -denken, nahm er.indessen mehr.-an, und machte sie sich zu eigen. Der Rabbiniffche Jude verschwand, je mehr er nach seines Lehrers Rath seine Begriffe deutlicher und vollkommener zu machen suchte, je mehr ec selbst dachte und die Aussprüche des gesunden Menschenverstandes mehr schätzte als die Einfälle und Trugschlüsse anderer Menschen, ..die unbedingte Unterwerfung, verlangten. Ohne daß ihn indessen seine Philosophie gehindert hätte, das Gesetz, seiner Väter zu beobachten, leistete sie ihm die wesentlichsten Dienste. Er war genugsam, lebte mäßig,, that sehr viel Gutes, und besaß die Kunst überall zu lernen und überall Kenntnisse mitzutheitcn. Als er anfing, junge Leute im Bnchhalten, in arithmetischen Kenntnissen-, in der Physik und Astronomie zu unterrichten, so erfand er sich , besonders in den beiden ersten Stucken, einige Erleichterungen, über deren Werth das genug gesagt ist,, daß sie Kästner billigte. Die Heiterkeit^ mit der er lehrte, und die Leichtigkeit mit der er die schwersten Sachen faßlich machte,.waren gleich bewunderungswürdig , und beide dauerten, bis an den letzten Augenblick seines Lebens fort.' Eben so liebenswürdig war er in seinem häuslichen Leben. Mit einer Gattin, die er sehr liebte, erzeugte er sieben Kinder, aber zugleich theitle er mit ihr viele Leiden, unter denen die härtesten die waren, daß von seinen sieben.Kindern nureineTochter am Leben blieb. So mancher Unfall ihn inzwischen auch, trafso schlug ihn doch kein einziger ganz nieder. Er hatte die Gewohnheit bei großen Widerwärtigkeiten etwa eine halbe Stunde in die Einsamkeit zu gehen und nachzndenk'en. Kam er dann wieder zu den Seiuigen, so war er ganz beruhigt. Aus diesen Entfernungen konnte man denn auch abnehmen, in.welchem Grade ein Vorfall auf ihn wirkte. Vornämlich bemerkte man bei der letzten Krankheit seinerFrau, die seine ganze Zärtlichkeit besaß, daß er tief gerührt, sei. Aber durch die Ucberzeugung von einer alles leitenden Vorsehung, die er sich oft in stillen Betrachtungen erneuerte , und worauf er seine Verwandten hinwics, erhielt , er sich seinen Gleichmuts). Ueble.Laune, aufbrausender Affekt, oder Uebermaß in Freude, waren ihm gleich fremd. Zum Nachdenken und zur Auflösung schwerer Probleme war er beständig aufgelegt, und es schienen ihn die längsten Meditationen nicht gu ermüden. Nach Gewinn verlangte ihn in keinem Geschäfte. Für seinen Unterricht verlangte er nur von denen, welche cs bezahlen konnten. 'Seine ganze treffliche Denkungsart inAnsehung seiner Schüler zeigt sich in folgender Geschichte: Der Sohn eines. Handwerkers in Hannover, zeichnet sich bei Raphaels Unterweisung ganz vorzüglich au§: daher wandte er denn an diesen Kops außerordentlichen Fleiß.. Der Jüngling durfte in jeder Stunde des Tages die Studien des alten wackeru Mannes unterbrechen, ohne'ihn je'darüber unzufrieden zu. sehen. Endlich fand Raphael, daß dieser Schüler, den Mals Vater 'liebte, nichts weiter bei ihm lernen könne. Dies sagte er dem großen, auf jedes Talent, wo e§ sich auch Herd orthat, so aufmerksamen Minister Gerlach Adolph von Münchhausen, und empfahl seinen jungen Freund als einen solchen, dem man künftig, wenn er sich mehr ausgebildet hätte, Dinge von Wichtigkeit anvertranen könne. Der Minister gab dem Jüngling sogleich Stipendien, rmd'da kleine Beihilfe!; für arme Stndirende mehr Schaden stiften als Nutzen, auch eine außerordentliche Pension dazu, damit es ihn: in Göitingen an nichts fehle. Auf der Akademie erwarbsich Raphaels Schüler so viel Vertrauen, daß man ihn; nach Verlauf eines Jahres schon verschlug, ein Reisegefährte von Niebuhr jtt werden *), Die Sache ward auch vorläufig in Richtigkeit gebracht und der sich glücklich preisende Jüngling reiste nach Hannover. Sein erster Weg ging zu seinem Lehrer, dein er mit Freuden •) In der Berichtigung: „der Jüngling sollte nicht Niebuhrs Reisegefährte werden, sondern Niebuhr kam an seine Stelle?"

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