Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1846)
- Date
- 1846-08-13
- Page
- Seite 254 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 254 — Knaben und 5 Mädchen, eingeführt werden konnte , die unter dem Zndrange der ganzen Gemeinde, vieler Auswärtigen und mehrerer Christen stattfand, durch ihre Feierlichkeit, durch die kräftige, tief ergreifende,, auf den Text „der Fromme, lebt durch seinen Glauben" gehaltene Predigt des Oberrabbinerö, so wie durch einen beim Beginn und Schluß vorgetragenen Choralgesang alle Anwesende wahrhaft begeisterte und so nicht allein auf die Kollfirmandcn selbst, sondern auch auf die Erwachseiicn einen Eindruck hervorbrachte, der auf allen Gesichtern deutlich zu lesen war. Die Kinder beantworteten die ihnen vorgelegten Fragen mit einer Bestimmtheit und Deutlichkeit, die aufs beste zeigte, daß sie die erhaltenen Lehren unsrer Religion wohlverstanden und vor; ihnen durchdrungen seien und wenn hie und da im Dunkeln noch ein Gegner der Kolm'rmation herumschlich, so. mußte die überzeugende Klarheit, mit welcher die Kinder an ttv orteten und spater ein kurzes Gelübde ablegten, wobei die ganze Gemeinde'tief gerührt, fast kein Auge thränenleer blieb, ihm den Mnth benehmen, seine Unzufriedenheit auch nuranszusprechcn, Man wird mir nun einwenden, daß die Konsirmation ja nichts Neues und dieselbe bei vielen andern selbst weit kleinern Gemeinden schon seit Jahren eingeführt ist. Das ist allerdings richtig; doch wer die hiesige Gemeinde kennt und. die oben besprochenen Zustände erwägt, der wird mit, mir eingestehen, daß die Einführung der Konfirmation in Crefeld als ein nicht geringer Fortschritt, als ein schöner Anfang der von dein Oberrabbiner gewiß noch zu erwartentenden Verbesserungen zu betrachten ist, denen bei seinen bekannten, guten Gesinnungen mit Recht bald von ihm entgegen gesehen werden dürfen. Auf diese Weise wird hoffentlich der ganze Sprengel unter dem segensreichen Wirken unsers verehrten Oberhirten aus seiner trägen Ruhe heransgerissen, für alles Hohe und Göttliche beseelt, in herrlicher Entwickelung gedeihen und den jetzt noch begründeten Vorwurf, mit der Zeit nicht gleichen Schritt gehalten zu haben, im Vertrauen auf die edlen Bestrebungen des Oberrabbiners, durch angemessene von den Lehren unserer.Religion gutgeheißene Reformen in Synagoge und Schule beseitigen. Berlin, 29. Juli. (Eingesandt.) Wir haben wohl schon gehört, daß katholische Geistliche die Vollziehung ihrer amtlichen Funktionen bei dem Leichenbegängnisse derjenigen verweigerten, welche die letzte Oelung vor dem Tode nicht erhalten hatten; wir können es jedoch. als ein bis jetzt unerhörtes Faktum aufstellen, daß ein Rabbiner der freisinnigen Partei die Ausübung der amtlichen Funktionen bei einem Leichenbegängnisse darum verweigerte, weil dieses nach dem alten Ritus statthatte. Leider kam es neulich in Breslau vor , daß der Rabbiner Dr. Geiger, welcher fast an jedem Sabbate vonMässigung und Toleranz, als der zur Erhaltung des Friedens nothwendigen Mittel, predigt, dem Leichenzuge des vor kurzer Zeit daselbst verstorbenen, allgemein geachteten Gemeinde-Beglaubigten Samoje darum nicht beiwohnte, weil die orthodoxen Verwandten des Dahingeschiedenen denselben nach altem jüdischen Brauch beerdigen ließen. Wie kann sich Dr. G. einer so argen Inkonsequenz schuldig machen? Läßt sich jetzt nicht auf ihn mehr als je das alte Sprüchwort anwenden: „Richtet euch nach meinen Worten und nicht nach meinen Thaten?" L. F. B... Crefeld, im Jnli. Ich erlaube mir, hier zwei Aktenstücke mitzuthelten, die wohl nicht ohne Interesse sein werdey. Das. eine betrifft die Antwort des Ministeriums in Betracht einer Nöthigung zum Besuch des Religionsunterrichts, das aubevc eine in Bezug auf die Lehrer-Konferenzen. Das Eine Schreiben wie das Andere ist erst durch eine Eingabe hervorgerufen worden, wie ans dem Inhalte zu ersehen. Diese Ministerialschreibcn lauten: I. Ans der Eingabe vom 19. Juni d. I. habe ich gern ersehen, welche lobenswerthe Fürsorge Ew. Wohlgeboren und die übrigen Mitglieder dcS dortigen jüdischen. Konsistoriums der Förderung der religiösen Ausbildung Ihrer Glaubensgenossen znwenden. Die Mängel der jetzigen Einrichtung , nach welcher es lediglich dem eigenen Beschlüsse der Eltern überlassen ist, in welcher Weise sie für die Unterweisung ihrer Kinder in der jüdischen Religion sorgen wollen, sind nur nicht entgangen; ich muß jedoch zur Zeit Anstand nehmen, die zwangsj weise Anhaltung der jüdischen Kinder zur Theilnahme! an einem ihrem Glauben entsprechenden Religions-Unterrichte für einen einzelnen Begriff anzuordnen, da eine allgemeine Regntirung des jüdischer: Kultus- und Unterrichts-Wesens nahe bevorsteht, durch welche den jetzigen Uebelständen hinsichtlich des Unterrichts der Kinder, in der jüdischen Religion im Umfange der ganzen Monarchie gleichmäßig Abhilfe verschafft werden wird. Berlin, den 1. Juli 1846. Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- Angelegenheiten. Im Aufträge des Herrn Chefs Lad enb erg. An den Ober-Rabbiner Herrn B o d c n h e i m er, Wohlgeboren . 15,585. m Crefeld. II. Wir finden gegen die, in der Eingabe vom 8. d. M. einberichtete Absicht, die jüdischen Lehrer des Konsistorial-Bezirks jährlich zweimal um sich zu versammeln, und diese Versammlungen in der, in dem beiliegenden Entwurf vom 4. v. M. dargelegten Weise zu leiten und zu konstitmren, nichts zu erinnern. Ueber den Erfolg, den Ew. Wohlgeboren durch diese Konferenzen zu erzielen gedenken, wollen wir unter