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Der Orient · 1846-08-06 · Heft 32 (6.8.1846) · p. Seite 251

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 32 (6.8.1846)
Date
1846-08-06
Page
Seite 251 (sequence 13)
Language
German
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251 Polen und Rußland. Mitrrrr, 25. April. (Verspätet.) Die hiesigen Blätter enthalten folgenden Corrcspondenz-Artikel aus Schitomir: ,,Die Verordnung, durch welche den Juden zur Pflicht gemacht ward, im Laufe eines Zeitraumes von fünf Jahren ihre Nationaltracht gegen die landesübliche Kleidung zu vertauschen, hat im Gouvernement Wolhynien bereits günstige Folgen gehabt und wesentlich dazu beigetragen, eine Annäherung zwischen den Juden ltub der christlichen Bevölkerung herbei zu führen. Gleich nach dem Erscheinen der obenerwähnten Allerhöchsten Verordnung, beeilten sich die jüdischen Kaufleute in Schitomir, ohne von der ihnen gestellten Frist Gebrauch zu machen, ihre Tracht gegen die Tracht der russischen Kaufmannschaft zu vertauschen; ja einige unter ihnen fingen sogar an Fracks zu tragen, und im August des vorigen Jahres sah man schon in Schitomir kein jüdisches Kostüm mehr. Diesem Beispiel folgten alsdann auch die jüdischen Gemeinden im Gouvernement, und gegenwärtig haben bereits alle Juden in Wolhynien ohne Ausnahme ihre Nationaltracht abgelegt. In Folge eines Vorschlags der Gouvernements-Obrigkeit haben die angesehensten Mitglieder der jüdischen Kaufmannschaft jener Stadt sich zur Gründung eines Kaufmanns-Clubs vereinigt, und zur Theilnahme an demselben außer ihren Glaubensgenossen auch Kaufleute und Beamte der christlichen Confessionen aufgefordert. Dieser Club ward am 13. Febr. d. I. mit einem Ball eröffnet, welchem der stellvertretende Aiilitair-Gouvcrireur, der Viee-Gouverneur und viele andere Militair- und Civil-Beamte beiwohnten, und von welchem sich selbst die Damen der hohem Stände nicht ausschlossen. Zu Anfänge des Balles bemerkte man an den anwesenden Juden jene, ihre Nation charakterisirende Schüchternheit, die jedoch bald durch die Zuvorkommenheit und Herzlichkeit, mit der sich ihre Gäste gegen sie benahmen, einer ungezwungenen Fröhlichkeit Platz machte. Mehre junge Israeliten und Israelitinnen nahmen mit Leichtigkeit und Anstand an den Tänzen Theit. Der Ball dauerte bis nach Mitternacht. — Dies ist vielleicht daö erste Beispiel eines jüdischen Kaufmanns-Club in nnserm Vaterlandc." — Bedenken über die Colonifation der Juden in der Provinz Posen. (Schluß.) Nun wird doch wohl auch eingeräumt, daß sie der Behörde des Nächstliegenden Dorfes, wegen mannigfacher Abgaben, die abgetragen werden müssen, angereihet wird werden. Diese Behörde ist aus einem Scholzen und mehreren sogenannten Beisitzern, oder Gerichtsleuten, also aus lauter Bauern zusammengesetzt, und da deiner der Eotonisten ein Amtssiegel führen, noch wegen seiner Nichtnaturalisirung Bei-, sitzer der Behörde des nächsten Dorfes, der er angereihet ist worden, werden darf, so ist leicht zu ermessen, welchen Willkührlichkeiten, Prellereien und. Chikanen die Colonisten ausgesetzt sein werden, entspringend aus der Behauptung: die Juden besolden so viele Beamte und müssen gewiß reich sein, daher können sie auch tüchtig zu Abgaben herangezogen werden. Und der Neid, der einer wilden lauernden Bestie gleichende Neid, wird durch die Bevorzugung der ausschließlichen Belehnung der Juden alsobald erweckt, er lauert und lauert und harret auf eine sogenannte für sich günstige Gelegenheit, die sich über kurz oder lang darbieten muß, endlich bricht seine verhaltene Verbissenheit, sein so lang verschlossen gewesener Ingrimm los und — Gott möge den armen Juden gnädig sein. — Ob Gemeinden, die zur Nachahmung der Gemeinde zu Posen: einen jährlichen Beitrag zu bewilligen, aufgefordert worden sind, sich bei solchen obwaltenden Umständen und Bewandnissen, besonders aber, da ihnen won Zeit zu Zeit eine gewisse Anzahl Contribuirender entzogen werden sollen, ohne daß sie von denselben sich abzulösen verlangen können (?) —- bewogen fühlen werden, wollen wir dahin gestellt sein lassen, und bitten nur, uns nicht den Vorwurf zu machen, daß wir aus übermäßiger Furcht und aus ungegründeten Bedenklichkeiten am Hellen Tage Gespenster sehen, und daß wir gleich Donquixote eine Heerde Schaafe des Friedens für eine Schaar geharnischter Ritter des Krieges haltenman halte uns ferner nur nicht für dermaßen verblendet, daß wir die gedeihlichen Fortschritte im Judenthume, die angeregt und in's Leben gerufen sind von den neuen Bewegungen im Christenthum — nicht sehen und die Symptome der Zeit nicht gewahren und bemerken, daß derlei Bewegungen mir der Länge der Zeit endlich überall Anklang und Eingang finden und festen Boden fassen werden, und so wie die aus den gedachten Bewegungen schon hervorgegangenen Reformgenossen, wenn nicht vom Gesetz, doch von den Behörden begünstigt, ja unterstützt werden, so steht mit Gewißheit zu erwarten, daß, wenn die schon im Werden begriffene Reform ein Gemeingut geworden sein wird, gewiß auch für die Gesammtheit eine neue Aera der Emancipation beginnen werde. Wir haben sie wohl wahrgenommen diese neuen Bewegungen im Judenthume und sind ihrer Richtung, die sie erhalten, mit Aufmerksamkeit gefolgt, daher behaupten wir, daß von der Zeit ab, da aus diesen Bewegungen, als Endresultat ein Reformverein hervorgegangen, dieser auch nicht mehr auf Grund und Boden des Iudenthums — weil er dessen Basis ganz yegirt — sich befindet, folglich sind die Theilnehmer an demselben auch keine Juden mehr, obgleich sie diesen Namen noch nicht abgelegt haben. Sabbatai Zewi

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