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Der Orient · 1846-08-06 · Heft 32 (6.8.1846) · p. Seite 252

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 32 (6.8.1846)
Date
1846-08-06
Page
Seite 252 (sequence 15)
Language
German
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252 f t | 5 j f I | gewann zu seiner Zeit für seine Ansichten einen großen Anhang; er proklamirte sich — da damals der leibliche Messias, bei den Angriffen und der Gedrücktheit von außen, sehnlichst erwartet wurde — als den eigentlichen Messias. Statt der Wunder, die er, einem Messias angemessen, zeigen sollte, begann er abzuschaffen und zu resormiren und rüttelte das Gesetz an seinen Grundpfeilern, somit aber stand er außer dem Iudenthume. Seine Anhänger, die noch existiren, sind keine Juden mehr, sondern — Frankisten. Frühere Zeitereignisse wiederholen sich, als geschichtliche Parallelen, später wohl zum Oeftern, aber Ln einer andern äußern Gestalt und Gewandung; bei einer näheren Prüfung und Vergleichung mit einander gewahrt man auch die gegenseitige Ähnlichkeit. Stern trat mit seinen Vorlesungen über J-udenthum auf, Ln der Absicht, dem niedergehaltenen Geiste desselben ein Messias, — nur da der leibliche Messias seit der Sabbatai Zewischen Katastrophe allmählig die fleischliche Hülle ablegte und sich immer mehr und mehr vergeistigte — ein Erlöser des Geistes zu werden. Wäre Stern, gleich Sabbatai Zewi verfolgt worden, so hätten wir es wohl erlebt, daß er, wenn nicht zum Islam — hierzu durste es an Gelegenheit fehlen — doch zum Christenthum übergegangen wäre; aber man ist jetzt nicht mehr so rach- und verfolgungssüchtig, wie im 17. Jahrhundert; wird jetzt ein Kampf geführt, so geschieht dies ritterlich, mit gleichen Waffen, man hält sich nicht an das Subjekt, sondern nur an das Objekt, dieses wird angegriffen und bekämpft, obgleich das Eine von dem Andern schwer zu scheiden ist. Ein schlagendes Beispiel giebt hierzu ab die Breslauer Gemeinde und der auf Veranlassung Geigers sich nun in ihr gebildete Resormgenöffen-Verein / der sich als Filialverein der Berliner Reformgenossen nun constituirt hat. Aber derlei Vereine können für eine Colonisirung, die erst ins Leben gerufen werden soll, gar nicht maßgebend sein, man müßte sogar eher jeden Einfluß., jede Influenz auf dieselbe von Seiten solcher Vereine, fern zu halten suchen, denn die Zeit wirds erst lehren, ob die Berliner oder die Breslauer Reformgenoffen Juden, oder Sternisten oder Geigeristen genannt und sein werden, daher tragen wir keine Bedenken über Reformgenossen, deren Richtung und Einfluß aufs Judenthum im Allgemeinen und wegen der geringen oder großen Anzahl Individuen, die sie von der Iudenheit noch abbröckeln werden; wir wollen es ihnen selbst überlassen — da wir einen andern Zweck vor Augen haben und besonders nicht wünschen, daß auf die Trümmer des Judenthums die freiere Stellung, die Emancipation der Juden errichtet werde — sich selbst zu bedenken. Unsere Bedenken sind auf die neu zu gründenden Colonien der Juden gerichtet, deren Absicht es hoffentlich sein wird, in allen Lebensphasen, Zeiten und Verhältnissen Juden zu bleiben; für diese wird es, unseres Bedünkens nach, so lange sie nicht emancipirt sind, immer besser und zuträglicher sein, Handwerke und Gewerbe aller Art, die eine gewisse Unabhängigkeit und im engern Verlag von C. L. Fritzschr. Sinne eine gewisse Freiheit und Ungebundenheit gewähren, als dm an sich fefselncn Boden zu bearbeiten und Ackerbau und Viehzucht — bei den obwaltenden und nicht sobald sich umstaltenden Verhältnissen — zu betreiben. Schließlich bemerken wir noch, daß, wenn wir'gar alle die angeführten Bedenklichkeiten, die ihrer Wiederlegung entgegen harren — für unbedeutend, ja für leicht zu beseitigen und geringfügig erachten würden, vollends da es doch nur auf einen „ersten'Versuch" abgesehen,ist, so dürste die Ansiedlung einer nicht geringen Anzahl , von Juden auf einer und derselben Landesstrecke weder zweckdienlich und ersprießlich, noch überhaupt anzurathen sein, pi pom. B-d. Die Versorgung der Kinder. Der arme Rabbi Meir, dessen Schrift So zierlich schön, wie man sie selten trifft, Der schrieb gar fleißig, und verdiente sich Auf solche Weis' drei Gulden wöchentlich; Der eine ward auf Speis' und Trank verwandt, Den zweiten brauchte er für sein Gewand, Den dritten gab er dann mit frommen Sinn An die Rabbiner und Gelehrten hin. — Die Schüler sprachen zu dem guten Mann; „Was fangen einstens deine Kinder an? „Warum gedenkst du nicht an ihr Geschick, Und legst nicht einen Theil für sie zurück?" -- Drauf giebt der weise Rabbi schnell Bescheid „So meine Kinder fromm sind alle Zeit, „Bedürfen sie wohl meiner Gabe nicht — „Dem Gottesfürchtigen nie das Brod gebricht";-— (Ps. 37, V. 25.) „Und so sie treulos werden Gott dem Herrn, „Und Gottes Gnade ist von ihnen fern — „Sollt' ich, da sie vom Guten weichen ab, „Den Feinden Gottes geben meine Hab'?" — (Kohel. rabb. z. C. 2. V. 18.) Rabbinische Sprüchwörter. Nicht ein einziger Handwerksmunn Den Zunstgenoffen leiden dann. — (Midr. Tanch. Par. Berech.) Halte dich an's Rosenöl, Daß auch dir der Duft nicht fehl'! — (Midr. Tanch. Par. Wajera.) Wie straft sich der, der Lüge spricht? Man glaubt ihn auch das Wahre nicht! (Midr. Tanch. Par. Wajera.) Druck von I. H. Nagel.

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