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Der Orient · 1846-08-06 · Heft 32 (6.8.1846) · p. Seite 249

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 32 (6.8.1846)
Date
1846-08-06
Page
Seite 249 (sequence 9)
Language
German
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249 von ganzem Herzen, daß die Zeit schon nah wäre, wo unsere Vorgesetzten durch wabre Schätzung des Hohem und Edlern des irdischen Daseins, durch christliche Liebe geführt und geleitet, auch Dich geehrter Meister, mit ihrem Freundschastöbund würdig beehren mögen *). Unser innigster Wunsch ist es, daß viele Hunderte unserer theologischen Mitbrüder von Dir und durch Dich' in das Heiligthum der hebräischen Poesie, in das schöne Land der 'Religiosität und der ewigen Jugend des menschlichen Geistes geleitet, Lust und Muth bekämen zu einem tiefen, innigem Studium der heiligen Bücher und Stoff und Ermunterung zu Erhohlung des Geistes und zur Stärkung und Heiligung in der Verbreitung des himmlischen Reiches auf Erden! — Und dies ist fa auch wohl Dein Vorsatz und Dein Zweck;, wir täuschen uns nicht! Viel Zeit und Mühe hast du freiwillig geopfert, um uns Etliche, Wenige zu belehren, zu führen; Niemand wird cs Dir vergelten, Niemand sagt: ,,Dank sei Dir!"') ja aus reiner Liebe unser Wohl zu befördern weiltest Du mit uns so manche Stunde in diesen Hallen. — So nimm denn unfern innigsten Dank! Unsere Gefühle, unsere Anerkennung Deines Wohlwollens, sei Dein Preis, Deine Belohnung, sei unser Opfer Dir dargebracht! Der Ewige segne reichlich Deine Mühe! Der Ewige segne Deine Tage! Erw ied eru ngsan spräche des Hm. Dr. Schiller: Theuere Freunde! Geliebte Schüler! Ihre herzlichen, tiefgefühlten Worte durch Ihren und meinen Freund Hrn. Fizely an mich gerichtet, haben mich, ich brauche es Ihnen kaum zu versichern, tief gerührt! Ein volles Jahr, m. F. war es mir vergönnt, an Ihrer Seite das herrliche Feld der hebräischen Poesie zu durchschreiten; dort zu weilen, wo die erstell Träger des Judenthums, die Schöpfer unvergleichlicher Meisterwerke gelebt und gewirkt haben. Manche schöne Stunde ist uns in Betrachtung und Besprechung über die Wiege der Menschheit und der Religioneil dahingesiossen, lmd mit Vergnügen sehe ich auf die Zeit zurück, wo cs mir vergönnt war, solchen hoffnungsvollen Volkslehrern das Wort zu lehren, das allen Vekennern einer geoffenbarten Religion heilig ist, heilig sein soll! Andererseits aber m. F. überwältigt mich ein wehmuthsvolles Gefühl, lvenn ich Sie schon jetzt, nach so kurzer Zeit scheiden sehe, jetzt wo, ich mag es nicht leugnen, Sie noch Eines oder das Andere zu leisten hatten, um ■) Gleich beim Antritte seiner Vorlesungen wurde dem Dr. S. die Aussicht eröffnet, öffentlicher ordentlicher Professor zu werden; aber es blieb bis jetzt nur noch bei der blosen Aussicht. — Darauf bezieht sich der Redner. A. d. E. als würdige Volkslehrer und Gememdeerzieher wirken zu können. Doch tröstet mich da der Gedanke, daß Sie Ihren in diesem Jahre an den Tag gelegten Fleiß auch ferner bewahren und bethätigen werden...... Ich muß, wie unlieb es mir auch sein mag, von mir zu sprechen, dennoch auf Ihre freundlichen Worte erwidern ..... Sie, m. F. sprachen Ihre Mißbilligung über mein Verkanntwerden von Seiten Ihrer Vorgesetzter: aus; dies muß ich, die Bescheidenheit gebietet es mir, sreundlichst zurückweisen. Wohl thut es mir weh, daß es im ganzen heißgeliebten Vaterlande Ungarn nur Einern aus der Mitte der Bekenner des Einigen vergönnt ist, ein wissenschaftliches Fach irr einer christlichen Schule vorzuiragen; wohl thut es mir wehe, daß dieses Lehramt diesem Eincri auch nur anßerordentlicherweise zugestandm ward, aber glauben Sie mir th. F. nicht um meinetwillen; denn ich bin unter den Männern der Wissenschaft, die mein Volk mit Stolz die Seinigen nennt, der Geringste und Unwürdigste, und hat selbst unser Vaterland Israeliten, denen ich an Gelehrsamkeit kaum bis zur Kniee reiche; also nicht um meinetwillen thut mir die Intoleranz, die noch allenthalben geübt wird, wehe, sondern um des allgemeinen Besten willen! Denn ich darf es kühn aussprcchen: Israel hat seit einem Jahrzehende Männer, die, wenn sie die größten Gelehrten christlicherseitö nicht überrage;:, doch ihnen füglich gleichgestellt werden können; und ist's nicht Jammerschade, daß diese nicht lehren dürfen? — Ich trage aber das, was Sie, th. F. als Wunsch ausgesprochen, als feste Ueberzeugnng in mir, daß Er, der unser Aller Vater ist, die Duldung über den Haß, die Liebe über die Lieblosigkeit bald siegen lassen werde. Denn verkennen wir die Zeichen unserer Zeit nicht: Ist denn nicht dies, daß ich, ein israelitischer Geistlicher Ihnen evangelischen Geistlichen, ich, der ich meiner väterlichen Religion treu anhange, Ihnen, die Sie Ihrer väterlichen Religion treu anhangen, ist denn nicht selbst dies, daß ich Ihnen hebräische Sprach- und Alterthumskunde lehren darf, ein unverkennbares Zeichen, daß dieZeit, von der der heilige Sänger (Ps. 85, 10) ,,Treue und Wahrheit begegnen einander; Tugend und Friede küssen sich" sagt, bald herannaheu werde? — Darum F., lasset uns an Treue und Wahrheit, an Tugend und Friede halten; umfassen wir uns allesamnlt in Liebe! Sie scheiden von dannen, um nach kurzer Zeit als Lehrer des Gotteswortes in Kirche und Schule zu treten; o vergesset Sie nicht der Stunden, die Ihnen ein Israelit nach seiner schwachen Kraft zur Erlernung der Grundlage aller Religionen geweiht. Bannen Sie den Geist der Intoleranz und Inhumanität aus den Kirchen und Schuten, denen Sie in Kurzem verstehen werden, lehren Sie das Wort Ihrer Religion in Reinheit und Klarheit; lehren Sie den Ihrigen Liebe gegen alle Menschen, Liebe gegen uns.

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