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Der Orient · 1846-08-06 · Heft 32 (6.8.1846) · p. Seite 248

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 32 (6.8.1846)
Date
1846-08-06
Page
Seite 248 (sequence 7)
Language
German
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248 1 | ( S | Sphäre bewege, und auf dem Boden der' talmudischen Tradition fest stehe (Sie sehen mein Freund, ich bediene mich keines einzigen equivoquen Ausdruckes); und daß ich noch niemals eine Satzung angegriffen habe, die wirklich Lätmudisch ist; aber aus keiner andern Ursache, als weil mich als Einzelnen, der Talmud hierzu nicht berechtigt; ich gestehe aber offen, daß ich mit mehrern meiner Amtsbrüder, von denen ich mich überzeugt hätte, daß sie mit mir auf gleichem Boden stehen, für die Abschaffung alles desjenigen, was die Zeit zu einem Hemmnisse des religiösen Fortschrittes gemacht hat, stimmen würde; denn dazu berechtigt der Talmud, und darum wird er, wie in meinem Briefe gesagt, mit Unrecht bekämpft. Wenn diese Grundsätze unserem Hrn. Deutsch nicht gefallen, so möge er es mit dem Talmud ausmachen, denn sie sind wahrlich echt talmudisch. Es gicbt freilich Juden, die talmudischer sind als der Talmud, wie z. B» die Helden des „Zionswächter" und diese werden meine Grundsätze verdächtigen, so wie auch die Koryphäen des „Israeliten", aber ich scheue und fürchte, weder den Tadel der Einen, noch der Andern. Genehmigen Sie — -- Proßnitz, den 23. Juli 1846. Fasset. Oesterreich. Sebes - Kelemes, 12. Juli. Israel ist der Träger der großen Weltwahrheit; Jseaels Bestimmung ist: Verbreitung dieser Weltwahrheit in aller Welt. Es hat seine Mission erfüllt und erfüllt sie allstündlich; btos die Kanäle, wodurch es seine Wahrheiten ansströmen ließ, waren verschieden, sie kamen aus Ur-Kasdim, dem mythischen Brennofen Vater Abrahams, sie kamen aus dem Flammen und Blitze schleudernden Berge Sinai in der Wüste Arabiens; sie kamen ans den Rauchsäulen der Tempel zu Jerusalem unweit des mittelländischen damals des größter: bekannten und befahrenen Meeres, sie kamen aus den morgen- und abendländischen Schulen; sie kamen aus den dumpfigen Ghetti, getragen von Sklavenketten, gestützt auf Scheiterhaufen; oft aber kamen sie auch aus prachtvollen, fürstlichen Palästen, aus der Nähe der Könige! In der Jetztzeit ist es Israel endlich vergönnt, seine Wahrheiten auf dem ruhig dahinfließenden Kanal der Polemik und Lehre zuzusenden. Erstere vertritt die Presse reichlich, traurig flehet es aber leider noch mit der Lehre vom Katheder aus, iusonders dem christlichen Mitbruder gegenüber. Ilm so mehr verdienen nun einzelne Fälle derart eine Beachtung, um so mehr schaut das sehnsüchtige Auge mit freudiger Hoffnung auf ein kleines kaum eine Faust großes Elias- >. Wölkchen, das am starret:, trocknen und trocknenden Religions-Horizont austaucht. Daß dieses Werden der Wahrscheinlichkeit sehrnahe liegt, mögen wir aus folgendem Faktum entnehmen. Wir müssen jedoch bezüglich auf die „Dank-Ansprache" berücksichtigen, daß wir in der deutsch en Anrede im Munde slavischer und ungarischer Theologen jene Mäßigung und jene Kunst einer deutschen Rede, die nebenher gesagt nur zu oft das Ohr entzückt, zu suchen keinesweges berechtiget sind. Wir finden hier den geweiheten evangetisch en Priesier als Menschen dem Menschen gegenüber! — und das. ist doch wohl mehr als alle künstliche Rednerschnörkelei, wo die Kunst ut .fccn Vordergrund geschoben und das Herz weit in dem Hintergrund im tiefen Schatten steckt. Ich theite Ihnen daher folgende Abschrift der Anrede des Kanditaten der evangelischen Theologie Hrn. Johann Friedrich Fizety zu Ende des Schuljahres 1844 (rtm 17. Juni) an den Privatdocenten der hebräischen Sprach- und Alterthumskuude auf dem evangelischen Distriktskollegio zu Epcries, Hrn. Dr. Schiller im „NeuenAuditorio" gerichtet. Geliebter, geehrter Meister: Erlaube mir iw dieser letzten Stunde noch einige Worte der Ehrfurcht und des Dankes im Namen dieser -meiner Mitschüler an Dich zu richten; vergönne es uns, unsere Gedanken und Gefühle, die uns besonders in dieser Ab schied Sstu nd e erfüllen, Dir zu offenbaren-! Wir fühlen es, treuer Meiste r, wie sehr schwach und ungenügend das, was wir geleistet, ist; wir fühlen es, wie groß und edel deine Menschenliebe, wie uneigennützig Deine Aufopferung, mit uns Dich zu bemühen, war; allein unsere Verhältnisse, die Einrichtung des Schulwesens und noch so manche Umstände haben es verursacht, daß eines Theits so Wenige unserer Mitschüler die dargebotcue Gelegenheit benutzten und daß andererseits wir so wenig leisteten. — Mit trockener Wissenschaft beladen, mit wenig Erholung und Freude versüßt, stockt der Geist und unsere Lebensthätigkeit wird mehr gehindert alö gefördert und ermuntert. Dazu kouunt noch, daß wir, die wir einst Führer und Stützer der Schwachen, Lehrer der Unwissenheit und Tröster der Trostlosen werden sollen: daß wir gewöhnlich auch mit äußern Verhältnissen, mit verschiedenen Hindernissen den Kampf beginnen und führen müssen, um unfern Lebensunterhalt zu sichern. Du weißt es wohl Meister, was uns fehlt; Du kannst es wissen. Manche unserer Mitbrüder, .manche unserer Vorgesetzten und Führer sind nichts weniger als rein christlich gesinnt; Viele gicbt es noch, die nicht prüfen das Innere, das Edlere im Menschen, blos äußerer Verhältnisse wegen ihren Mitbürgern, ihren Mitmenschen nicht hold sind, oder selbe gar wegen ihrer Gelehrsamkeit, Fähigkeit und Geschicklichkeit nicht recht leiden mögen, aber genug (leider) daß nicht jeder Christ J zugleich ein wahrer Christ ist!-Wir wünschen cS

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