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Der Orient · 1846-07-30 · Heft 31 (30.7.1846) · p. Seite 241

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 31 (30.7.1846)
Date
1846-07-30
Page
Seite 241 (sequence 9)
Language
German
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241 — auch ihr Wohl und Glück der Gegenstand meiner Wünsche und meines Gebetes ist. Indem ich Sie, verehrter Herr Vorstand, ersuche, derselben dieses kund zu geben,, versichere ich Sie meiner Hochachtung. Bonifaz v. Urban, Erzbischof/ Bamberg, den 10. April 1846. Posen, 10. Juli. (Schluß.) Schließlich wollen Sie wir noch einige Mittheilungen erlauben. — Neulich hatten wir hier ein Schauspiel a la Geiger. Herr Dr. Krakauer aus Birnbaum, von dem in diesen Blättern bereits berichtet worden, hat wieder drei Mal in der Brüderschule gepredigt und zwar jedesmal in einer andern Farbe. Das erste Mal sprach er ganz zu Gunsten der Neologie. Hierüber aber von einem Theile des Publikums getadelt, verfocht er den Tag darauf die Orthodoxie mit solch spitzen Waffen, wie sie sich kaum in der Rüstkammer des Zionswächters vorstnden möchten. Als aber dies noch weniger gutgeheißen wurde, so suchte er endlich am dritten Tage das juste milieu herauszufinden, was ihm jedoch trotz aller Anstrengung nicht recht gelingen wollte. Er sprach 2 Stunden lang und es war irr der That rührend mit anzusehen-, wie der gute Mann sich Mühe gab, die so gewaltigen Differenzen zwischen seiner ersten und zweiten Predigt wo möglich wieder auszugleichen und wie ertrotz seines langen Hin- und Herredens zu keinem Resultate kommen konnte. So muß cs allen denjenigen Predigern und Volkslehrern ergehen, die mit sich selber noch nicht im Reinen, die noch keinen festen Boden haben, auf dem sie sicher stehen könnten. Aber wozu betreten solche Leutchen mit ihren Predigten gar das religiöse Gebiet. des JudenthumS, wo sie Gefahr laufen, sich nur zu oft zu verlaufen? Möchten sie doch lieber bei der Moral stehen bleiben, d. h. möchten sie doch immer nur eine Moral zürn Thema ihres Vortrages wählen! Denn die Moral, glauben wir, bleibt dieselbe, sie möge aus eines Pleßners, oder eines Holdheims Munde kommen; sie möge in Zion, wollte sagen in A t t o n a, oder im ehemaligen Gropius'schen Lokal zu Berlin verkündet werden. — Was die Predigten Kr's. an sich betrifft, so können wir nur wiederholen, was in diesen Blättern (Nr. 24) bereits über Kr. gesagt worden, nämlich, das ihm Talente nicht abzusprecheu seien. Er hat einen großen Reichthum an Ausdrückendazu ein gutes Organ und ist in Midraschim und Agadot bewandert. Drei Umstände jedoch können wir nicht nngerügt lassen. Fürs erste ziöht Kr. seine Predigten zu sehr in die Länge, sie dauern in der Regel so lang — und oft noch länger — als die, welche am 2. April 6. bei der Einweihung des berliner Reformbethauses von Dr. H. gehalten wurde. — Für's zweite strotzen Kr.'s Predigten von Ci taten und nicht selten giebt er seinem Auditorium eine Midraschstelle zum Besten, die zum blosen Hersagen, ohne die Uebersetzung, 15—20 Minuten Zeit erfordert. — Für's dritte endlich bedient sich Kr. zu vieler Barbarismen. Und welcher Barbarismen! Bald ist ,,ein Embryo", bald sind's ,,Gnomen", da ein „Kriterium", dort eine „Sphynx" re. Da thäte wahrhaftig Noch, daß der gemeineMann sich ein Fremdwörterbuch in das Gotteshaus mitbrächte! Und überdies! scheint uns all es Fremdsprachliche in einem Kanzetvortrage ganz unstatthaft. — Angestellt wird Kr. hier nicht werden; der Brüdervereiu wird vor der Hand nach gar keinen Prediger engagiren. In dem Städtchen Trzemeszno (R.-B. Bromberg) erscheint seit einem halben Jahre ein Monatsblatt genannt: „Israelitischer Volksftcund für das Großherzogthum Posen". Wenn wir auch gern eingestehcn, daß dieses Blatt mitunter manches Schöne bringt, so müssen wir doch sehr bezweifeln, ob es den Namen: „Israelitischer Volksfreund" mit Recht führe. Doch nicht etwa darum, weit es unter der Rubrik „Jüdische Zustände" so Manches wieder aufwärmt, was man vor langer, langer Zeit schon in allen andern jüd. Blättern gelesen? — Unter allen bisher erschienenen Heften, war das Februarheft das einzige, welches eine Erzählung jüdischen Interesses brachte; wir meinen die Novelle: „Götz Silber" von Krämer. Wenn jegliche Nummer so Etwas enthielte, so würde unseres Bedünkcns das Blatt eher geeignet sein das Interesse der j ü d i sch e n L e s e w c l t unserer Provinz (auf die es doch nur berechnet ist) in Anspruch zu nehmen und Redakteur und Verleger hätten dabei an: meisten gewonnen. Der erstere ist nicht einmal auf dem Blatte genannt; doch behaupten hier Viele, es sei Herr Rosenthat, der an der israel. Elementarschule zu Trz. als erster Lehrer fungirt. Verb ü r g e n tonnen wir es n i ch t. — Kaum war Sir Moses Mon tefi ore aus unfern Mauern, als ein hiesiger jüd. Buchhändler, Herr C. einen Abdruck voll dem Bilde des gefeierten Mannes in mehrcrll hundert Exemplaren veranstalten ließ. Herr C. rechnete dabei auf den E n th u si a s m u s des Volks, der sich vor und während der Anwesenheit Sir M/s für denselben allgeinein kund gab, und wir wünschen voll Herzen, daß Herr C. sich rlicht verrechnet haben möge. Das Portrait ist wohlgetroffen, die Litographle höchst elegant und der Preis nicht zu hochgestellt. — Für heute genug. In unserm nächsten Artikel beabsichtigen wir über Synagogell- und S ch u lwesen im Poseuschen ausführlichen Bericht zu aftatten, XXII. Großh. Baden, ün Juni. (Verspätet.) Der allgemeine Landesverein zur Verbefferung der inneren und äußeren Zustände der Juden in Baden, hat am 20. Mai d. I. in Heidelberg seine zweite Generalversammlung gehalten, und geht in seiner wohlthätigen Entwicklung besonnen aber kräftig

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