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Der Orient · 1846-07-30 · Heft 31 (30.7.1846) · p. Seite 240

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 31 (30.7.1846)
Date
1846-07-30
Page
Seite 240 (sequence 7)
Language
German
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- 240 - der bürgerlichen Gleichheit gehoben! Wohl verlieh unser Monarch seit mehren Jahren Aemtcr an einzelne Juden, sowohl in der Hauptstadt wie in der Provinz; allein es blieben diese doch immer nur Ausnahmen, höchst ehrenvoll für die Bevorzugten, deren persönliches Verdienst größer sein müßte, als die hergebrachte Härte des Vorurtheils, aber von geringem moralischen Eindruck auf die christlichen Massen, welche den Juden im Allgemeinen, wegen seiner Nicht-Anstellungsfähigkeit tiefer zu stellen sich erlaubten; jetzt , hat sich endlich die Sache auf das Günstigste geändert. — Die ceremonialgesetzliche Orthodoxie gewinnt hier täglich mehr Umfang, Inhalt und Festigkeit. Die meisten gebildeten Mitglieder der Gemeinde, au ihrer Spitze Moses V. und Jehuda R. machen gar kein Hehl daraus, daß sie den hiesigen Rabbinern keine anvertrauen, und seit Jahren nichts von der der hiesigen Schächter essen. Unser frommer Vorstand beschließt immer nach HwQ min, und hat längst bei allen bedeutenden Fragen den Wahlspruch: “)rn p^lN. Es soll demnach jetzt, auf dringende Vorstellung der genannten Männer, eine Kommission ernannt werden, deren Aufgabe fctit wird, die Rechtgläubigkeit und die strenge Beobachtung aller Ceremonien in den Häusern dieserRabbinen und Schächter zu untersuchen. Man wird unter andern Rechenschaft fordern, warum die'Kleidung der Frauen ganz unjüdisch ist, warum die Kinder tu christliche Schulen, statt ins Bet ha-Midrasch gehen, u. dgl. mehr. Gott gebe, das die Kommission sonst keine M'D bei den Schächtern finde! Dr. I. Rubo, Syndikus der Gemeinde, bringt die Sommermonate in dem freundlichen Kosen zu, und wird nach beendigter Kurzeit, vielleicht eine Rundreise durch Deutschland im Interesse jüdischer" Kommunal-Verhältnisse machen. — Dr. M. Veit hatte vor kurzem mit dem Oberpräfi'dentm der Provinz Brandenburg eine Konferenz zur Besprechung der jüdischen Kultus-Angelegenheiten. Welchen neuen Geist die Wissenschaft dein Tatmudstudium und seiner heilsamen Anwendung aufs Leben einhaucht möge folgende Thatsache lehren, die frisch vom Baume unsrer wissenschaftlichen Orthodoxie gepflückt ist. Ein äußerst rüstiger Streiter nämlich im Gtaubensfclde des Herrn, ein eifriger Rabbinatskandidat der Wollblutsraee, hat seinem Scharfsinn durch eine neue-Wendung der Kasuistik an den Tag gelegt. Der, junge Mann ißt auch nichts von der HüW der hiesigen Schächter, denn er enthält sich überhaupt der animalischen Speisen, er ißt nur von den Früchten des Feldes und trinkt vorn reinen Getränke, das die Quelle bietet. Neulich hört und sieht er in der Vorlesung bei unsrem berühmten Ehrenberg zum ersten Male, wie jeder Tropfen Wasser und jedes 'Körnchen Brot von unzähligen Thierchen geschwängert ist, und daß er also mit jedem seiner mäßigsten Speisegenüsse nicht nur Fleisch, sondern sogar Fleisch von unreinen Thieren verschluckt. Er ist seitdem in frommen Zweifeln, die er auch sogleich einem berühmten Rabbinen vorlegte. Er wisse wohl sagt er, daß diese Thierchen sonst nicht verboten werden können , denn sie sind "p3 “Dl, allein da sie nicht mit unbewaffneten Augen wahrgenommen werden, so seien sie doch noch unerlaubt als pyn |D ira. Bamberg, 10. Juli. Der Herr Rabbiner und die Herren Deputirten der israel. Gemeinde dahier erließen an Se. Exeellenz, den Hochwürdigsten Herrn Erzbischof Bonifaz von Urban dahier, bei Gelegenheit der Feier seines 50jährigen Priester-Jubiläums folgende Adresse: Hochwürdigster, Gnädigster Herr Erzbischof und Reichsrath! Bei der Fülle der freudigsten Theilnahme, die alle Herzen Derer, die das Glück haben Ew. Exeellenz nahe' zu stehen, am Tage der Feier Hochstderen 50jährigen Priester-Jubiläums, durchströmte, blieben auch die Israeliten Bambergs nicht zurück mit ihren Wünschen und Gebeten für das fernere Wohlergehen Ew. Exeellenz, für daS Leben eines Kirchenfürsten, Höchstwelcher es mit Gott allen Menschen so gut meint, und mit einem Sinne und Herzen, voll Frömmigkeit und Tugend, allen Zeitgenossen als erhabenes Muster vorleuchtet. , Gehorsamst Unterzeichnete halten sich verpflichtet, diese Mitgefühle, von welchen sowohl sie, als alle ihre Glaubensbrüder beseelt sind, zur höchstgewogenllicheu Kenntnisnahme Ew. Exeellenz unterthänigst zu bringen, mit der ergebensten Bitte Ew. Exeellenz wolle diese Aeußeruug innigster Verehrung zur Gnade annehmen. EhrfmchtSvollst erharren Ew. Exeellenz uuterthänigste. (Unterschriften.) Bamberg, den 29. März 1846. Se. Exeellenz geruhten folgendes Antwortschreiben an den Herrn Rabbiner R o se n fe ld ergehen zu Lassen: Verehrter Herr Vorstand! Für die freundliche Theilnahme und die guten Wunsche, welche mir die hiesige israelitische Gemeinde bei Gelegenheit meines 50jährigen Priesterjnbiläums ausgedrückt hat, sage ich hiermit herzlichen Dank. Mögen dieselben ebenso gewiß in Erfüllung gehen, als ich glaube, daß sie aufrichtig gehegt werden! Es ist dem Herrn der Heerschaaren, der mich aus Gnade soweit aus meiner Lebensbahn mit schützender Hand fortgeführt und mit Wohlthaten überhäuft hat; Ihm allein, gebührt alle Ehre. Will er mich nach seinem Nathschlusse noch länger in diesem Leben seinem Dienste bewahren, so möge er mir die nöthige Kraft und seinen Beistand geben, und mein schwaches Bemühen, nicht meines, sondern Seines Ruhmes wegen, segnen. - Die israelitische Gemeinde darf i'rberzeugt sein, daß

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