Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1846-07-30 · Heft 31 (30.7.1846) · p. Seite 239

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 31 (30.7.1846)
Date
1846-07-30
Page
Seite 239 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2360092-2360418-2360450--5532-3532424
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 239 - bindung mit seinen Differenzen von den Beschlüssen der vorjährigen Versammlung vor. Als Hauptmoment des Sabbats wird daö der Ruhe bezeichnet , die durch einen erhebenden Gottesdienst die rechte Weihe erhalten müsse. Kann aber die Ruhe des Israeliten eine wahrhafte sein, wenn er stets von,der Sorge geklagt wird, welche Gefahr seinen zeitlichen Glücksgütern durch die gänzliche Entfernung vom Geschäfte am Sabbat — drohe? Es ist daher unsere Pflicht, so fährt der Ref. der Sabbatkomm. fort, den. Geist des Sabbats auf biblischem Standpunkte zu erfassen, was die vorjährige Versamlnng als zeitraubend versäumt hat. — Laßt uns ja nicht in äußerer Ruhe und innerer Unruhe zusehen, wie das Unglück hereinbricht! welche Resignation wäre das l Die Versammlung wolle daher eine Ausgleichung der Sabbatsidee mit dem Leben erzielen. Auch die Anerkennung der Weltschöpfung und der Gleichheit unter den Menschen bezeichnet der Redner als ein wichtiges Moment, und die Ruhe abweichend vom Kommissionsberichte nicht als Mittel zur gottesdienstlichen Weihe und Heiligung, sondern als sabbatlicher Selbstzweck, der Mensch soll am Sabbat von der Werkthätigkeit der Woche sich erholen, u. s. w. Schließlich macht der Ref. die Versammlung mit den praktischen Anträgen der Kommission bekannt. . Die nicht anstrengenden Tätigkeiten sollen am Sabbat erlaubt, die Verwaltung des Staatsdienstes n i ch t verboten sein; die Werkthätigkeit am Sabbat für solche Erwerbsarten, welche keinen Aufschub erleiden, zugestanden werden. Die Kommission beantragt noch die Abschaffung der Vorfeier des Sabbats, doch kam: der Res. derselben die Bemerkung nicht unterdrücken, daß das, was so alt ist, sich nicht durch einen Machtspruch unterdrücken lasse und daher die Vorfeier des Sabbats dahin zu modisiziren wäre, daß sie eine viertel Stunde vor Nacht beginne, was sich auch mit den rabbinisehen Autoritäten vereinigen lasse. — Uebrigenö konnte ja das auch den Ansprüchen der verschiedenen Gemeinden akkomodirt werden. Hr. Kahn hat das Wort nnd fügt nur noch ergänzend dem Ecmmisstensberüchte bei. Derselbe will keine selbst nichtanstrmgende Thätigkeit erlaubt wissen und wendet das H-NntWi tut strengen Wortsinne zrrm Belege an. Doch soll jede Thätigkeit zur Hebung der gottesdienstlichen Feier im Tempel am Sabbat erlaubt fein. Wie Wechsler stimmt auch Kahn dafür, daß am Sabbat Gewerbthatigkeiten, die keinen Aufschub erleiden, durch Andersgläubige verrichtet werden kennen, doch dürft der Jsr'aetit nicht selbst Hand aulegen. Zur Begründung des erstcren führt der Redner Maimuni Hilchot Sabb. 20, 4 rmd 6, 2 zur Begründung an. Zum Schluß erklärt sich Hr. Kahn im klebrigen mit dem Kommissionsberichte einverstanden. Herr Kollege S. Adler hat das Wort! Im vorigen Jahre war es demselben nicht vergönnt, seine Ansichten über die Sabbatftage darzulegen ttnb er geht daher ohne Einleitung sogleich ans den Grund mrd das Wesen derselben ein. Doch bevor derselbe au das Moment des Arbcitsverbötes geht, spricht er über die Bedeutung, des Sabbats vom Standpunkte, des MosaiSmus aus. Die Konsequenz führte dann zu einer Einengung des Arbeitsbegriffs in sehr, enge Schranken. Die Sabbatgesetze haben sich int Laufe der Jahrtausende wie Berge an einem Haar hängend gestaltet. Wolle man aber den Ucbergang von Mosaismus zum Talmud verfolgen, so würde sich daraus eine Brücke bis zu-dem Drange unserer Zeit bauen lassen. Zugleich gedenkt der Redner S.Hirsch's, des Religionsphilosophett (?) der dem Kommissionsberichte den Vorwurf macht, daß derselbe die Ansprüche der Gegenwart herausgehoben und in den Mosaismus Hill ein getragen habe. Der Redner erklärt sich aber dahin, daß die ganze Sabbatsidee, das Moment der Darstellung eines GotteSidee sei. Der Sabbat soll uns Gott nicht nur schaffend sondern auch als gut und vollkommen darstellcn, damit der Mensch sich bei geschichtlichen Ereignissen nicht zu sehr betrübe, was durch die Ruhe symbolisch dargestellt werden soll. Gott ruht am siebenten Tage der Weltenschöpfung und auch der Mensch soll ein Gleiches thun. Bis hierher und nicht weiter! so heiße es bei Jedem. Und der Herr Dr. Satomon wollte auch dem etwas weitläufigen Redner ein Halt zurnfen; es entstand ein ziemlich lebhafter Tumult, der den Präsidenten bald genöthigt hätte die Sitzung auszuheben. s. Berlin, 15. Jul. Die KabinetSordre in Betreff der AnstellungSfähigkeit jüdischer Untcroffi'ciere wird Ihnen schon durch die öffentlichen Blatter bekannt geworden sein, sie hat hier, wie gewiß auch anderswo inüer unfern Glaubensgenossen -die freudigsten Empfindungen hervorgernftn. Sie ist voln letzten Tage des vorigen Jahres datirt, nnd sie ist auch ein Kind der öffentlichen Meinung jenes Jahres, eine Folge der so sehr begründeten Anträge der versammelten Stande vom Rheine bis an der Pregel. In die dicke, schon in der Römerzeit gebaute Scheidcmaucr zwischen Burgern und Bürgern ist nun endlich .eine Bresche durch die tapfern, jüdischen Unterofsicicre geschossen, die hoffentlich zum gänzlichen Einsturz der Mauer führen wird, da diese ja ohnedies jetzt von allen Seiten, selbst in Baieru lmtcvmumt tmrfc. Vergleicht man den Geist der Verwaltung von vor vier Jahren, wo es nicht nur keine jüdischen Unterofsicicre, sondern gar keine jüdischen Soldaten geben sollte, mit dem Geiste dieser Kabinetsordre, so muß man zu sehr vielen und freudigen Betrachtungen veranlaßt werden. Es ist der Triumph des freien Wortes über eingewurzelte Vorurtbeile mit der wohlthuende Ausdruck der -entwickelten Gerechtigkeitsliebe und Billigkeit einer Regierung, die auf die Stimme der Zeit hott. Jetzt eidlich sind die Juden durch ein königliches Wert mit Gesetzeskraft wenigstens auf den Standpunkt eines schönen Anfangs 31 *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.