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Der Orient · 1846-07-30 · Heft 31 (30.7.1846) · p. Seite 238

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 31 (30.7.1846)
Date
1846-07-30
Page
Seite 238 (sequence 3)
Language
German
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238 Deutschland. Breslau, 21. Juli. And thus J clothe my naked villainy With old odd ands , stob’n forth of holy w r i t And seem a saint, whert most 1 play ~ the player. -Richard der Dritte. Es nannte Jemand dieehrwürdige Rabbinerversammlnng .divina commedia, ein Epitheton, welche die diesjährige Versammlung im Ganzen keincsweges verdient. Zwar was Täuschung betrifft, so kann sie in eitlem französischen Fallthürcnstücke nicht effektnellcr erzielt werden. Die R.-V. hat das Publikum arg getäuscht, die Konservativen haben erwartet, daß in dieser Versammlung mindestens der Stab über das geschichtliche. Judenthum gebrochen werden wird , daß' Sabbat, Beschneidung, Speisegesetze, Feiertage überdie Klinge werden springen müssen, allein sie sind höchst getäuscht worden. Kaum daß Ihnen erlaubt wird, das Licht am Sabbat zu putzen, wenn Sie die Protokolle der N.-V. lesen wollen, und der Schabbesgoj nicht gerade anwesend ist. Die Schnell-Reformer haben erwartet, die R.-V... werde auf galvano - plastischem Wege nn kurzer Zeit das Judcnthum überchristeln, sie werde das bischen Judenthtlur, das mit dem Kultus nicht, in Berührung steht, das also zur Privatandacht gehört, auf dem kürzesten Wege bei Seite schaffen und dem liturgischen Thcil desselben einen ästhetischen, modernem, lichtfteundlichen Anstrich geben, daß eine Jenny nicht mehr tu Ohnmacht fallen würde, wenn ihr nach altvaterischer- Weise6cx bet Trauung ein Ring an den Finger gesteckt wird, den sie mit ihrem Angetranten nicht einmal wechseln darf. Auch diese sind getäuscht worden. Nicht einmal ist ihnen erlaubt worden, in brillanten Equipagen zum Gottesdienste zll fahren , oder sich von ihren Töchtern' am Sabbat auf dem Flügel etwas vork'limpern zu lassen! O die sind ganz und gar um ihre Hoffnungen, um ihre schönen Summen geprellt. Aber auch die R.-V. selbst ist geprellt. /Sie glaubte in der Berliner Reforingenossenschast einen mächtigen Verbündten, eine'Art protestantischer Union zu besitzen, die im Nothfall den liguistischen Konservativen ' den Fehdehandschuh hinwerfen wird, und siehe da, schon in der ersten Sitzung müssen sie die Hiobspost vernehmen, daß der günstige Stern nicht mehr für sie leuchte. JederffallS siude ach in. Stern eine messtanische. Begabung, daß er den drohenden Konservatismus der. diesjährigeil Versammlung gleichsam im voraus, herausgerochen hat — rn'D — und darum ihr zmn Willkommen Lebewohl gesagt hat. Also kurz und gut, die R.-V. wird im Zionswächter wieder in Gnade kommen können. Holdhei-mö Eintrag ans Verlegung des Sabbats wurde entschieden von Stein, A. Adler, Ben Israel, ja, was wollen Sie mehr vor: Salomo n und P h i lip p so n zurückgewiesen, und die Debatten darüber haben biö heute gedauert, es haben sich fast Alle darüber ausgesprochen, dafür oder dagegen, nur der Präsident nicht, der die Rotte des schweigenden Tasso spielt, und also noch nicht unwürdig ist, Rabbiner in Berditshew oder Lichtprediger im Gropinssaale zu Werder:. Die Sabbaifrage ist zwar noch nicht beendet, weit aber die Debatten darüber dm Mitgliedern selbst zu langweilig wurden, so wurde die zweite zu erledigende Frage der zweite Feiertag an die Tagesordnung gebracht. Eine seltene Einstimmigkeit hat sich bereits in der ersten Sitzung für die Abschaffung desselben kund gegeben. Die Versammlung läßt Alles ruhig fallen, nur den Gottesdienst, dieses „Eins und Alles" der Phrasen- Drechsler, karesiut sie noch, ihnmöchten sie am zweiten Feiertage nicht gerne fahren lassen. Mindestens, so flehte ein Mitglied , sollte doch die Konfirmation am zweiten Schabuot - Tage vorgenommen werden, aber keine Gnade. Uebrigens ist das. Drama bald zu Ende. Das Zweckessen ist bereits gestern im selben Saale verzehrt worden, mit Toasten und Gedichten. Zum.Schluß (des Essens, nicht der Sitzung) ersetzte Geiger das alte hebräische Tischgebet durch ein nagelneues deutsches» Auch eine malinec inusicale zu Ehren der Versammlung von Kantor Deutsch dirigirt, haben die Rabbiner trotz der Dnnon p mit angehört, was aber nur dazu dienen sollte, ihrem Konservatismus in der Theorie durch die Praxis das Gleichgewicht zu halten. Diesem Umstande mögen Sie Alles zuschreiben, was Sie etwa von den ,stiemen Sünden" der Mitglieder erfahren sollten. — Zum Schlüsse erwähne ich Ihnen noch eines schönen hebräischen Gedichtes, das der als hebräischer Stylist bekannte würdige B. Schweitzer, zu Ehren der Versammlung hat auf eigene Kosten drucken lassen. Herr Schweitzer hebt die Bedeutsamkeit der Rabbinersanunluug hervor, aber scheut sich auch nicht ein Wort der Rüge an passender Stelle anznbringen und redete cut warmes Wort dem von der R.-V. verscheuchten Messias und der verdrängten hebräischen Sprache. WD3:^n btt TO13 DNf DJt DJÖN ljnh-^K DHN mV '■ -dnirpan rrons jpnri -iy rüy rafiäa'ijnn iyjri bü njn Breslau, 15. Juli. F o r t f e tz lt n g der Pr ob e u r a b b i n i f ch e r W e i S h e i t. Man wird sich nicht wundern, daß diese'Proben so sparsam cmsfallen, wenn man bedenkt, baß oft nur wenige Zwischeuminnten hinreichcn mußten', das während mchrer Stunden Gesagte zu skizziren. Dienstag um 9 Uhr wurde die dritte Sitzung der dritter: R.-V. eröffnet. Es wurde zuerst das Protokoll der gestrigen Verhandlungen resmnirt und j dam: zur Vorlesung des Sabbatbm'chtcs geschritten. | Kollege Wech s l er trug der: Konnuissionsbericht ir: Ver-

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