Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1846-07-23 · Heft 30 (23.7.1846) · p. Seite 234

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 30 (23.7.1846)
Date
1846-07-23
Page
Seite 234 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2360092-2360418-2360449--5526-3532409
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

234 wir sind stolz darauf. Um Frankel 's F a h n e hoffen wir , werden sich die die Theologen unseres Landes mit Freuden schaaren. Von den Herren M. Lowe n st a m m, R. in Franstadt, Dr. Hirschfeld, R. in Wöllstein, Dr. Gebhardt, R. in Wreschcn und Jo öl, R. in Schwerfens erwartet man übrigens mit Bestimmtheit, daß sie dem Aufrufe des OberrabbinerS zu Dresden folgen werden. — . Während die KolonisationSangelegenheit die Rtlndc macht durch alte Blätter des In- und Auslandes hört man hier, außer was man gerade in den Zeitungen liest, wenig oder gar Nichts von der. ganzen Geschichte. Wohl hat sich schon eine ziemliche Anzahl armer Familien, an denen unsere ©cmdnfcc leider sehr reich ist, bei der» Oberrabb. gemeldet;. aber wo ist die eifrige Theilnahme Seitens der Vornehmen und Begüterten unter uns, davon uns die öffentlichen Blätter so viel Rühmenswerthes zu erzählen haben? — Wir sehen hier von jener Theilnahme Nichts, und wundern uns auch gar nicht darüber, denn es werden ja bei dieser Gelegenheit keine Aktien äusgeboten. Anfangs wohl, als nach der Rückkehr des O.-R.'s aus Berlin das großartige Projekt veröffentlicht wurde, da war Alles für die gute Sache begeistert, nur: aber, so cs zun: Mitwirken, oder deutsch gesagt, zum Geben kommt, da blickt Einer den Andern mit großen Augen an und fragt, mitleidig die Achsel zuckend: „was soll das?" Jedoch solche Erscheinungen sind nichts seltenes, und wie hier, so überall. Enthusiasmus für irgend Etwas ist heutzutage bald erregt,' nichts lächter als das, aber wie lange wahrt derselbe? Eben so rasch, wie die Hitzd, tritt auch gleich darauf wieder Kälte ein, und was gestern noch so freudig aufgenoinmen worden, das tritt heute schon vor den Tagesintercssen in den Hintergrund, was gestern mit noch so vielem Feuer besprochen worden, das wird heute schon mit Gleichgiltigkeit behandelt, und wer weiß, ob nicht morgen gar mit Verachtung —- -. Welche Begeisterung herrschte nicht unter den Juden des Kontinents, als vor einige!: Monaten jener hochherzige Dritte die große Mission nach demNordosteu antrat t Und nun, so er zurückgekehrt und die Juden Rußlands nicht geworden, wie ihre Brüder in Frankreich und Holland, und der edle Sir auch nicht in jeder Gemeinde, gleich in Wilna , 10,000 R. S. zurückgelaffcu; da ist auf einmal das Feuer aus den Gemüthern geschwunden und an dessen Stelle russische Kälte eingezogen — da denkt Keiner mehr der immensen Opfer, welche jene große Reise von der Themse Fluchen bis zu der Newa Eisschollen gekostet und die feile Kritik kommt noch obendrein und stachelt den Witz des Volkes, mit kecker Stirn fragend: „was hat's genutzt?" Die Tage von Damaskus aber, wer erinnert sich ihrer noch? — O wie Recht hat ein Belletristiker der neuern Zeit (ein Landsmann unsers Sir M.), wenn er sagt: „Das Publikum ist ein Grab für die Thateu eines großen Mannes; cs läßt sich nie befriedigen; fein Schlund steht ewig offen und fortwährend verlangt es mehr. Zeigt uns die Weltgeschichte ein dankbares Volk? Begeisterung könne!: wir finden, aber keine Dankbarkeit; jene Begeisterung, welche im ersten Augenblicke wohl manche Dienstleistung übertreibt, aber nie die Dankbarkeit, welche sich nach Jahren noch derselben erinnert". — Schadet nichts, großer Mann! Dein Denku:al prangt in der Geschichte und in dem Herzen der Bessern unter Deinen Brüdern. Möge die Kritik sagen, was ihr in den Mund kommt — der G r o ß e, der anerkannt Große, spottet der Kritik, denn er sieht über derselben. Sapicnti sat. (Beschluß folgt.) Oesterreich. Aus Mähren, 6. Juli. Die Hülsenfrage ist nun wiederum verklungen in der: Gauen der Moravia, und die schöne Broschüre Fassels*), die der Gegenstand ins Leben gerufen,, ist das einzige Interessante bei der ganzen Sache. Mögen in Bälde alle Hülsen und Schaler: abfallen, damit die kerngesunde Frucht unserer alten väterlichen Religion gereinigt und geläutert, die Seelen stärke, die Gemnther kräftige und die Herzen nähre und erquicket — Unser Landrabbinat ist immernoch vakant, und noch immer ist eS ungewiß wer unser kontUex maximus wird. Dringend Roth thäte eS aber schon, daß ein Mann mit Energie und Thatkrast an der Spitze stünde, wenn auch nur tun die vielen Kollisionen bei Besetzung erledigter Lokalrabbinate zu beseitigen; denn wie traurig sieht es in der Beziehung in unserer Provinz aus! So hat Lomnitz, eine sehr kleine Gemeinde, nur nach langen und vielseitigen Streitigkeiten sich in der Wahl eines Rabbiners geeiniget. G ewitsch, ein bedeutender Ort, Schwabs erster Rabbinersitz, hat zwar einstimmig gewählt, u:uß aber gegen die Chicane einen harten Kampf besteher:. — Auch drohet uns ein bedeutender Verlust. Hr. Fasset, den selbst Deutschland als licht- und wissenvotten Mann ehret, wird wahrscheinlich nach Kassel berufen werden. Auch Hr. Neu da (Verfasser einer jüngst erschienenen gediegenen und werthvollen Predigtsammlnng) wird, dem Vernehmen nach, in Glciwitz gewählt werden. So sehr diesen beiden verdienstvollen Rabbiner ein Avancement zu gönnen ist, so schmerzlich müßten wir doch ihren Verlust bedauern, da wir in ihnen die nncrmndcten Beförderer zeitgemäßer Bildung und die eifrigen Vertreter unserer Emaneipationssache verlieren würden. *) Wie heißt diese Broschüre und wo ist sie zu haben? Wir bitten um Auskunft. R e d.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.