Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1846)
- Date
- 1846-07-23
- Page
- Seite 233 (sequence 9)
- Language
- German
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233 daS andere aber — gestorben sei, ob er dann noch verpflichtet wäre, die Beschneidung an seinen Kindern vorzunehmen? Es wird beschlossen in einer streng geheimen Sitzung über die Antwort zu debattier«. — So viel über die VormLttagssitzmrg. Montag, Nachmittags. Wiederum kommt die Debatte über die Beantwortung der Zuschrift und Ansprache an die Gemeinden aufs Tapet. Nachdem sie wieder mehr als 1j St. Zeit geraubt, während welcher Vieles über die Nothwendigkeit itttb Entbehrlichkeit derselben so wie über ihre Art itttb Weise und von wem sie ausgehen müsse — hin und wieder gesprochen wurde. Endlich konunt es zur Ernennung einer Kommission. Präsident: Soll diese aus 3 oder 5 Mitgliedern bestehen? Herzfeld: Ans 5, damit doch alte Farben vertreten und die Kommission gleichsam ein Tribunal sei. Eine Stimme: Es sind wohl auch drei genug. Abstimmung ergiebt: daß drei Mitglieder genügen. Hierauf wird eine Zuschrift des Bädner Landesvereins zur Verbesserung der Lage der Israeliten im Allgemeinen verlesen und zuletzt zur Tagesordnung geschritten. Stein verlieft den Plan, der über die Litmgiefrage von der dazu ernannten Kommission entworfen. Laßt uns auf den alten Stamm frische, saftige Zweige pfropfen, wie sie für unsere Zeit passen und mag cs unserer Nachkommenschaft Vorbehalten bleiben, mich das Ihrige zur Verbesserung des Gottesdienstes zu thun. Von den vielen wichtigen Fragen, die der Versammlung zur Erwägung übergeben wurde — konnte ich nur wenig behalten, da mir selbst zu notiren nicht gestattet ist. Nur in einer Pause verzeichnete ich felgendes sehr wichtige: die Rabbinerversammlung wolle erklären, ob sie n!?d bx nn roW tkd j\\, atimn rw, dot (sollte nach G.'s Meinung beibehalten werden) ron^D re. abschaffen solle. Es wird eine Kommission ernannt, welche über die Wichtigkeit gewisser Punkte entscheide und diese dann der ganzen Versammlung zur Berathung vorlege, in den übrigen aber selbst aburtheile. Für die drei nächsten Tage werden die Sabbatberichte zur Verlesung und die drei letzten Tage für die Erledigung der Litnrgieftage bestimmt. Für heute erklärt der Präsident, die Sitzung sei geschlossen. Sie sollen dann weiter Horen. 3. * Berlirr, 5. Juli. Nachdem von Seiten der hiesigen rabbinistischen Partei der feste Entschluß gefaßt worden, eine neue Synagoge nach reformistischem Geschmack zu erbauen und dazu bedeutende Summen bereits gezeichnet sind, hat man auch begonnen, in der jetziger! Synagoge der Reform Einiges, wenn auch an sich Unbedeutendes zuzugestchen. Während nämlich bisher hier noch immer die alte Sitte festgehalten-worden war, Trauungen, wenn.sie nicht in Privatwohnungen vorgenonnucn wurden, aus dem Schulhofe abzuhalten, ging Hr. Dr. S a ch S sehr bereitwillig auf den Antrag eines Brautpaars ein, daß Ihre Trauung in der Synagoge selbst stattfinden möchte, und nach längerem Wik verstreben fügte sich auch Hr. Oettinger in das Ihr« vermeidliche, so daß seitdem schon mehrere Trauungen vor dein Altäre abgchalten wurden, und dieser Brauch wohl schwerlich sich je wieder vertieren möchte. Die Traureden des Dr. Sachs sind gemüthlich und erhebend, und erreichen meiner Meinung nach vollkommen den Zweck, den sie anstreben. Der zu große Andrang von Neugierigen verursachte zwar im Anfänge noch einige unangenehme Storungen, was jedoch schon in den nächsten Malen nicht wieder Vorkommen dürste. Der Gottesdienst der Reformer besteht zwar nach wie vor ruhig fort, jedoch sind wohl Manche unter ihnen dadurch lut* angenehm berührt worden, daß sie bisher noch keinen Prediger nach ihrem Wunsche erwerben konnten, da namentlich Dr. Frankfurter den ihm gemachten Antrag definitiv zurückgewiesen haben sott; Einige sollen sogar in der letzten Zeit ihre Theilnahme aufgckündigt haben. Der Mangel der Predigt wird einstweilen da» durch zu ersetzen gesucht, daß Hr. Dr. Stern ein von ihm jedesmal dazu besonders angefcrtigtes Gebet, das erhebende Punkte in der israelitischen Geschichte und Lehre sinnreich herverhebt, vorträgt. In der vorigen Woche waren von der orthodoxen Partei die HH. Dr. Sachs, Dr. Veit und Joel Meier, und von der refor« matorischen Seite die HH. Dr. Stern, Breslauer und Adolph Meier vor deru Oberpräsidcntcn Meding geladen, um in Bezug auf das nächst bevorstehende Judengesetz die Wünsche der Gemeinde vorzutragen, jedoch ist hier in weiteren Kreisen über die Audienz selbst und deren Erfolg noch nichts Besonderes taut geworden. 8. Posen, 10. Jul. Man ist hier allgemein ge» spannt, wie der Oberrabbiner, Herr Sal. Eg er in Betreff der von Dr. Frankel prejektirten Theologen» Versammlung sich verhalten werde. Wird er sich, sei'S direkt oder indirekt, an derselben betheiligen? oder wird er die ganze Sache ignoriren? — Das letzere wäre gerade keine neue Erscheinung, das erstere aber, und zwar eine direkte, eine persönliche Betheiligung, im Interesse unserer Gemeinde sehr zu wünschen. Denn, wenn irgendwo, so ist bei uns eine Knltnöreform, natürlich in konservativem Sinne, von Nöthen und daß die T.-V. die Knltnsfrage vor allen andern behandeln werde, darf man wohl mehr als vermuihen. — Unser Hr. Obcrrabb. ist nne bekannt, den Neuerungen (versteht sich im Geiste Frankel's) nicht ganz abhold, und cs mag den: Erzwächter Zions genug leid thun und seine treuen Jünger genug Wunder nehmen, den Namen Salomon Eg er ebensowenig als irgend einen aus der Mitte der Rabbinen und Gelehrten unserer Provinz auf der Liste der 116 prangen zu sehen; un s Herzogtümer aber freut dies ungemein, uns gereicht es zur Ehre, ja