Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1846)
- Date
- 1846-07-23
- Page
- Seite 230 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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230 ich Ihnen vielleicht damit eine Ueberraschung bereitet, daß ich Ihnen erzähle, daß jedem Besucher der Sitzungen von einem verblendeter:, sonst aber ehrenwerthen Komitemitgliede eingeschärft wurde, sich ja des Notirens zu enthalten, weil die Versammlung nnr übcreirrstimmende Berichte wünsche, für diese aber schon durch die von ihnen designirtcn Korrespondeten gesorgt? Auch diese kindische Furcht von einem ungünstigen Urtheil macht keinen Eindruck auf Sie. Freilich Sie werden wieder auf Ihre Behauptung zurückkommen, daß 'Sie längst die Devinationsgabe besessen haben, zu errathen, daß es der R.-V. nicht einmal mit ihrer ausposannten O essenLlich keit Ernst sei, sondern daß sie, den Damen gleich ins Schauspiel gehen — spcclentur ut ipsi. Doch den besten Spaß habe ich Ihnen zuletzt aufbewahrt. Die Berliner Reformgenossenschasi hat das Schutz- und Trntzbündniß mit der Rabbiner-Versammlung aufgelöst. Sie sind ungläubig? Sie hatten es für ein abgekartetes Spiet, für ein neues Jntrignenstück? Nein, nein, es ist ernste Wahrheit. In einem Sendschreiben an die Versammlung sprach die Genossenschaft in den gewöhnlicher: Anstandöformelr: ihre herzliche Theilnahme für das Institut aus, 'allein sie wollen sich keineswegs von ihren Beschlüssen binden lassen, sondern wolle ihren eigenen Weg wandeln. Ausführlich kann ich Ihnen das. Sendschreiben nicht mittheilen, weit, wie schon erwähnt, auch mir das Nachschreiben untersagt wurde. Durch die Vorlesung dieses Sendschreibens und durch die daraus hervorgegangene Debatte über die Frage, ob auch eine Antwort auf dieses Schreiben zU erlassen sei und von wann, konnte man unter den Theitnehmcrn diejenigen unterscheiden, die es herzlich treu mit der Reformen osseuschaft meinen und nur mit Schunerz eine Trennung sehen, von denen, die wenig mit der Genossenschaft sympathisirt haben. Zu den Ersten: gehören vor Allem, Geiger, Hold heim, Heß, (Philippson schwieg aus Bescheidenheit oder Verstimmung.— er hatte nämlich die Sekretär-Charge abgelehnt —); an der Spitze der Letzten: steht Stein mit S. Adler und noch Einige. G. bestand auf einer Beantwortung der Adresse, wenn cnrch nicht aus Pflicht — denn das Schreiben war ein wenig verletzend gehalten — so doch aus Artigkeit. Hetdhcim fügte hinzu: so unangenehm eine so schnell erfolgte Scheidung auf das noch nicht ein Jahr alte Ehegelöbniß mit der Genossenschaft auch sei, so müsse man doch für die Geschiedenen einige Freundlichkeit bewahren (zumal wenn man auf eine baldige Ausgleichung der Differenzen speknlirt). Stein aber sprach sich ziemlich hart, aber bieder auö: das Schreiben sei, um einen härtern Ausdruck zu vermeiden, keiner Antwort würdig. Die Fassung der Antwort wollte sich Präsident selbst Vorbehalten, das verstünde sich doch von selbst, und sei doch auch bei der zweiten Versammlung Ln Anwendung gekommen, die Manifeste vom Präsidenten ausfertigen zu lassen. Auch dag egen sprachen sich Stein und Andere recht bitter auö; sie stellten die Behauptung des Präsidenten als eine Unwahrheit Hill, in der zweiten wäre diese Funktion keineswegs den: Präs, allein überlassen worden. Eine gegenseitige Gereiztheit und Herbigkeit gab sich in dieser ersten Debatte;funb. Die Eröffnung ging also nicht unter den günstigsten Anspielen vor sich. Es wurde zuletzt eine Kommission für Abfassung der Antwort an die Berliner Genossenschaft gewählt. Dasselbe Spiel wiederholte sich bei der aufgeworfenen Frage, ob nicht eine Ansprache der Gemeinde erlassen werdet: müsse. Präs, behauptete die Nothwcndigkeit einer solchen Ansprache, da die steinsche Broschüre ,,die Rabbinersammlung: ein Wort zur Verständigung k." , die zum Zwecke haben sollte, das Interesse für die. dritte Versammlung neu zu beleben, diesen: Zwecke nicht entsprochen habe, und ziemlich spurlos vornbergegangen sei. Das Erlassen einer Ansprache wurde zugestanden; allein wer soll sie abfassen? Freilich der Präsident; so behauptet der Präsident. Auch dieses unschuldige Vergnügen ging nicht durch, sondern es wurde einer Kommission überwiesen. — Doch ich schreibe Ihnen schon viel von der Versanunlung, zumal, wo ich eben höre, ein Anderer Ihrer Korrespondenten sich der Resignation unterzogen, Ihnen über den fortschreitender: Gang der Verhandlrmg ausführlich zu berichten. O Hillel! deine Geduld! Ich fuge nur noch schnell hinzu, daß in den gestriger: und heutigen Sitzungen die Sabbatfrage verhandelt wird, und daß Holdheün sich für die Verlegung des Sabbats aufden Sonntag entschieden ausgesprochen. Welche Indignation diese Holdheim'sche Konsequenz in einer, werrn auch zerstückelten und verführter:, doch noch religiösen Gemeinde hervorgerufen, können sie sich derrken. Doch darf ich nicht verschweigen, daß auch manche Rabbiner: sich in konservativem Sinne zu den Fragen verhalten, Dazu gehört S. Adler aus Alzei — wie ich glaube — auch Heß hat sich ein wenig konservativ gehalter: und ist H. ziemlich scharf entgegen getreten. — Die hiesigen Blätter liefern ausführliche Berichte über das Ernste und Lächerliche der Verhandlungen. Sie dürfen die Eingesandter: Ar:nor:een in der Breslauer, Schlesischen und der rroch junger: Oder-Zeitung nicht übersehen. Diese geben recht treu das Verhalten der öffentlichen Meinurrg zur Vcrsarnmtung an. . Breslau, 16. Juli. Sie erhalten hier die No-, tizcn aus der hiesiger: Lokalzeitung; dararrs könncr: Sie den. Geist in der hiesigen Gerneir:de, die tiefe Verachtung des Publikums gegen die R.-V. erkennen. Vorläufig folgende drei. 1. Bescheidene Anfrage. Herr Dr. Hold heim hat ir: einer wahrhaft klassischen Rede, welche die Verlegung des Sabbats ans der: Sorrrrtag erupfiehlt, nachgewiesen, daß es. auf der: Tag, an welchem man diese