Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1846)
- Date
- 1846-07-16
- Page
- Seite 226 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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, in und unter'welchem wir so glücklich ftub geboren zu sein, nicht beladen werden könnte mit höchst unseligen Folgen für unser gemeinsames Wohl, welcher jedoch, wie es wirklich,der Fall ist, wesentlich dazu dient, den .schönen Namen der Gemeinde Israels. in der Achtung bei der Welt herabzusetzen. Zu diesem Schritte sind wir nicht bewogen durch etwaige beschränkte Rücksicht für unsere persönlichen und unmittelbaren Interessen: diese, wie ihr wohl wisset, sind gesichert durch dir geltenden Gesetze dieses Landes, bekannt durch seine äußerste Gleichgültigkeit gegen allen Kirchenbann. ' Wir sind angetrieben durch die Sehnsucht, die Ehre des Stammes aufrecht zu erhalten, .dem wir angehören, und durch den Wunsch, Frieden und Einigkeit zu .bewahren oder wieder herznstellen zwischen unserer Gemeinde und dem allgemeinen ‘ Körper, mit welchem, auf Unkosten jedes weltlichen Interesses, wir leben wollten, unter Bedingungen vollkom-. mcner Eintracht.' Keineswegs flehen wir eure Vermittlung für uns -an als eine Handlung der Barmherzigkeit oder der Nachsicht, wir beanspruchen sie als eine Maßregel der Gerechtigkeit, die ihr euch selbst nicht minder schuldig seid, als uns. Wir erinnern euch an die Gefahr, mit welcher das gegebene Beispiel der Verfolgung gegen die West- London-Synagoge bedroht unsere allgemeine Freiheit als Engländer; an den Unwillen, den wir alle taut ansdrücktenso oft einem unserer Glaubensgenossen im Auslande von einem Despoten eine Last ausgebürdet wurde, der mit der Glaubensfreiheit Israels gegeneinander stieß. Ja mehr, wir fragen euch , könnt ihr nach wie vor so dreist an eure Mitbürger Ansprüche machen auf Befreiung von gewaltthatigen Versuchen gegen euer Gewissen, während ihr 'selbst Bestrebungen ähnlichen Charakters unterstützt oder ruhig gestattet, die sich gegen eine Minderzahl eurer eignen Glaubensgenossen richten, gegen eure Brüderin Ansehung deS Vaterlands, der Abstammung und des Glaubens? Erinnert euch an die vielfachen Lehren, die uns die Geschichte von parteisüchtigen Streitigkeiten darbietet.; ruft, euch ins Gedächtmß die unzähligen Beispiele, wo die Bemühungen der Unduldsamkeit mit .strenger Vergeltung zurückfielen auf die Unterdrücker selbst. An euch, daher, Glaubensgenossen und Landsleute, richten wir unfern ersten Anruf. Bel jedem Baude, wodurch ein Israelit dem Israeliten thcuer sein kann, fordern wir euch auf,' gegen diese Verletzung der Gcwissensrechte nachdrücklich zu protestiren, und zu zeigen, daß ihr keine Theilnehmcr seid au dem Werke der Verfolgung. Unsere Rechtssache ist nun vor euch; wir lassen sie m euren Händen mit Vertrauen ans das Mitgefühls das ihr .uns zeigen werdet, und auf die feurige Liebe für religiöse Freiheit, welche, da ihr Engländer seid,-.euren Herzen inwohnen muß. Erster Anhang. Briefwechsel. Herr Goldsmid an rev. Dr. Adler! 17. Decembcr 1845. Hochwürdigster Herr! Ertauben Sie, daß ich Ihnen die Abschrift eines Berichtes übersende,-den man mir erstattet hat in Betreff gewisser Umstände, welche der so eben stattgefundenen Vermählung des Moritz 'Heyman mit' Johanna Engel vorangegangen sein sollen. Die angegebenen Thasiachen schienen mir so sonderbar, daß, als sie mir zum ersten Male durch eine dritte .Person mitgetheilt wurden, ich vmmtthete, der Bericht müßte auf Mißverständnissen beruhen. Indem mir aber , seitdem die Umstände von Johanna Engel persönlich wiederholt worden (deren Aüösage ich schriftlich niederlegte, wie Sie es in der Beilage finden werden) —und indem die berichteten Vorfälle, wenn sie wirklich pattgesundcn, die Gemeinde zu deren Vorstehern ich die Ehre habe zu gehören, in die Nothwendigkeit versetzen würden, für ihre Vertheidigung einzuschreiten: so glaubt daö Collegium der Gründer keinen andern Weg cinfchtagen zu können, als den mir gemachten Bericht Ihnen mitzutheilcn, mit dem Gesuche, daß Sie durch mich dasselbe gütigst unterrichten wollen, ob derselbe Bericht so weit richtig ist, als er Sie selbst betrifft; und, wenn nicht, in welcher Beziehung er unrichtig ist. Wenn es wahr ist, daß Johanna Engel eine Schrift unterzeichnen mußte, so habe ich Sie ferner zu bitten, mich mit .einer Abschrift der Urkunde zu begünstigen. Ich habe die Ehre zu sein Ew. Hochwürden gehorsamster Diener Francis H. Goldsmid. Zweiter Vorsteher der West-London-Synagoge britischer Inden. (Fortsetzung folgt.) Jüdische Lehrer-Konferenzen. (Schluß.) Dritte Sitzung. Am 5. Mai, Vormittags-9 Uhr. Es erschienen: Die Herrn Präsid. Booenheimer, Friedländer, Cohen, Liffgers, Nathan, Adam, Anfchel, Lebach, Wolfs dorf u. Herrmanns. Friedlander fragt: Auf welche Weise künftig die Anträge an die Conferenz gestellt werden sollten. Präs, erwiedert: Durch schriftl. Einkommen beim Präsidium, u. würden sie alsdann nach Inhalt zum Vortrage kommen. Seien es aber Anträge,, die während der Sitzungen nicht erledigt werden könnten, so sollten sie Commissionen überwiesen werden.