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Der Orient · 1846-07-16 · Heft 29 (16.7.1846) · p. Seite 223

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 29 (16.7.1846)
Date
1846-07-16
Page
Seite 223 (sequence 5)
Language
German
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223 öffentlich sein, — eine merkwürdige Vorsorge von Seiten der preußischen Negierung für dieMäuuer des „Lichts",—, und man wird geuöthigt sein, sich vor jeder Sitzung Einlaßkarten zu holen. Daß bei Vcrtheiluug derselben .bedeutende Einschränkungen stattfinden werden, liegt klar am Tage. — Für die Nichtzulassung der Laien gu den Debatten enthalt der Israelit von voriger Woche in einem Artikel über die Breslauer Correspondenten des „Orients" eine originelle Vertheidignng, so wie noch -manches Ergötzliche, worauf ich späterhin zurückzukommen gedenke. Für heute nur noch die Nachricht, daß obschon zu dem Vereine für die freie Beköstigung jüdischer Studirendeu bereits seit dem 1. April die Beiträge eingezahlt sind, dieses Institut noch nicht ins Leben getreten ist. Mau muß sich um so mehr wundern, daß auch hier der gewöhnliche Schlendrian nicht überwunden werden konnte, da doch vor nicht gar langer Zeit das Ereignis', daß ein jüdischer Student im wahren Sinne des Wortes Hungers starb — nicht geringes Aufsehen erregte. Und schließlich die Versicherung, daß ich nicht unterlassen werde, mich zur gehörigen Zeit von Allem, was die Versammlung anbetrifft gehörig zu unterrichten, denselben so weit als möglich beizuwohnen und den Lesern des Orients umgehends davon zu berichten. 8. Breslau, 30. Juni. In vielfachen Privatmittheilungen aus Krakau wird über die jetzige Lage der dortigen Juden sehr geklagt. Die neu auferlegte Contribution für die Besatzung trifft die Juden mehr als die ganze übrige Stadt, indem sie nach dem Verhältnisse des Kopfgeldes entrichtet werden muß, welches bei den. Juden die Smume von 50,000 poln. Fl. beträgt, während die ganze christliche Bevölkerung weit weniger zu zahlen hat. Mit den noch anderweitigen Abgaben an Matratzen und dergl. für das Militär kommt den Juden die neue Steuer ebenfalls auf ungefähr 50,000 poln. Fl. zu stehen. Bei dem Darniederliegen des Handels und bei der sonstige:: durchschnittlichen Armuth der Juden in Krakau müssen aber solche Abgabe;: für sie bald unerschwinglich werden, so daß sie bereits die Hülfe ihrer auswärtigen Glaubensgenosse:: in Anspruch nehmen. Die aus Wien ihnen zugegangene Unterstützung von 6000 Fl. mußte unter 1800 Familien vertheitt werden. Von den wenigen der Theilnahme an der Revolution verdächtigten und zur Haft gezogenen Inden sind alle bis auf den Rechtsgelehrten Krzepizi wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Dieser, welcher aus Befehl des DictatorSTyßowski in der Synagoge für die Revolution gepredigt hatte, sollte ebenfalls die Freiheit wieder erhalten, als eine neue Dennneiation gegen ihn einging. Die frühere Verordnung, nach welcher die Juden an: Sonntage nicht in die Stadt gehen dürfen, wird, nachdem sie" einige Wochen nach der Revolution unbeachtet blieb, uunmehro wieder streng gehaudhabt. Die militärischen Maßregeln dauern in der frühem Weise fort. Vor der Hauptwache stehen noch zwei Haubitzen, und Chevau.rlegers und andere Soldaten patrouilliren des Nachts in den Straßen. Der Senatspräsident Schindler befindet sich noch immer in Wien. Eö ist bemerkenswerth, daß die österreichische Regierung den böhmischen Rabbinern, welche an der hiesigen Rabbinerversammlung Theil nehmen wollen, die vor: ihnen nachgesuchten, von den nächsten Paßbehörden aber verweigerten Pässe ertheilen ließ. In Baiern ist auch in dicseul Jahre den Rabbinern die Theitnahme an der Rabbinerversammlung nicht verstattct.worden. Es muß überhaupt anerkannt werden, daß die, österreichische Regierung von jeher die Reformation des Judcnthmns auf jede Weise begünstigt, und dieß zwar aus dem gewiß richtigen Gesichtspunkte, daß nur dadurch die Kluft zwischen denr Juden- und dem Christenthum ausgefüllt werden kann. (D.A.Z.) Berlin, 24. Juni. In meiner jüngsten Korrespondenz hat sich ein Fehler eingeschlichen, der, wie ich so eben sehe, ebenso in dem Berichte der D.A.-Z. und in andern politischen Blättern findet. Ich sagte dort nämlich, daß Dr. Stern und Adolph Meyer zum Oberpräsidenten von Meding (nicht Mieding) eingeladen wurden, bei der den 29. Juni Abends stattfindenden Berathung über die Organisation des jüdischen Cultus zugegen zu sein, mtb auch ihre Ansichten zu hören. Dies schien, als wenn der Hr. Oberpräsident von vorn herein die zu treffende Organisation nur im Sinne der Reformgenossen zu mache;: beabsichtige. Dies ist aber nicht der Fall. Es sind zu jener Berathnng ebenso unser Rabbinats-Assessor Dr. Sachs und Dr. Veit wie der geheim. Commerzienrath Joel Meyer eingeladen worden, und, wie man sieht , in Mehrzahl und es ist gewiß nur ein müßiger Gedanke, wenn daraus auf die Organisation selbst geschlossen werden möchte. Bei dieser Gelegenheit n:uß ich noch bemerken, daß Hr. Dr. M. Veit und der Geh. Couunerzienrath Joel Meyer auch zugleich schon früher zu Stadtverordneten gewählt sind, was wohl hinlänglich beweist, wie wenig auf den religiösen Ausdruck Rücksicht genommen wird. Frankfurt a. M., 5. Juli. Um die Diskussionen in den: Breslauer Coneil abzukürzen, werden Beschlüsse im Voraus gefaßt, deren allseitige Zustimmung man gewärtigt ist.... So ist unser Rabbiner heute zur R. V. abgereist, . obgleich er durch einen Trauerfall noch in den nfatt ist, und hat sonn't durch ein rn n^Dbierabgeschafft. Wahrscheinlich werden andere Rabbiner auf ähnliche Weise die Speise und Sabbatgesetze abschaffen, so daß sich die ganze Verhandlung nur noch mit dem Kultus, das Einzige, 'was die Rabbiner Ip^b erhalten wollen, zu beschäftigen haben. — Gott verleihe ihnen Kraft und Ausdauer, ihre Rolle glorreich zu Ende zu spiele;:. 29 *

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