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Der Orient · 1846-07-16 · Heft 29 (16.7.1846) · p. Seite 222

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 29 (16.7.1846)
Date
1846-07-16
Page
Seite 222 (sequence 3)
Language
German
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222 Die Gemeinde in Schweidnitz, die direkt zu Beiträgen! aufgefordert wurde, hat zu dieser Summe 20 Thlr. eingesandt, Brannschweig 60 Thlr. Die Kasse der Berliner Reformgenossenschast aber nur 160 Thlr., wahrscheinlich um dem Publikum die falsche Meinung zu benehmen, als stehe die R.-V. ganz in ihren Diensten. Freilich sind auch die Ausgaben für die diesjährige Versammlung viel größer als für die ersten, indem nicht nur die Reisekosten den Betheiligten entschädigt werden, sondern auch Wohnungen für die Rabbiner gemiethet werden müssen. Die Reformer mogelt nämlich ihre Wohnungen nicht hergeben, um die Rabbiner nicht in Verruf zu bringen, daß sie bei ihnen Trefa speisen, von den Konservativen aber lehnten einige die Ehre mit den Worten ab: bei ihnen können die Rabbiner nicht speisen, weil es Koscher in ihrer Wirthschaft zugeht. Auf diese Weise sind die Hrn. Rabbiner so ziemlich mp JNDD mp) }fcOD) allein dafür ist schon für sie ein Konzert von dem Kantor Deutsch und eine Lustfahrt nach Fürstenstein veranstaltet. Die konservative Partei möge daher nicht vorzeitig triumphiren; es ist nichts leichter, als vom sichern Port ans über die mit den Wellen Känrpfenden zu spotten. Wir werden bei Gelegenheit der Frankel'schcn Theologen-Versammlung sehen, welcher Opfer die Konservativen fähig sind, und ob es ihnen überhaupt mit ihrem Konservatismus Ernst ist. 5. Ans rOberschlesien, 6. Juli. In Nr. 27 dieses Blattes S. 212 heißt es in dem Schreiben des Rabbiners Hrn. Fassel' unter Andern: ,,Es ist mein heißester Wunsch, fürs praktische Leben nützlich, zu Wirker:, aber auch ureirre innigste Ueberzeugung, daß jedes wahre Zeitbedürfniß und jede Verbesserung, sich auch auf dein Boden der ialmudischen Tradition bleibend, und vielleicht nur auf diesem Boden bleibend, rcalisiren lasse, mit» so sehe ich nicht ein, warum Sturmlaufen gegen eine Festung, wenn sie selber eine Seitenpforte öffnet." Wenn wir nicht irren, so hat Hr. Fasset vor einigen Jahren schon, in einem Gutachten an das Ober- Vorsteher-Kollegium zu Breslau — welches Gutachten damals im Orient abgedruckt wurde — jene Seitenpforte deutlich genug bezeichnet, und ist diese (rnm*1 90 b) zu finden. Wir müssen gestehen, daß obige wenige Zeilen uns im jetzigen kritischen Zeitpunkt höchst bedenssam und inhaltschwer erscheinen. Hr. F. tadelt keinesweges die bisherigen Bestrebungen der Rabbiner-Versammlung an und für sich, sondern nur die Mittel, deren man sich zur Realisiruug jener Bestrebungen bediente. Nun hat aber die N.-V. bekanntlich die wichtigsten Elemente des positiven JudenthumS zu abrogiren sich bestrebt; man hat die Sabbat-Speise-Ehegesetze rc. abzu sch affen oder gänzlich umzugestalten sich bemühet. Entweder sind nun diese Bestrebungen wahre Zeitbedürfnisse und wirkliche Verbesserungen oder sind sie es nicht. Im letzter» Falle hätte nicht nur das Sturmlaufen, sondern der. Angriff überhaupt als ungerecht znrückgewiesen werden müssen. Sollte aber Hr. F. der Meinung sein —- was wir kaum glauben können jene Bestrebungen verdienen, weil wahre Zeitbedürfnisse, keine Rüge, Sabbat-, Speise- und Ehegesetze wären wohl zu aboliren,. nur müßte dies durch das Eingehen in die offene Seiten- Pforte erzielt werden, so bedauern wir sehr bemerken zu müssen, daß in diesem Falle, nach unserem Dafürhalten, der Weg, den die R.-V. eingeschlagen, unbedingt demjenigen vorzuziehen ist, den Hr. F. anräth; denn es scheint unS immer ritterlicher die Festung in offener Fehde mit Sturm zu nehmen, als sich in die Seitcnpforte, welche man in gutem Glauben, keinen Feind ahnend, offen gelassen als Freund einzuschleichen. — Wir halten es für Pflicht,,, alle diejenigen, welche sich bei der bevorstehenden Theologen-Versammlung zu betheiligen gedenken, ans diese höchst bedenkliche Seitenpsorte aufmerksam zu machen. Wir wünschen übrigens von ganzem Herzen, daß wir uns in H. F. geirrt und obige Zeilen mißverstanden hätten.. I. D. Bresleru, 7. Juni. In acht Tagen beginnt die R.-V. und es sind in der That nicht wenig Vorbereitungen zu derselben getroffen worden. Wird dieselbe aber die für sie dargebrachten gewiß nicht geringen Opfer durch segensreiche Leistungen vergelten? Wird sie auch nur der geringsten von ihr gehegten Erwartungen entsprechen? Zur Beantwortung dieser Fragen könnten die zwei bereits erlebten Versammlungen Stoff geben; doch dürfen wir nicht außer Acht lassen, daß wir diesmal einen'e n e rg i sch e n Präsidenten, an unserem Herrn Doktor G. haben werden und demnach zu manchen Erwartungen berechtigt sind. — Möge der gute Mann nur wohlbehalten an das vorgestreckte Ziel gelangen; denn, daß eö keine Kleinigkeit ist in acht Tagen ein Seitenstück' zu einem Werk, wie der Talmud ist, zu liefern, gesteht mir wohl Jedermann ein. Und nichts Geringeres scheinen die Herren von der R.-V. vorzuhaben! da die Vorläufer in der J.-Z. und dem Israeliten ganz auf ein solches Unternehmen hinzudeuten scheinen. O überaus glückliches Jahrhundert, das du nun auch einen Talmud von modernem Schnitt. bekommen sollst! Jetzt wirst du deinen Maimuni schon nicht entbehren können, aber ebenso wenig deine Albo's und Kreskas! Deine Addressen und Sendschreiben werden dabei gewiß nicht unberücksichtigt bleiben, und du darfst daher nicht fürchten, daß die Herrn der Versammlung sich zu streng au den Buchstaben halten werden. Bald werden sie kommen diese Männer des Lichts, es sind bereits Vorkehrungen zu einer glänzenden Empfangnahme getroffen. — Eine bedeutende Summe ist für die Bestreitung sammtlicher Kosten kollectirt, — ein großes Lokal für die Abhaltung der Sitzungen gewonnen. Diese dürfen nicht

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