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Der Orient · 1846-07-09 · 28 (9.7.1846) · p. Spalte 443-444

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
28 (9.7.1846)
Date
1846-07-09
Page
Spalte 443-444 (sequence 6)
Language
German
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443 Studien. Dr. Stern und die Reform im Judenthume. ilM 3 Steile, dann auch über die ndON. Jakob Emden schrieb 34 Werke, von welchen er 32 einmal selbst auf einem Blatte angezeigt, mit Angaben des Inhaltes. Die andern dort , fehlenden zwei: l) d*>T^ rfe’n> 2) *6n DDD, hat er erst nachher im spätesten Alter gedruckt. Er hat übrigens auch viele Handschriften hinterlassen. Vielleicht gefällt es einem der Mitarbeiter, ein genaues bibliographisches Verzeichniß der gedruckten Schriften Emden's, wie auch einen Nachweis über seine hinterlassenen Handschriften, zu geben. Dr. Stern und d!e Reform Lm . Jnderrthrmre. . In einer Zeit, wie die unsrige, wo sich Ereignisse drangen, Hrcvorgegangcn aus dem gereifteren Bewußtsein der Menschheit und dem Streben, diese Reife auch zu mam'festiren, sich äußerlich von den Fesseln einer noch beschränkten Vorzeit frei zu machen, verdienen gewiß diejenigen Momente vorzüglich hervorgehoben und einer besondern Aufmerksamkeit gewürdigt zu werden, welche jenes Ziel am direktesten zu verfolgen und sich ihm deshalb am wenigsten zu nähern scheinen. Es sind dies natürlich diejenigen, welche, durch Aufstellung neuer (oder wenigstens neuscheinender) Principien, neues - Leben und neue Formen ins Dasein zu rufen suchen, und so eine weitgreifende Umgestaltung des Alten und Hergebrachten herbeisühren wollen. Hat nun (denn wir bewegen uns hier allein auf religiösem Gebiete) der Neukatholicismus auf dem Gebiete des Ehristenthums einen mächtigen Anklang gefunden, und rechtfertigt er sich hier immer mehr durch die That, so scheint im Gegentheil das Judenthum trotz der heftigen Anregung, die ihm dazu in den Vorlesungen des Herrn Dr. Stern und dem darauf erfolgten Aufrufe an die deutschen Juden gegeben, sich zur Annahme solch radikal neuer Principien noch wenig geneigt zu fühlen, indem die Reform zwar in Berlin eine ziemlich beträchtliche Zahl von Mitgliedern hat, alle übrigen größern und kleinern Gemeinden Deutschlands aber nur wenig mehr als jener Mittelpunkt der Bewegung selbst an Anhängern der Reform zählen. Aufforderung genug für den ruhigen aber teilnehmenden Betrachter, sich die Frage aufzuwerfen: Begreift das Judenthum sich und seine Zeit nicht, oder greift Herr Dr. Stern seiner Zeit vor, und muß diese dafür seine Forderungen zurückweifen? Ehe wir aber an die Beantwortung dieser Frage gehen können, ist es nothwendig, das von dem geehrten Redner in den vor - und diesjährigen Vorträgen Ausgesprochene wenigstens dem Hauptinhalte nach vorzuführen, da sie, selbst so weit sie schon veröffentlicht, durch den Druck wohl nicht hinlänglich verbreitet worden, um für allbekannt gehalten zu werden. Jeder, welcher jene Vorträge gehört oder gelesen, wird unbedingt mit uns in dem Lobe übereinstimmen, wenn wir sie als gelungen in Erfassung eines Liefen Gedankens, in strengconsequenter (ob unumstößlicher wollen wir weiter sehen) Durchführung desselben, wie in blühender, oft poetischer Sprache bezeichnen. Die Idee nämlich, die' den Redner bewegt, ist-die, daß die Religion als der schon beim ersten Erwachen des menschlichen Bewußtseins reze und durch alle Lebensalter des Individuums wie der Völker stets gkirnmende Funke auch nur in und mit dem Leben und Streben derselben ihr Entstehen und ihre Entwickellung habe; kein Buch, keme Kodices können die Religion von Nationen und Geschlechtern bestimmen; denn ein Buch ist etwas Abgeschlossenes, in sich Fertiges, aber der Strom der religiösen Fortbildung fließt' gleich dem in der Geschichte der Völker Überhaupt unaufhaltsam fort und fort. Und darum, ja am allermeisten kann die Religion des Judenthums nicht eingeschloffen in einem Kodex vor uns liegen; , die Wahrheit, sie kann nicht mit einem Schlage da, und denen, die sie annehmen, vollkommen klar sein, sondern muß sich darin als solche bekunden, daß sie lebendig und lebenskräftig ihre Keime in ihnen stets entfaltet und Denken, Fühlen und Wandeln mit ihrem Strahle immer von Neuem erleuchtet, erwärmt und verklärt. Eine solche Wahrheit ist in der That die Lehre des Judenthums. Sie ist zwar in ein Buch niedergelegt, das ihre Principien und deren nähere Bestimmungen enthält, aber sie läßt in der Durchführung ihrer Idee sowohl für das Erkennen als für das Handeln einen so weiten Spielraum, daß sie.durchaus geeignet ist, in ihren Lehrsätzen und Vorschriften sich allen Bildungsstufen ihrer Bekenner zu fügen, und der reine Quell bleibt, dessen Wasser nur durch die Gefäße, in die es gethan wird, bald trüber bald klarer erscheint. „Erkenne heut und nimm es dir zu Herzen, daß Jehova Gott ist im Himmel oben , und auf Erden unten, und keiner außer ihm"/ und so an vielen andern Stellen ruft die Schrift uns zu, daß die Erkenntniß des einigen, -ewigen und unkörperlichen Gottes die höchste Weisheit Israels, der Kranz ist, mit dem es der-Herr geschmückt, und um dessentwillen die Völker von ihm sagen: „Wahrlich ein sehr verständiges und weises Volk ist diese — Nation." So war es denn von Anbeginn die Aufgabe des Judenthums, diese Erkenntniß Gottes, im Gegensatz zu dem getrübten heidnischen Gottesbewußlsein, in sich immer mehr zu kräftigen und durch die That zu bekunden, so das es den Nationen stets ein lebendiges Aeugniß sei, daß Gott einzig, und keiner außer ihm. Diese seine Aufgabe in der Geschichte hat es bisher in zwei ganz verschiedenen Stadien zu lösen gehabt. Ale die erhabne, allem antiken Gottesbewußtsein widersprechende Gottesidee in den Gemüthern der Israeliten noch nicht zu voller Klarheit gelangt war, und sie deshalb auch oft wieder dem heidnischen Götzendienst sich Hingaben, da führten gottbegeisterte und gottersüllte Propheten den Kampf für den Heiligen Israels gegen die Gräuel der Heiden, bis endlich, nachdem das Volk, durch das drückende Exil zur Besini

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