Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1846)
- Date
- 1846-07-09
- Page
- Seite 219 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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welche die Israeliten von den übrigen Bewohnern Ungarns leider noch inmict trennt, zn erweitern und so viel in ihm lag unauSfüllbar zu machen. Wurden irgendwo viele Einbrüche und Diebstähle begangen, so war Niemand anders Schuld, als die Juden. Wurde irgendwoher über Thenernng und Mangel geklagt, wer Anders als die Juden hatten durch ihre Machinationen diese hervorgerufen? Den Juden, die Handel treiben, wurde vorgeworfen, warum sie sich nicht der Wissenschaft oder den Handwerken widmen, die Juden, die sich den Wissenschaften oder bcn Handwerken widmeten und vergebens auf Anstellung oder Meisterrecht harrten, wurden verspottet: Sie hätten es ja voraus wissen können, daß > ihre Bestrebungen fruchtlos wären! Das größte Kontingent zu dem Spitzbubeuheere .Ungarns lieferten die Juden, freilich nur auf dem Papiere dieser Zeitung und in den: Gehirne ihres Redakteurs; indessen wußte mau bat Mangel an Beweisen durch die Taktik zu vcrmäntetn, daß wenn von einem Uebelthatcr, der zufällig jüdischer Konfession war, die Rede war, dieser bezeichnende Umstand so oft und so nachdrücklich hervorgehoben wurde, daß vor der Phantasie der verblüfften Leser wenigstens ein Paar Dutzend jüdischer Gaun er, jüd i s ch e r S p i tz b u b e n, j ü bischer W u ch e r e r, j üd i s ch e r V a g a b u w c t:, jüdi s ch e r Diebe, j ü d ischer Blutsauger (nebst noch sehr vielen ähnlichen, stehenden Ausdrücken dieser Zeitung) standen. Und dabei wußte sie sich den Anstrich zu geben, als wäre sie von der Negierung begünstigt, als wäre sie so eine Art von halbossiciellern Blatte. Und die Juden, die immer mehr Raupen ats Btüthen sehen, ließen sich einschüchtern und wagten, aus Furcht gegen die Regierung aufzutreten, es nicht, in dieses Wespennest maßlos niederträchtiger Anfeindungen und Gehässigkeiten mit dem Stahle der Wahrheit zu greifen und seine, bis auf das Gift gänzliche Gehaltlosigkeit darzuthun. Da trat endlich der Redakteur der Preßburger Zeitung, Herr Adolf Neustadt, unverblendet von dem Nimbus, den sie selbst um ihr Lichtscheues Haupt gewoben, gegen sie auf und legte in einiger: meisterhaft geschriebenen Artikeln die Nichtigkeit all der Mittel unb Mittelchen, deren sie sich zu ihrem Werke der Finsterniß bedient, blos und wies ihr selber aus ihren eigenen Artikeln, selbst nach Annahrne ihrer falschen Voraussetzungen, die Gehaltlosigkeit ihre Folgerungen nach, er bewies ihr attö ihren eigenen Worten, daß all die Arroganz und Unwissenheit, die Heuchelei und Kriecherei, die sie so oft den Juden vorgeworfen hatte, sie selber treffe. Wer die Verhältnisse der deutschen Presse in Ungarn, und die Schwierigkeiten, die einer gewisser: Richtung entgegenstehen kennt, wird den moralischen Muth dieses als einen der begabtesten Publicisten und furchtlosesten Kämpfer für das Recht bewährten Mannes würdigen und es begreifen, daß er nur den kleinster: Theil von dem, was er sager: wollte, sagen konnte. Die Pesther Zeitung sah sich mit Waffen, deren sie.sich nicht gewachsen wußte, bekämpft, und zog sich mit vornehmer Miene zurück, ohne jedoch in ihrer bisheriger: Verfahrungöweise aufzuhören. Dieser Schritt des Hrn. Neustadt brachte zwei große und erfreuliche Wirkrmger: im Lande hervor. Erstens stand die Pesther Zeitung, die sich so gern für eine offieielle hatte halten lassen, nun auf einmal dcmaskirt da, und verlor schon dadurch den größten Theil ihres EirrflusseS. Zweitens athmeten die Inder:, die unter den Gehässigkeiten der Pesther Zeitung harte Absichten der Negierung verborgen glaubten, wieder auf und ließen das halb verlorene Vertrauei: auf Regierung und Land wieder irr ihrer Brust zurückkehren. Natürlich wird von aller: Seiten beut verdienstvollen Wirker: des Hrn. Neustadt die lauteste Anerkennung zu Theil und sollen auch bereits von mehren Orter: Dankadressen an ihr: abgeschickt worden sein. Eir:e derselben vor: den: Lehrkörper der drei Preßburger Cor. öffentlichen iSraet. Schuten ausgehend,,, kam uns zu Gesichte. Sie drücken darin mit beredten Worten ihren Dar:k aus für die Großherzigkeit, nrit der er gegen, einen für unbesiegbar gehaltenen Feind die Sache der Israeliten und des Rechts vertheidigte, und stellen ihn als ebenbürtigen Ger:osseu den Würdigen, die für Menschenrecht und Menfchenwerth gestritten, an die Seite. Ehrt eine solche Adresse den Empfänger, so ehrt sie nicht minder die Ueberfender, und wahrlich nur eine solche Theilnahme und Anerkennung kann in den: Kampfe gegen Vorurtheile ititb Gehässigkeiten, wo man die Massen gegen sich hat, aufrecht erhalten und zu immer neuen Anstrengungen anspornen. Darum wollen auch wir ein Eljcn! dem Käu:pfer für Recht, Herrn Neustadt zurusen! * —z. Perptt, 18. Juni. Wie das Streben nach Veredlung und Aufklärung im Allgemeiner: ein Höheres in der letzten Zeit geworden, und wie namentlich im Judenthume so viele Kräfte sich regen, so zeigt sich auch in der isracl. Gerncinde Papa eine Thätigkeit für geistige Umgestaltung, die aber einzig und allein nur wie schon oft erwähnt durch die lobeuswerthen Bemühunger: des erwähnten Vorstandes unter den hiesigen Israeliten für die moralische Besserung ihrer Glaubensgenossen geschieht, die durch ihre rastlose Thätigkeit im Interesse des Guten, und — was am wichtigsten ist — durch ihre pekuniärer: Mittel, die Achtung aller ungarischen Jöraeliter: im vollsten Maaße verdienen. Und so girrg auch arr: 12. d. M. die Rabbinerwahl vor sich, ur:d ist entschieden zu Gunsten der progressiven Partei ausgefallen — die Wahl traf den rühmlichst bekannten Oberrabbiner L. Löw zu G.-Kanischa, dessen Wirken unb Streber: für da§ Wohl seiner ungarischen Brüder, und dcsser: Tüchtigkeit und edle Gesinnungen rühmlichst genug bekannt sind, und den: auch zu Gebote steht das Wort Gottes in unserer süßen vaterländischen Sprache