Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 27 (2.7.1846)
- Date
- 1846-07-02
- Page
- Spalte 425-426 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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426 Kritiken. Sendschreiben von Dr. Mschicht 425 sollte scheintod gelegen haben, wird doch kein Mensch glauben wollen. 2. Die Ermahnung, die Leiche nicht eher als solche zu betrachten, als bis die Fa'ulniß eintrirt, bis dahin aber sie immer noch als eine schwer kranke Person zu behandeln. Man soll ihr daher nicht das Gesicht bedecken, sie nicht auf die kalte Erde legen, und überhaupt nicht müde werden, sie wieder.zum Leben zurück zu rufen, behufs dessen der Vers, in der 2. Abth. von S. 75 vis 109, die Bewachung der Leichen zum beabsichtigten Zwecke verordnet, und die Wiederbelebungsmittel angiebt. Sehr zu wünschen wäre es, wenn man hierin dem gelehrten Verfasser in Allem nachfolgte, und alle rituelle.Anordnungen erst dann Vornahme, wenn der Tod nicht mehr zu bezweifeln ist. v Aber ich fürchte dieses werde noch lange ein piuin desiderium blctben. nODD N'b HDDn. , Wollte Gott, daß nur überall das abscheuliche, ja ruchlose Eilen mit der Beerdigung, ein Ende nehme; dieser Umstand bildet den 3. Haupttheil des Werkes. j Im Vorworte S. VI. spricht der Vers, vom großen Nutzen der sog. x^Np aber auch wieder von der Anmaßung derselben,- sich auf eine Höhe zu stellenauf welcher selbst den erfahrensten Aerzten schwindelt, nämlich durch' I gewisse Kennzeichen' auf den wirklichen Tod zu schließen. Wahrlich es ist mehr als Anmaßung, es ist der verwerflichste! Aberglaube, der gewiß mehr Menschen gemordet, und auf eine weit schmerzlichere Weise gemordet hat, als der ehe- I malige Molochdienst. Ist diese wahnsinnige Selbsttäuschung f nicht empörend? Wo es sich handelt um eine Verletzung an i einem Thiere zu untersuchen, ob es trefa sei, da heißt es! immer in den Ritualbüchern: „Nur die Weisen des Talmuds | waren geschickt zu untersuchen, nicht aber wir heutigen Tages Jnpnm pjj'pii pN UN; und auf die „Todeszeichen"'OWD 1 nri'D wollten die Talmudisten selbst sich nicht verlassen, und E verordnen die Leiche drei Tage noch zu bewachen, und da wo I es sich um Menschenleben handelt, wo die gräßlichste aller | Todesartcn dem Nebenmenschen bereitet werden kann, so sind E wir klüger als der Talmud, und verstehen besser die Kenn- | zeichen des Todes, als sie die Talmudisten verstanden haben. | Nachdem der Vers. S. 64 bis 67 mehrere thatsächliche | Scheintodsfälle bespricht, schließt er diese- Abhandlung, mir | den eindringlichen Worten: „Erwachen im Grabe! Freunde! f Brüder! könnt ihr dieses Schauderbild in seiner furchtbaren 1 Größe erfassen, ohne von einem sieberhaften Grauen ln euerm | Innersten erschüttert zu werden? In dem heißen Gewühle ß der Schlacht, zerschmettert in Stücken, zerhauet, zertreten | zu werden, ist gewiß ein beweinenswerthes Schicksal der Men- E schen; aber in der schauerlichen kühlen Tiefe, ohne Licht, j Wärme, Luft und Menschen im verzweifelten Kampfe mit dem l Tode sein, ist eine Lage, die Hyänen und Schakalen Mitleid f erpressen kann " - Und sagt noch S. 94: „Merkt auf Brüder, l daß es nicht von euch heiße, sie haben Augen, und sehen nicht, Ohren und hören nicht. Beherziget es wohl, damit ihr nicht einst vor dem Throne des Allerhöchsten, als Sünder p-pfED, und nicht mehr als Unwissende erscheint , da ich euch nun unwiderlegbar bewiesen, wie sehr ihr bisher bei eurem vorschnellen Urtheile über den wirklich eingetretenen Tod, im Argen läget". O möchten doch diese Worte einen Widerhall in ganz Israel finden! Möchte meine schwache Stimme zum Posaunenschall werden und allen sog. „Brüderschaften" donnernd in das Ohr tönen: „Ihr seid Mörder, ärger'als ge-- m e i,n e M ö r d e r! g e g e n euch schreiet d a s B l u t der gräßlich Gemarterten! Lasset von nun an das Unwesen ein Ende haben! Gönnet jeder Leiche doch die Frist, die ihr so noth t h u e t. In dem vorliegenden Werke werden manche Fälle von Scheintodten erzählt, ich kann sie aus eigener Erfahrung bereichern. Als ich noch Kind war, starb in meinem Geburtsorte Boskowitz ein 80jähriges Weib. Diese Frau aber war 26 Jahre früher auch gestorben, ihr vermeintlicher Leichnam auf die Erde gelegt, mit der schwarzen „Hülle" bedeckt, und als man sie enthüllte, um sie auf das sog. Metaherbret zu legen, streckte sie den Arm aus und griff sich an das Ohr, und rief: „Wo sind meine Ohrringe?" -Sie lebte dann noch, wie erwähnt 26 Jahr, eine Stunde später, und es wäre um sie geschehen gewesen. Meine gute Mutter wurde mir entrissen als ich 17 Jahr alt war. Sie starb um 4 Uhr nach Mitternacht, und um 8 Uhr desselben Morgens war das Leichenbegängniß. Während der rnn£) bemerkten die Frauen an ihr eine ungewöhnliche rothe Gesichtsfarbe z aber thut nichts, die Leiche mußte Leiche bleiben; die rnnio wurde fortgesetzt, die Leichenkleider angelegt und meine arme Mutter auf die Bahre getragen. Schon sollte sich der Leichenzug in Bewegung setzen, da wurden deutliche Lebenszeichen an ihr wahrgenommen, sie mußte in das Haus zurückgetragen, und in das Bert gelegt werden. Leider hatte es kein anderes Resultat, als daß ihr sei. Vater, der damalige subst. Rabbiner zu Boskowitz, das Morgengebet verrichten konnte; denn als man sie zurück getragen, fragte dev schwergeprüfte Greis, was vorginge, und auf die Mittheilung, sie lebe noch, sagte er: Nun so darf ich wohl das Gebet verrichten. Mehr that er nicht; trotz der wiederkehrten Lebenszeichen, war das Leichenbegängniß um 6 Uhr desselben Abends, 14 Stunden nach dem erfolgten Scheintod, und es siel dem subst. Rabbiner, der doch ihr Vater war, und dem nicht mehr blieb als noch Eine Tochter, gar nicht die Gesorgniß zu hegen, daß sie vielleicht noch lebe. Wenn mir noch jetzt zuweilen der furchtbare Gedanke aufsteigt, meine gute fromme Mutter jei vielleicht scheintodt begraben worden, so ergreift mich ein Entsetzen über den unsinnigen Aberglauben, der so tief eingewurzelt bleibt. Was in meiner Macht stehet,'habe ich dagegen gewirkt. Als ich am 17. Jan. 1836 nach Proßnitz ckam, war, trotz dem daß sich hierorts im Jahr. 1831 ein schrecklicher Scheinan