Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1846)
- Date
- 1846-07-02
- Page
- Seite 211 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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211 Sind es etwa marktschreierische Ankündigungen, weitläufige ' Berichte- Darstellungen von Namen und Iahten? Nun, dann möchte man uns doch aufweisen, was der Art unter der Leitung des sei. Dr. Büdinger erschienen ist. Dieser würdige Mann, der unsre Lehrerbildungsanstalt mit äußerst schwachen Mitteln, ja sogar unter mancherlei Kämpfen, da die andern 3 Provinzen außer Niederhessen bis auf den heutigen Tag ihren Anschluß verweigerten, in's Leben rief, ihr bis auf den letzten Lebenshauch seine ganze Thätigkeit widmete, war stets der Meinung: Es sei das wahre Lebenszeichen eines Schullehrerseminars, daß es Lehrer bilde. Als Schüler und Nachfolger im Amte gestehen wir, ganz derselben Meinung zu sein, und dürfen uns für deren Richtigkeit auf die Zustimmung bewährter Pädagogen und ausgezeichneter Männer berufen. Großer Qualm ist gerade nicht das Zeichen eines großen Feuers. Die Lehrer am Kasseler Seminare sind von ihrem Berufsgeschäfte hinlänglich in Anspruch genommen, so daß ihnen zu Programmen und Proclamationen für die Oeffentlichkeit keine Zeit übrig bleibt *). Vielleicht nicht zu ihrem persönlichen Vortheile war ihr Wirken mehr nach Innen als nach Außen gerichtet. Daß aber Lehrer und zwar verha'ltnißmäßig in genügender Zahl hier in Kassel gebildet werden, davon kann sich Zeder überzeugen, der die Schulen Kurhessens mit denen andrer Staaten vergleicht. Die kleinste Dorfgemeinde hat hier ihren geprüften Lehrers Ausländer ssind hier längst nicht, mehr anzutreffen, vielmehr haben wir die Freude, daß fasten allen deutschen Staaten Lehrer angetroffen werden, die auf unsrem Seminare ihre Bildung erhalten haben. Hierbei haben wir allerdings zu beklagen, daß Kurhessen, daß namentlich die Prov. Nicderheffen, welche die Lasten des Seminars allein zu tragen hat, nicht immer durch die besten Zöglinge der Anstalt sich belohnt sieht, indem diese die kleineren Landgemeinden verlassen und sich einträglichere Stellen in andern Provinzen und im Auslande suchen. Und so könnte der Hr. Correspondent jener Zeitschrift Lebenszeichen unsrer Anstalt in Schwerin, in Güstrow, in Wolfenbüttel, in Hamburg, ja in Nord-Amerika finden. Wir hätten, wie gesagt, seine Aeußerung auf sich beruhen lassen, wären wir nicht durch eine andere in Nro< 25. d.Bl. genöthigt worden, unser Stillschweigen zu brechen. Hier wird in einem Correspondenzartikel aus Hannover von „bedauerlichen Resultaten" der Seminarien zu Westphalen „und Kassel" gesprochen, wird auch der Grund davon angegeben und so ohne Weiteres behauptet: „Jene Seminarien sind von vorn herein vorzüglich im heterodoxen Sinne errichtet, wenigstens war das jüdische Element nicht die Basis und der Grundstein." Was das Kasseler Seminar betrifft, so sind wir sowohl als Lehrer der Anstalt, wie als ehemaliger Schüler derselben verpflichtet, eine solche, Behauptung auf's Ent- •) Zu einer aktcnmäßigen Darstellung der Leistungen unsrer Anstalt hoffen wir übrigens bald Gelegenheit zu haben. D. Eins. fchiedenste zurückzuweisen und können, da wir ungern Böswilligkeit voraussehen nur annehmen, daß der Corresp. sich in völliger Unwissenheit über unsre Anstalt befinde. Wir überschätzen wahrlich die Leistungen der Anstalt nicht, sind keineswegs blind gegen ihre Mängel, können aber versichern, daß es das unausgesetzte Streben ihres Vorstandes und ihrer Lehrer ist, durch Beseitigung hindernder Umstände und Herbeischaffung größrer Mittel denselben abzuhelfen. Vielleicht hätte eine bestehende Anstalt mehr Recht auf fremde Unterstützung als eine noch zu errichtende, indeß unser Vorstand verschmähte es, auf diesem Wege ihre Kräfte zu vermehren. Dennoch dürfen wir dreist es sagen, die Anstalt hat geräuschlos manches Gute gewirkt, mancher Jüngling verdankt ihr das Glück für den heiligen Beruf Israels, für das Wohl der Menschheit Mitwirken zu können, und hatte die Heerde auch räudige Schafe, wir wissen G. s. D. Nichts von bedauerlichen Resultaten. Unsre Anstalt besteht nun fast £ Jahrhundert und hat bei einem Lehrcursus von je 3 Jahren wohl 100 Lehrer gebildet und darunter sind wehr als die Hälfte, auf die sie stolz sein kann. Sind das bedauerliche Resultate? Im verflossenen Jahre ist sie von 17 Zöglingen besucht worden, von denen 2 nach bestandener Prüfung entlassen wurden, 2 aber ausgetreten sind, um an andern namhaften Lehranstalten als Unterlehrer zu wirken, 4 andre, , die sich zur Aufnahme gemeldet, sind als nicht hinlänglich vorbereitet , noch zurückgewiesen worden. Sind das bedauerliche Resultate? — Der Corresp. scheint große Hoffnungen auf das zu errichtende Seminar in Hannover zu gründen und mit Rechtr! Bedeutende Fonds werden seine Existenz sichern und es in den Stand setzen, die ausgezeichnetsten Pädagogen und Koryphäen der Wissenschaft für dasselbe zu gewinnen; die Regierung wird ihm ihre Fürsorge zuwenden, ein tüchtiger, im Glauben fester, im Wissen starker Rabbine wird seine Thätigkeir überwachen, und endlich werden die Erfahrungen andrer Anstalten ihm lehrreich sein können^ dennoch darf man hier rufen NNSM -tfinn ^>nn’ .. Aber man beschuldigt sie der Heterodoxie und einer unjüdischen Basis. — Das zeitige Lehrerpersonal verschmäht es, sich einer so unmotivirten Anklage gegenüber zu rechtfertigen. Nur die Manen unsres sel. Lehrers fordern es, daß wir für sein Andenken in die Schranken treten. Wenn der Corresp. auch den sel. Dr. Büdinger persönlich nicht gekannt zu haben braucht, so sollten ihm doch wenigstens die Schriften dieses ausgezeichneten Pädagogen nicht fremd sein. Wahrlich! der echt jüdisch-religiöse Geist, der darin weht, könnte ihn am besten über seinen Irrthum belehren. — Wir verlieren kein Wort mehr, wo Thaten, wo lebendige Zeugen für uns reden. EinLehrerdesSeminars.