Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1846-07-02 · Heft 27 (2.7.1846) · p. Seite 210

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 27 (2.7.1846)
Date
1846-07-02
Page
Seite 210 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2360092-2360418-2360446--5499-3532355
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

- 210 - ' der und Gesänge zum Wohlgefallen aufsteigen müssen, immer mehr und mehr beim Volke, das noch von den alten Stoßsäufzern und häufigen Andachtsübungen gebetsmüde ist, Eingang zu verschaffen gesucht, ja sogar die Beibehaltung des gottesdienstlichen festtäglichen Charakters der aufzugebenden zweiten Festtage wird deshalb empfohlen, weil dieselben oft auf Sonntage und christliche Festtage treffen (Geiger's Entwurf zu einem Berichte über den zweiten Festtag); wir können demnach sicher darauf rechnen, daß dieser ,,Göthe- Rabbiner" konsequenter Weise in der nächsten R.-V. den Antrag stellen wird, die Chanuka-Feier auf zwei Tage zu redueiren, dagegen dieselbe durch einen festtäglichen Gottesdienst deshalb zu feiern, weil dieses Fest zuweilen auf Sonntag und W e i h n a ch t e n fallt. Aber auch den jüdischen Bewohnern katholischer Länder, welche an die Macht der Kirche zu binden und zu losen und an die einträglichen D ispen§-Gefällen gewöhn^ sind, sucht der ,-emsige Forscher", Hr. Dr. Herzfeld, ein entsprechendes Surrogat zu geben, welches die Macht und Würde — der Rabbiner auf den höchsten Standpunkt — der Uneigenuützigkeit zu bringen vermag. Dieser bescheidene Rabbiner sagt nämlich: ,,Ich glaube, daß hinsichtlich der von den "Nabbinen verbotenen Grade der Verwandtschaft Dispense zulässig sind, sobald in dem specietlen Falle gute G r ü n d e (sott vielleicht gute Pfründe) für Eingehung der Che obwalten Vorschläge zu einer Reform der jüdischen Ehegesetze h. 98^). Es wird uns daher nicht unerwartet sein, wenn das Breslauer Könnt so wir im 16. Jahrhundert daS triderltinische (de sacramentis matrim. canon 3) den Beschluß faßt : Denjenigen, welcher behauptet, daß die Rabbiner nicht berechtigt seien, die im dritten Buche Mosis aufgestellten priesterlichen Ehegesetze aufzuheben und von den tatmudisch verbotenen Verwandtschaftsgraden zu dispensi r er:, soll der Bannfluch treffen". Dem Volke aber, das mit Recht für seine Freiheit besorgt ist und die rabbinischen Uebergriffe und hierarchischen Tendenzen fürchtet, rufen wir die Fabel vom Eisen und von den Bäumen ins Gedächtniß, deren Reihen von dem Eisen gefällt zu werden, durch den klugen Ausspruch beseitigt wird n DDD yv DDO nntt, d. h. besoldet keine Rabbiner , so habt Ihr für Eure Freiheit nichts zu fürchten. Wir erinnern au die geistreiche Antwort eines berühmten jüdischen Literaten auf die Preisfrage des Berliner Kultur-Vereins: Was waren die Rabbiner, was sind sie und was fottctt sie sein? Antwort — überflüssig. Breslau, 9. Juni. Die Vorbereitungen für die am 13. Juli jzu eröffnende dritte Versammlung deutscher Rabbiner gehen erfreulich vorwärts. Bis. gestern waren bereits zwanzig Meldungen teingelaufen, und weiteren zahlreichen Meldungen sieht man entgegen. Die bereits Angemeldeten sind: 1). U. Adler, Prediger in Worms, 2) Dr. S. Adler, Rabbiner in Alzey, 3) Ben-Israel, Pr. in Koblenz,^ 4) Dr. Einhorn, R. in Birkenfeld, 5) Dr. Formstecher, Ob.-R. in Offenbach, 6) Gosen, Prov. - R. in Marburg, 7) G ü l d e n st e i n, R. in Buchau, 8) Dr. Heß, Landesr. in Weimar, 9) Dr. Hold he im, Landesr. in Mecklenb. - Schwerin, 10) Dr. Jolöwicz, R. in Köslin, 11) Dr. Jost, Pr. in Frankfurt a. M., 12) Dr. Philippson, R. in Magdeburg, 13) Dr. Saalschutz, Pr. in Königsberg, 14) Dr. S a l o m o n, Pr. in Hamburg, 15) Dr. Sommerfeld, Pr. in Elbing, 16) Stein, R. in Frankfurt a. M , 17) Wagner, Klausr. in Mannheim, 18) Wechsler, Landr. in Oldenburg, zu denen von hier noch kommen: 19) R. Dr. Geiger und 20) Dr. Levy. .Da die Erlaubniß zur Abhaltung der Versammlung erst vor Kurzem bekannt werden konnte, so ist diese rasche Meldung der beste Beweis von dem Eifer, welchen dieselbe erweckt; man kann übrigens mit Sicherheit darauf rechnen, daß sie mindestens aus 30 Theilnchmern bestehen werde, worunter die namhaftesten jüdischen Theologen» Wir behalten uns darüber weitere Mittheilungen vor. (Brest. Ztg.) Breslau, 9. Juni. (Eingesandt.) Sie erlauben, den Artikel in Nro. 130. in Betreff der hiesigen Rabbiner-Versammlung mit wenigen Worten zu berichtigen, da in diesem Artikel die wahre Sachlage ein wenig entstellt dargestellt ist. Die Nichtigkeit mehrerer angegebenen Punkte mag auf sich beruhen, und es soll hier nur der eine Punkt berichtigt werden, daß „von Seiten der hiesigen Gemeinde Alles zu einem würdigen Empfange vorbereitet" werde, der eben nichts weniger als begründet ist. Unter der Gemeinde versteht man entweder die Masse der Gemeindeglieder, oder den die Gesammtheit vertretenden Vorstand. Aber weder die Masse noch der Vorstand als solcher, in seiner amtlichen Funktion, betheiligte sich bei der Rabbiner-Versammlung. Von dm 1200 Mitgliedern der hiesigen Gemeinde haben kaum ihre Teilnahme zu erkennen gegeben. Der Vorstand verwendet auch nicht das Geringste aus der Gemeinde-Kasse für die Versammlung. Wenn Beiträge reichlich zufließen, und ein würdiger Empfang vorbereitet werden sollte, so würde das eben nur das Verdienst Einzelner sein. Dies zur Steuer der Wahrheit, wofür erforderlichen Falles ich mit meinem Namen zu hasten erbötig bin. (Bresl. Itg.) Kassel, 19. Juni. Wenn im Maihefte derFrankel'schen Zeitschrift vom Seminare zu Kassel gesagt wird, daß es seit dem Hintritte seines Oberlehrers, Dr. Büdinger „kein Lebenszeichen von sich gegeben habe," so konnten wir eine solche Aeußerung nur belächeln, konnten sie als Phrase eines schreibelustigen Correspondenten, dem es eben auf ein Paar Worte nicht ankommt, billig ignoriren.- Denn was versteht man wohl unter Lebenszeichen einer Schullehrerbitdungsanstalt?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.