Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1846)
- Date
- 1846-07-02
- Page
- Seite 209 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 209 - scheinung dargestellt wurde, zu vergessen scheint. — Mau konnte Friedenthal .den -jüdischen. Chateaubriand nennen, wenn man von Leider bürgerlicher Stellung absieht, welche den einen zum schlechten Minister, den andern zum guten Bankier gemacht. Wie der Verfasser des „Keule du Christianisme“ {ft der Verf. des „rn.l "M'", ich möchte sagen Natur-Philosoph, in dem Sinne, wie wir von Natnrdich t ern sprechen. Wie Chateaubriand zeigt sich Friedeuthat in seinen Schriften gläubig nach der Väter Weise, ohne jedoch bei der Aeußerlichkeit des Buchstabens stehen zu bleiben, sondern nach der hohem, ideellen, universellern Bedeutung des Judenthums wissenschaftlich ringend. Sogar einen Anflug von Mystik hat F. mit Chateaubriand gemein, die seinen Schriften jene schwungvolle Begeisterung verleiht, welche durch die poetische hebräische Sprache, deren sich F. mit Gewandtheit bedient, noch erhöhet wird. — Die Gegenwart wird es nur mit Mühe begreiflich finden, wie ein thätiger Geschäftsmann im Stande ist, seit 30 Iahren ununterbrochen dem Ernst wissenschaftlicher Forschung zu folgen, nicht etwa den rohen Stoff in sich anfzunehmen, sondern ihn auch zu verarbeiten und ihn organisch zu einem Ganzen abzurunden. Friedeuthat, ein Schüler von Lazarus Bendavid, wurde von diesem zelotischen Kantianer in die Philosophie der reinen Vernunft eingeweiht, unbeschadet seiner warmen Anhänglichkeit an den Institutionen des Judenthums. Wer einmal vom Baume der Erkcnntniß genossen, läßt sich diesen Genuß nicht mehr entziehen, selbst auf bic Gefahr hin, den Baum des Lebens zu verlieren. Nachdem F. kantische Ideen in sich ausgenommen., versenkte er sich, neben biblischen und talmndischen Studien oder richtiger im Interesse dieser Studien, deren richtiges Verständnis; ihm in der Philosophie aufgehen sollte, in die Ficht'sche Wissenschaftslehre, später in die schellingsche Naturphilosophie, er suchte auf diesem Wege die Vermittlung des Judenthunls mit der Geschichte. Es ist erstaunlich, welche Belesenheit das ,,rnn TO" auf jeder Seite verräth, politische, religiöse, philosophische, ästhetische und ethnographische Werke von der besten Auswahl sind in diesem Werke benutzt. Jeder Gedanke, der ihm au das Judenthum anzuklingen schien, und eine Dunkelheit in dessen Literatur aufzuhellen vermochte, nahm Hr. F. auf, jede Btüthe in der deutschen und ausländischen Literatur, pflückte er, seiner Geliebten, dem Judcnthume einen Kranz daraus zu flechten. Schon im Jahre 1816, als -die voltairsche Frivolität -noch der vorherrschende Geist unter den gebildeten Juden war und an eine weltgeschichtliche Bedeutung des Judenthums auch nicht im entferntesten gedacht wurde, weist der Verf. des ,,Jeßod Ha-Dat" dem Judenthume eine Mission zu und faßte es, in seinem ,,Sendschreiben an die Gelehrten Israels" als „eine Anstalt zur Erhaltung der -.reinen Idee des einen Gottes und des Glaubens mr eine juridisch-moralische Weltordnung" auf. Seine zahlreichen Schriften, die der Verf. auf eigene Kosten drucken läßt und gratis vertheilt, brachten viele anregende Ideen in Umschwung, was die Uebersetzer und Epitomatoren dieser Schriften auf den kuriosen Gedanken gebracht, als ob einige Schriftsteller die Friedenthalschen Werke geplündert lind ein Plagiat an ihnen begangen hätten! (Einleitender Vorbericht zu den vermischten Aufsätzen von Friedenthal 41.) Dieser Umstand, daß manche Schriftsteller die Werke des Hrn. F. benutzt haben, spricht eben für ihre Bedeutsamkeit; es beweist, daß seine Gedanken dergestalt in die Athmosphäre der Bildung übergegangen und mit andern Elementen versetzt sind, daß man ihre Abkunft nicht mehr kennt, der befriedigendste Lohn für einen gewissenhaften Autor. Es ist der ein e Grundton, "der in Friedenthals verschiedenen, innerhalb dreier Deeennien entstandenen Werken herrscht, daß das Judenthnm nebelt der Idee des Monotheismus auch eine folgenreiche Gesittung der Weltgeschichte zugeführt hat; die Abschaffung der Sklaverei, ferner hat das Jndenthum die Lehre von Menschen- und Bruderliebe, von derWürde der Frauen, von einem Rechtsprineipe, das Faustrecht ausschließt, gebracht und verbreitet. — Es kann hier keinesweges meine Absicht sein, die Biographie Friedenthals zu geben,, die bereits umrißlich in Nauwerk's Schriftstellerlerikon gezeichnet ist; nur Hinweisen wollte ich auf diese Erscheinung, als auf den Rest jener alten, ehrwürdigen Lebensrichtung, die mitten im thätigen, ermüdenden Geschäftsleben nicht vergaß, die Wissenschaft des Judenthums zu pflegen, eine Richtung, die unfern Maimuni, Nachmani und Mendelssohn erzeugt hat. — Aber noch ein anderes Motiv leitet mich hierbei: Hr. Friedeuthat ist reich, Hr. Friedenthal liebt das Judenthnm, liebt die wissenschaftliche Vermittelung desselben. Wir können uns der Hoffnung hingeben, daß Hr. F. einen Theil seines Vermögens dazu verwenden wird, die ivissenschaftliche Pflege des--Judenthums und namentlich die philosophische Durchdringung und Klärung desselben in dein Sinne, wie er es sich zur Lebensaufgabe gestellt,. zu fördern. Und hiermit wird Hr. F. seinem Streben die Krone anfsetzen, in diesem Punkte wird der Bankier mit dem Gelehrtelt wahrhaft zur Versöhnung kommen. Dr. R. Vom Main, 25. Juili. (Was haben die R a b b in c n a u s d e m C h r i st e n t h u n t a ufgeno rnmett?) Die R.-V. nähert sich immer nrehr und mehr der herrschenden Kirche und scheint die Formen des Judeltthums so zu modifieiren, daß der Ucbergang ganz unbemerkbar wird, um so das „begonnene Messiasreich" seiner endlichen Vollendultg näher zu briugelt. Das hebräische Element wird allmälig verdrängt, Gesang und Orgeltöne als die allein seligmachende Andacht zur Verherrlichung des gebetsbedürftigen Gottes, dem nunmehr statt Weihrauch und Opfergabeu zum Wohlgeruche, Lie-