Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1846)
- Date
- 1846-07-02
- Page
- Seite 205 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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erichte, St«dien und Kritiken Siebenter für jüdische Geschichte und Literatur. Jahrgang. Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnier bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. M sv. Leipzig, den 2. Juli 184«. Inhalt. Deutschland. Berlin. Trauung in der Synagoge. Die Reform. Die neue Synagoge. Werl. Die R.-V. Hamburg. Die Reform. Dr. Frankfurter und Dr. Hirsch. Tod Heimann Michael' Breslau. Dis R.-V. 's. Berlin. Laien und Rabbiner. M. B. Friedenthal. Vom Main. Rabbinerthum und Chriftenthum. Breslau. Die R.-V. Breslau. Erwiderung. Kassel. Das Seminar. Die Versammlung der jüd. Theologen. Aus Preußen. Ein Schreiben des Rabbiner Fasse! — Personalchronik und Miscellen. Berlin. — LB. d. Or. Deutschland. Berlin, 16. Juni. Vorgestern Nachmittag fand die erste Trauung in der hiesigen Synagoge statt. Nachdem man, wie üblich, das Mincha-Gebet verrichtet Hatte, wurde die Feier durch einen vom Kantor, Hrn. Lichtenstein, .unterBegleitung des Chors, ausgeführten Gesang eingeleitet, während dessen das Brautpaar nebst seinen Führern die Stufen, die zur heiligen Lade führen, hinaufgingen und dicht vor derselben unter dem daselbst errichteten Trauhimmel neben dem Herrn Dr. Sachs, der die Traurede zu halten hatte, Platz nahmen. Die übrigen Hochzeitsgäste hatten sich am Fuße der bezeichueten Stufen zu Leiden Seiten ausgestellt. Mit Amos 3, 3 seinen Vortrag eröffnend, setzte der gefeierte Redner auseinander, wie der Bund, den das Brautpaar so eben zu schließen im Begriffe sei, dadurch an Weihe und Bedeutsamkeit gewinne, daß er im Gotteshause an geweihter Stätte vor so zahlreicher Versammlung eingegangen werde, ging dann auf das eigentliche Thema über: auf welche Weise sich der Jöraelit verloben solle, indem er, Hosea 2, 21 und 22 zu Grunde legend, die Verlobung des Brautpaares mit dem Bündnisse zwischen Gott und Israel verglich, und richtete zum Schluffe an den Bräutigam noch einige Worte des Trostes bei dem Schmerze, den dieser empsiuden müßte, wenn er unter der Anzahl derer, die Zeugen dieses feierlichen Aktes, Wunsche und Gebete für das Glück der jungen Gatten auszusprechen, seinen bereits verstorbenen Vater vermisse. Nachdem hierauf Herr O e t t i n g e r rD“ü porpN gesprochen und dem Bräutigam die Forme! rw '*\‘?. vorgesagt hatte, sprach Hr. Dr. Sachs niro und ertheil'te dem Brautpaare den Segen, worauf der Kantor das Ende der nma recitirte und hiermit den feierlichen Akt beschloß, der gewiß auf sämmtliche Anwesende einen noch günstigeren Eindruck gemacht haben würde, wenn nicht die Hitze so außerordentlich und der Andrang neugieriger Zuschauer so ungeheuer gewesen wäre. Die Ehepakten waren von dem Beglaubigten nicht wie bisher ln aramäischer, sondern in deutscher Sprache vorgetesen worden. Einem zwiefachen Umstande aber verdankt gerade diese Trauung, ganz abgesehen davon, daß sie als die erste, welche in dieser Weise vollzogen worden, den Reiz der Neuheit sür sich hatte, ihre besondere Bedeutung: dem Jesrritismus, der sich hierbei kund gab, wie dem coup de main, der hierdurch gegen die Reformer geführt wurde. Seitdem nämlich bei diesen die erste Trauung stattgehabt , die allerdings pomphafter aber auch erhebender war als die bis dahin i'lbliche TrauuugSwelse, hegten die jungen Damen nicht nur den Wunsch, überhaupt getraut zu werden, sondern sie wollten in ähnlicher Art wie bei den Reformern getraut sein, und es war vorauszusehen, daß, falls diesenWüuscheu nicht nachgegeben werde, Viele diese Feier bei den Reformern begehen werden, wodurch diese bald einen bedeutenden Zuwachs erhalten würden. Auch der Bräu- 27