Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 26 (25.6.1846)
- Date
- 1846-06-25
- Page
- Spalte 409-410 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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409 Kritiken. Kurze Anzeigen. C. F< Edler. Die Juden durften im Reiche neue Synagogen bauen u. ihren | Kultus durch schöne Gotteshäuser verherrlichen. — Wegen A. der Bedeutsamkeit der Juden für den Handel wurden ihnen f zu Gefallen die Jahrmärkte, wenn sie auf den Sabbat sielen, | auf andere Lage verlegt. — Wenn Hofleute in die Städte 1 kamen, so erhielten Frauen angesehener Juden prächtige Gej wänder zu Geschenken. — Sie hatten freien Zutritt bei Hofe und hatten dort einen großen Einfluß, und das Bewußtsein k} dieses ihres Einflusses ließ sie jubeln, wenn kaiserliche Beamte i in die Städte kamen.— . Es ist nicht uninteressant zu erfahren, wie in jener Zeit \i die Polemik gegen die Juden und das Judenthum aus der i Mitte der Geistlichkeit geführt wurde, weil man daraus theils 8 die Ansichten kennen lernt, die unter den Juden von der Rec. ligion herrschten, theils die Keime des klerikalischen Hasses gegen Judenthum und Juden erkennt. Agobard führte damals ]. die Polemik. Seine Anklagen sind : 1. Die unwürdigen Ansichten der Juden über Gott, seinen Herrn und das Gesetz : „Die Juden lehren, sagt er, daß Gott, gleich uns, körperliche Gliedmaßen habe, daß er in einem großen Palaste wohne, und auf einemLhrone fj sitze, der von vier Lhieren getragen werde. Sie lehren, daß h. Gott viel Ueberflüssiges denke, woraus dann , weil es nicht l. zur Wirksamkeit komme, Dämonen entstehen. Nach der jüdi- A schen Lehre sind die Buchstaben des hebräischen Alfabets ewig, b ist das Gesetz Mosis lange vor der Schöpfung geschrieben, nach ihr giebt es mehrere Himmel, Erden und Höllen. In einer der oberen Himmel, Racha (Rekia) oder Firmament genannt, sollen sich die Mühlen befinden, in welchen das Manna zur Speise für die Engel gemahlen worden. Gott soll sieben Trompeten besitzen , deren Eine Lausend Ellen lang sei [[ rc." 2) Die lästerlichen Ansichten über Christus. Ueber \\ Christus haben sie die schmählichsten Märchen. Nach ihrer | Behauptung war Jesus ein junger, angesehener Jude f der!r mit der Zeit eine Schule gründete , und unter seinen Schülern einen Menschen hatte, welchen er, wegen seines y a r- \ ten Kopfes, Petrus oder Kefas nannte. Ob vieler Fälschungen angeklagt, wurde er endlich auf Befehl des Liberius ins i. Gefängniß geworfen und als Zauberer gehenkt worden, hauptsächlich weil er seiner Tochter versprach, sie werde ohne Zuthun eines Marines einen Sohn gebären, worauf diese einen - Steinklumpen zur Welt gebracht habe. Nach der Hinrichtung ' Jesu, foU feilte Leiche bei einer Wasserleitung begraben, \ aber des Nachts durch einen Platzregen fortgeschwemmt worden sein. Ein Jahr lang habe man dann die Leiche auf Befehl des'Pilatus vergeblich gesucht, aus Zorn darüber gebot dann der Statthalter den Juden, Jesus als Auferstandenen anzubeten. Nach einer solchen Ansicht von Jesu lästern sie; ihn täglich . ungescheut. - 3) Die jüdische Lebensweise. Das Fleisch welches sie für unrein halten, verkaufen sie den Christen; sie nennen es spottweise christliches Vieh. Die christlichen Sklaven, welche sie besitzen, zwingen sie den Sabbat zu '; feiern, am Sonntag zu arbeiten und Fleisch während der Fasten zu essen. Sie prahlen mit der Hofgunst, mit ihrem 410 Einflüsse auf die kaiserliche Umgebung und namentlich handeln sie den christlichen Geistlichen entgegen. Die Juden hatten aber in Agobard einen Feind, der mit seinem Tode selbst (840) seine Pfeile nicht niedergelegt. Nach dem TodeAgobard's übernahm Amolo den Erzbischofstuhl von Lyon ein, unter dem Kaisar Lothar I. (gekr. 817, gest. 855). Amolo war aus der Schule Agobards hervorgegangen und ec erbte von seinem Lehrer auch die Abneigung gegen die Juden. . Er verfaßte eine Schrift gegen die Juden *), aber nicht um etwas Bestimmtes durchzusetzen, sondern um die Abneigung gegen die .Juden zu verbreiten und den Umgang mit den Juden den Christen abzurathen. Man sieht aber aus dieser Schrift auch zugleich , daß die Zustände noch dieselben waren. Kurze Anzeigen. 30) Stimmen der Preußischen Provinzial-Stände des Jahres 1845, über die Emancipation der Juden. Nach amtlichen Berichten mitgetheilt und mit Bemerkungen versehen von C.. F. Edler. Berlin, 1845. 8. C. Heymann. 56 S. u. XII. Diese Zusammenstellung der Verhandlungen über die Judenfrage ist eine sehr dankenswerthe Arbeit und ist sie nicht blos, wie eine Flugschrift, für einige Tage, sondern für die Geschichte und den Geschichtschreiber geschrieben. Daher auch die etwas verspätete Anzeige für jetzt nicht überflüssig. Die Verhandlungen selbst sind durch die Journale zur Kunde des Publikums gelangt und wir wenden uns blos zu den Bemerkungen, die mit siegenden Gründen manche Beschuldigung zurückweisen und eine Einsicht in die preußischen Gesetze über die Juden voraussetzen, und wir theilen nur folgende Stelle aus dem Vorworte mit, die die Judenfrage richtig feststellt : „Alle Einwendungen, welche man. gegen die Lösung einer, durch lange Jahrhunderte drückenden Fessel unserer Brüder dereinst machte und jetzt noch macht, sie mögen vom Staate selbst, oder von der Kirche erhoben worden sein, lassen sich auf Gegenstelllengen der letzteren allein zurückführen. Der Staat selbst, als solcher, verhält sich dabei völlig passiv, denn alle jene Einwendungen lösen sich auf, wenn den Forderungen der Kirche Genüge geleistet worden ist; wenn der Jude, gleichviel ob cncs Ueberzeugung, oder um dem Drucke zu entgehen, der ihretwegen noch auf ihm lastet, und um der Rechte theilhaft zu werden, die ihm als Mensch als Staatsverpflichteten gebühren, seine religiöse Ansicht und seine religiösen Formen mit den, Ansichten und Formen seiner Gegnerin wechselt. ä". *) Contra Judaeos Über. Unter R aban Namen herausgegeben von P. F. Chifflet in seiner Schrift: 8eriptorum veterum de fi.de catholica quinque opuscula. Divio ne, 1656., 4» —