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Der Orient · 1846-06-25 · 26 (25.6.1846) · p. Spalte 407-408

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
26 (25.6.1846)
Date
1846-06-25
Page
Spalte 407-408 (sequence 4)
Language
German
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408 40T Studien. Die Juden in Frankreich unter den ersten german. Kaisern. Sklaven nicht dulden, sie wollten ihrem Rechte nicht entsagen und unter keiner Bedingung ihre Leibeigenen dem Chriftenthume herausgeben. Die Juden baueten auf den Schutz des Kaisers, seiner Beamten, auf ihr Ansehen u. ihre Macht; Eigennutz war es nicht, Wß sie zu dieser Hartnäckigkeit trieb. Denn bei allem 'Haffe Agobard's gegen die Juden, bei aller Schmähung, die er in seinen Schriften ausgeschüttet, vernimmt man keine Klage über Wucher oder Bevortheilung. Die Juden schienen die Zulassung der Laufe bei ihren heidnischen Sklaven, selbst wenn sie danach verlangten, als Sünde, als Lreubruch gegen ihren Glauben betrachtet zu haben. .Der energische und feste Charakter Agobard's ließ ihn nicht eine Sache aufgeben, non deren Notwendigkeit er durchdrungen war, und da beim Kaiser nichts auszurichten war, so richtete er sein Augenmerk auf die angesehenen Räthe des Kaisers, um durch sie zum Ziele zu-kommen. Er fertigte ein Sendschreiben ab, betitelt „Consultatio ad proceres palatii de baptismo mancipicruni judaicorum“, an die Grafen Adolard *) und dessen Bruder Wala, wie auch an das Haupt der Reformpartei des fränkischen Klerus, die dem Kaiser durch ihr Blut und durch ihr Ansehen am Nächsten standen, und beschwor sie, da sie seine Freunde waren, ihren Einfluß anzuwenden, um die gute Sache durchzusetzen. „Die heidnischen Sklaven, sagte er in seinem Sendschreiben, lernen unsere Sprache, sie werdc-n mit unserer Religion bekannt und verlangen am Ende die Taufe. Dürfen wir ihnen dieselbe abschlagen? Ich glaube, der Himmel hat an einen solchen Sklaven größeres Recht, als der welcher ihn erstand, und nur Gott allein ist der Leibeigene für seine Religion verantwortlich. Alle Lehrer der Kirche von den Aposteln ab haben nicht erst die Erlaubniß der Herren abgewartet, um Sklaven zu taufen, nur geboten sie, daß Letztere nach der Laufe in ihrem Stande verharren mußten, wenn es sich nicht anders machen ließ.— Wir sind bereit, für die Sklaven der Juden, sobald sie getauft sind, den Ureis zu bezahlen; aber auch so wollen die Juden, im Vertrauen auf den Schutz der Beamten des Kaisers, ihre Leibeignen nicht herausgeben". Agobard drang aber auch mit Hilfe jener angesehenen Räthe nicht durch; der Kaiser billigte nicht nur nicht in den Vorschlag Agobard's, sondern gab sogär Befehl, daß kein Sklave der Juden wider den Willen seines Herrn getauft werden dürfe, wie es zuweilen durch den Eifer Agobard's geschehen. Agobard richtete ein zweites Sendschreiben, betitelt: „Epistola ad proceres paiatii contra praeceptum impium de baptismo judaicorum mancipiorum“ an den oben erwähnten' Grafen Wala und an den einflußreichen Hilduin von St. Denis, worin er sich bitter beklagt, daß ein Befehl vom Kaiser ausgegangen sei, kraft dessen hinfort kein Sklave eines Juden wider den Willen seines Herrn getauft werden dürfe. Er äußert in jenem Schreiben, daß er es unbegreiflich und un¬ *) Adolard und Wala, waren natürliche Enkel Karl Martel's und Vetter Karls des Großen. erklärlich fände, wie eia frommer Herrscher, wie Ludwig, einen solchen gegen das Christenthum streitenden Befehl nur geben konnte. Aber er richtete mit diesem eben so wenig aus, als seine mir ihm engverbundene Partei am Hofe, nämlich als Adolard, Wala, der Kanzler Elisaschar und Hilduin, und da die Parteinehmung für die. Juden nun einmal mächtiger war, so mußte er zusehen, wie rr auf eigene Faust wider den Willen des Kaisers seine Sache durchzusetzen vermochte. Da er auf gesetzlichem Wege nichts'durchsetzen konnte, und da er gegen den Willen des Kaisers jede zu auffallende Eigenmächtigkeit unterlassen mußte, vorzüglich da der kaiserliche Judenvogt Eve rar d die Juden kräftig schützte, so mußte er von öffentlichen Schritten ablaffen und sich Verbündete für Förderung der Abneigung gegen die Juden suchen. In einem Schreiben an den Bischof von Narbonne, genannt Nebrid, welches er nach allen vergeblichen Versuchen seine Meinung durchzusetzen niedergeschrieben, beschwor er ihn, die Gesetze der Kirche gegen die Juden kräftig zu vertheidigen und setzt darin auseinander, wie er' vergeblich gegen die Juden ankämpft, wie der Judenvogt Everard seine Pläne durchkreuzt, und wie man dahin wirken müsse, den täglichen Verkehr mit den Juden, der seelengefährlich für die Christen, zu erschweren und zu verhindern. Der Kampf für eine ursprünglich gute Sache löste sich in einfachen Predigten des Judenhasses auf, ohne daß er eine Frucht seiner Predigten erlebte. lieber die Juden war ein kaiserlicher Beamter von Ludwig gesetzt, er hieß Everard. Dieser kaiserliche Judenvogt hatte ein doppeltes Geschäft, nämlich erstens die Judensachen in ihrem Verhältnisse zum Kaiser zu leiten, und zweitens alles Feindliche von den Juden abzuwenden, was von der fanatischen Geistlichkeit oder von dem Pöbel wider die Juden versucht wurde. Der Judenvogt Everard, der unter Ludwig dem Frommen dieses schwierige Geschäft verwaltete, hatte vielfach mit dem unbändigen Eifer Agobard's des Erzbischofs von Lyon zu kämpfen, und .mußte auf alle mögliche Weise seine Ansichten wider die Juden durchkreuzen und zu Schanden machen, und Agobard beschwert sich auch nicht wenig über den Judenvogt, der alle seine Absichten zu durchkreuzen suchte, in einem Briefe an Nebrid, Bischof von Narbonne*). — Das, jüdisch-religiöse Leben, verbunden mit jener behaglichen Ruhe, mit jenem Wohlstände, der verlockt und anzieht, hatte für frische Natureir viel Einladendes; es wandten sich viele Christen dem Judmthüme oder richtiger den Juden zu, und die Geistlichkeit klagt über die Juden, welchen sich so viele Proselyten zuwenden, vorzüglich da auch christliche Geistliche zum Judenthume übergingen. Im Jahre 839 ging der Diakon Bodo, ein geborner Alemanne, zum Judenthnm über, ließ sich beschneiden und nahm den Namen Eleasar an (Prudentii trecensis annales ad amium 833. Perzl., 433), und wie Bodo, mochten es "Viele gemacht haben. — *) Epistola exhortatoria ad Nebridiunu

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