Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1846)
- Date
- 1846-06-25
- Page
- Seite 203 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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203 des Herrn Dr. A. Neumann, ein Hcnrptlehrer und Prediger der^ Gemeinde existirt. Denn während Letzterer seine Zuhörer durch regelmäßige und gehaltvolle Predigten trefflich erbaut, während er als erfahrener Schulmann gedachter Schule würdig versteht, während er alljährlich (so wie auch noch an diesem Wochenfeste) mehre Jünglinge durch den erbaulichen Akt der Konfirmation öffentlich in den Schooß der Gemeinde einführt, so daß selbst die löbl. Lehrbehörde dessen lobcnswerthen Eifer zu würdigen wußte und der Herr Gouv.-Schnl-Direktor in dieser Beziehung allen, seinem Direktorate untergeordneten christlichen öffentlichen Schnlanstaltcn vermittelst bcsonderu Reskripts vorschricb: keinem iöraet. Knaben dahin eher auszunehmen, bis er ein Zeugniß von Hrn. Dr. Neumann beigebracht, daß er die dortige hebräische Schule und den Religionsunterricht in derselben mit Erfolg besucht habe, — während, sage ich, alles dieses in der kleinen rigaschen Gemeinde geschieht, steht leider unser großes Gotteshaus verwahrlost, istgroßentheilS unsere Jugend ohne Erziehung und ohne alle ReligionSkenntniß und das Wort GotteS in Klarheit und Reinheit, das die Seele labt und erfreut, vernehmen wir hier nicht. — Aber nicht etwa an pekuniären Mitteln fehlt es uns, um Synagoge und Schule zu beleben und würdig zu erhalten, auch nicht an Männern, die fähig und berufen wären, ihnen mit feurigem Eifer würdig vorzustehm, sorrdern 11 nent sch l o s s e n h e i t v o n Seiten der D.csscrgesin n ten, so wie manche Opposition von Seiten der sogen an u ten Orthodoxen. — Diese Klippen, an denen schon so mancher gute Wille scheitern niußte, — ist fast die alleinige Ursache, daß in dieser Beziehung bis hierzu hier noch Nichts geschehen konnte. Biogen aber die Befsergestnnten es ciusehen, daß jede Verzögerung hier nur nachtheilig erscheint, so daß sie auf Gott vertrauend rasch zu Werke schreiten sollen. Offenes Schreiben an den Herpn Abgeordneten Pfäffinger, Wohlgeboren, Großhändler und Magistratsrath zu Amberg. Pflicht und Gewissen treiben mich an, an Sie, der Sie Sich die judenftindlichen Petitionen einiger, meistens ganz unbedeutender Städte und Märkte der Oberpfalz angeeignet, die Aufforderung ergehen zu lassen, die Schlußworte Ihres in der hohen Kammer abgegebenen Vocurns gütigst einer genauern Untersuchung unterstellen zu wollen, und wenn Sie sich, wie nicht zu bezweifeln, von der Unrichtigkeit Ihrer Angaben überzeugt haben, zu thun, was jeder Mann, dem Wahrheit, Aufrichtigkeit und Gradheit kostbare Güter sind, an Ihrer Stelle thun würde, und zu gewähren, was ein Mann von Ehre in solchem Falle auch seinen bittersten Feinden gewährt, nämlich — Gerechtigkeit. Sie sagen: „Die Oberpfalz ist von diesem auserwählten Volke am meisten geplagt." — Das begreife wers vermag! Manche Kreise Baierns zählen 15,000 jüdische Seelen, während in jenem Raum 800 wohnen. — Nach Amberg kommen alle Montage 8 patentisirte jüdische Kaufleute, und zum Theil auch deren Weiber, Söhne und Töchter, und bleiben daselbst auch bis Freitag, sie treiben allen möglichen Handel zum großen Nachtheile aller übrigen Handelsleute." — Thatsache aber ist es, daß außer von Sulzbach kein patentisirter Jude nach Amberg kommt — weßhalb ich mich auch ganz besonders veranlaßt fühle, im Interesse meiner Gemeinde das Wort zu ergreifen. Thatsache ist es, daß gegenwärtig in Sulzbach nur noch 6 Männer und 9 Wittwen, welche meistens 60, 70, ja 80 Jahr alt sind, darum auch großenteils Stellvertreter angenommen, Patente haben, sage im Ganzen fünfzehn, von welchen Patenten aller Wahrscheinlichkeit nach in 10 Jahren schon . über die Hälfte erloschen sein wird. Thatsache ist es, daß 9 dieser Patentisirten in verschiedenen andern Gegenden der Oberpfalz, ihre Geschäfte treiben, und daß nur 6 Patentisirte wirklich nach Amberg kommen, nämlich 3 Männer, 2 ledige Söhne von Wittwen und eineWittwe, von welchen 6 Personen aber 2 so sehr aller Mittel entblößt sind, daß sie gewiß keinem Kaufmann in Amberg noch je Schaden gebracht haben. Thatsache ist es endlich, daß auch nicht ein Einziger je Frau,,Sohn oder Tochter bei sich hat-; denn ein israelitischer Jüngling, .der.die polytechnische Schule dorrselbst besucht, kann doch wahrhaftig nicht hieher gezählt werden. Diesen unwiderleglichen Thatsachen gegenüber, wird man doch wohl einer hohen Kammer und dem baierschen Volke nicht im Ernste weiß machen wollen: „Die Oberpfalz sei besonders von Juden geplagt, sie habe Schmerzen und müsse schreien"!! Wenn sie aber über Das, was in Ihrer nächsten Nahe vorgeht, so wenig und so schlecht unterrichtet, und leichtgläubig genug sind, oberflächlich eingezogenen Erkundigungen unbedingtes Vertrauen zu schenken, um darauf hin, einer vorgefaßten Meinung zu Gefallen, ein für 60,000 Menschen höchst nachtheiliges Votum zu gründen; wer wird wohl noch auf Ihre Erfahrung bauen, die Sie auf Ihren Reisen in und außer Europa gemacht? — Leute, die noch keinen Fuß aus Deutschland, geschweige aus Europa hinausgesetzt, haben viele Tausende von Juden bäuerliche Arbeiten verrichten gesehen. — Noch könnte ich Ihnen eine Masse von Bemerkungen entgegenhalten, so z. B. daß man ziemlich laut davon spricht, Sie selbst hätten manche Ortschaften, gegen die Juden zu petitioniren, aufgefordert; — so lange ich jedoch keine sprechenden Beweise.in Händen habe, bin ich weit entfernt, gegen einen Abgeordneten solchen Verdacht zu hegen; — daß Gottlob die öffentliche Stimme auch in der Oberpfalz keinesweges den Juden ungünstig ist; daß ja nicht einmal der verehrliche Magistrat Ambergs die Petition unterzeichnet, daß