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Der Orient · 1846-06-25 · Heft 26 (25.6.1846) · p. Seite 202

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 26 (25.6.1846)
Date
1846-06-25
Page
Seite 202 (sequence 11)
Language
German
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202 Ich wäre hier an dem Platze, wo ich meine Feder niederlegen und meinen Bericht schließen sollte; denn Erheblicheres, Freundlicheres'habe ich nicht mitzntheilen, steht kaum zu erwarten, weit bis die Ausgewanderten wieder zurückkommen, wohl etwas ganz Anderes Mode sein wird, als sich für jüdische Angelegenheiten intcressiren, oder ich müßte von Neuem eine Jeremiade cmstünmen über die Lässigkeit der hiesigen Juden in ihren höher» jüdischen Angelegenheiten, und davor werde ich mich wohl hüten und verwahren, weil ich nicht den Glauben habe, etwas dadurch zu nützen. Hier zu Lande ist das Judenthum mehr Sachedes hohen ToneS, das heißt: man schämt sich nicht Jude zu sein, weil man sich mehr schämen müßte einer gewesen zu sein. — Wohl ist nicht in Abrede zu stellen, daß cs noch Leute hier giebt, dte von einem hohem Streben durchgtüht sind, und in ihren Werken und Handlungen den ächten Juden der Zeit zu erkennen geben , aber erstens sind das nur sehr wenige, und dann weiß marr wie wenig ein Einzelner leisten kann, wenn Alles ringsherum in Lauheit und Gleichgültigkeit verfallen ist. Was nützt alles edle Streben, wenn kein empfängliches Gemüth, was alle wohtthätigen Anstalten, wenn keine Theilnahme dazu da ist? Belege liegen auf der Hand. — — Ich muß in ich daher bei meinem heutigen Berichte mehr vom Zufall leiten lassen, und so einiges Interessante mittheilen, wie es sich im Läufe der Zeit, der unvermeidlich ssst, d. h. immer etwas Neues bringt, bietet und heransstellt. Am 20. d. M. gab hier ein junges Mädchen, Frl. Maria Sulzer, Tochter des so beliebten Professors Snlzer, ein EesangSkoncert im Saale der Musikfreunde, und setzte durch ihre tönende volle Stimme das anwesende, zahlreiche Publikum in Verwunderung, so zwar, daß alle hiesigen Tagesblättcr ihr die schönste Zukunft versichern, und sie dm ersten Künstlerinnen unserer Zeit an die Seite stellen. Das junge siebzehnjährige Mädchen ist beireitö nach Mailand als 'Prima, Donna an der italienischen Oper engagirt. Bei diesem Kvncerte wirkte, ohne dm Weltenbezauberer Lißt und andere Künstler, ein junger talentvoller.Klavicrmeistcr Hr. L oui s Engel mit, dessen Leistungen wir mit Anerkennung erwähnen müssen. Herr L. Ko mp ert, eill sehr geistreicher, jüdischer Schriftsteller hat soeben ein Buch vollendet, welches das jüdische Leben in älterer und neuerer Zeit aus allen Ständen in einem novellistischen Tone behandelt, und ich mache auf diese Arbeit um so mehr aufmerksam, weil ich überzeugt bin, daß solche Werke, unter das Volk gebracht, von unberechenbarem Nutzen sein müssen. Ich werde seiner Zeit auf dieses Werk zurückkouuncu. — Auch zählen wir seit einiger Zeit Herrn A. D u.r zu dm Unsrigm. Er hat sich wegen seiner Polemik gegen den judenftindlichen Redakteur der Pcsther Zeitung bei seiner Nation verdient gemacht, und er läßt jetzt über diese Polemik ein Buch in Leipzig erscheinen. Seine Thätigkeit wendeter hier der politisch-literarischen Welt zu. — Möge sein Herz stets< warm bleiben für sein Volk, und mögender Wiener Jndiffcrentismus apf ihn keinen Einfluß üben, und stillen Feuereifer nicht erkalten. Hr. Dr. G old enthal, dm Lesern des Orients bereits schon von früher bekannt, hat auch seine Stätte hier aufgeschlagen. Hirsch hat endlich die Suöpens zur Wahlfähigkeit für das mährische Rabbinat erhalten, und seine Anstellung hängt nur noch von der gesetzlich vorgeschriebenen Wahl ab. Wir wünschen ihm und uns Glück und göttlichen Segen. Bei der Unredlichkeit, mit der in Mähren die Rabbinate besetzt werden, müssen wir der Gemeinde Jamnitz unsere Hochachtung und Anerkennung zollen, die auf eine ehrenhafte Weise einen Mann nach ihrem Herzen, nämlich den Herrn L. Oppenheimer zu ihren Scetellhirten gewählt, und sich nicht von dem Treiben anderer Gemeinden beirren ließ. St. Weipenburg, 1. Juni. Während es in den großem israet. Gemeinden hiertands hinsichtlich des Fortschrittes und deS Vorwärtsstrebens seit geraumer Zeit so anssieht, wie unser Mendelssohn irgendwo gesagt: zufrieden nämlich, daß sie nur eine leidliche Geburt hergegeben, sie dann die matten Aligm schließen und sich wenig nur um deren Säuberung bekümmern; gewahrt hinwieder das Auge zur nicht geringen Verwunderung bei minder zahlreichen Gemeinden den elek'terischcn Funken besserer Meinllng. Einen nnnmstößlichm Beweis des Gesagten liefert die israet. Gemeinde zu Lengyel- 161 im Somogyer Komitate, diese etwa aus 30 Familien bestehende Kommune erbaute vor einigen Jahren erst ein Hospital — nun kam sie wieder jenem wohlmeinenden Rathe „m "f? im Aufnehmen des Hm. Ehrlich im schönsten Sinne nach, und ihre Wahl ist auch, außer Zweifel — eine gelungene. Hr. Ehrlich, ein Manu von guter rabbinischer Gelehrsamkeit hielt neulich bei Gelegenheit der Geburtsfeier unseres glorreichen Königs eine Rede in ungarischer Sprache, die sein homiletisches Talent bekundend, zugleich das gewünschte Ziel, die Erbauung seiner Zuhörer — worunter viele angesehene Katholiken sich befanden — nicht verfehlte, und ihm von Seite der Letztern mit stürmendein Etjen- Rnfe krönte. Ad. Neubauer. Polen und Rußland. Mitcrn, 25. Mai. Die Hierselbst beabsichtigten Berufung eines deutschen Rabbiners oder Predigers ist bis jetzt ' noch immer nicht zu Stande gekommen, und mit neidischen Blicken, aber DftND DNipn sehen die Bessergesinnten auf die Gemeinde ihrer Nachb.arstadt Riga, woselbst trotz der geringen Zahl ihrer Gemeindeglieder, eine gut organisirte Schule und in der Person

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