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Der Orient · 1846-06-25 · Heft 26 (25.6.1846) · p. Seite 199

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 26 (25.6.1846)
Date
1846-06-25
Page
Seite 199 (sequence 5)
Language
German
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199 Fasten überhaupt dem auf der Hohe der Zeit Stehenden nicht sonderlich Zusagen. 'Nimmt man nun mit Hrn. Creizenach an, daß EDTW3) m nicht fasten sondern demüthigcn bedeutet, so ist man mit der Bibel gütlich abgefunden. Demuth und Andacht verträgt sich viel besser, und 24stündige Demuth ist leichter ausführbar als 24stündigcs Fasten, abgesehen davon, daß bei der Demuth . die Stunden des Schlafes zu gute kommen, was beim. Fasten nicht ganz der Fall ist. Wäre jedoch wider Vermuthen, eine hochwürdige N.-V. skrupulös genug, das Fasten überhaupt noch ferner beizubchatten, so geht mein ergebenster Antrag dahin, wenigstens die Herren Rabbiner, deren Thätigkeit gerade an diesem Tage so vielfach in Anspruch genommen wird, und die daher der Stärkung so sehr bedürfen, vom Fasten zu dispensiren. Ich getraue mir, diese Dispensation sogar vom Standpunkte des Talmuds zu rechtfertigen. Nach der Mischna (Joma Absch. 6.M. 5) wurde dem Führer des nbnron TJW Speise und Trank zur Stärkung angeboten. Die Funktion des heutigen Rabbiners arn' Versöhnungstage verdient aber jedenfalls nicht weniger Berücksichtigung als die jenes Führers*). Es darf ferner in unserer Zeit, wo alles Positive in der Religion sich auf den öffentlichen Gottesdienst beschränkt, Nichts verabsäumt werden, die Andacht zu wecken und durch alle mögliche Mitte! das Gemüth beim Gottesdienst anzuregen. Schon die Alten hatten sich äußerer Mittel zu erwähntem Zwecke bedient. -So findet man in jeder Synagoge an dem Stand des Vorbeters eine Art Erinnerungstafel ulit Bibelversen und sonstigen Sprüchen beschrieben, was offenbar keinen andern Zweck hat als Weckung der Alldacht. In unfern Tagen jedoch, wo man vom Buchstaben kein Heit mehr erwartet llnd sich nur der Anschauung hiugiebt, können genannte Tafeln 'nicht mehr geilügen. Mein ganz ergebenster Antrag geht daher dahin: Eine hochwürdige Rabbiner-Versammlung wolle beschließen, daß zur Weckung der Andacht statt der bisherigen Tafeln ein geeignetes Altarstück von Meisterhand , wie z. B. der bei der. Einweihung des Tempels beim Gebet knieende Salomo, oder eine betende Hanna, Rebekka u. dgl. angebracht werde. In katholischen Lällderu wäre es auch angemessen, in der Synagoge verschiedene Skulptnrwerke auszustetlen, wie z. B. die Bildnisse der Erzväter, der Propheten re. was gar vielfachen Nutzen hätte; eö würde außer der *) Der jetzige Rabbiner ist nicht nur in dieser Beziehung dem gleich, sondern noch über diesen zu stellen. Jener übernahm nur insofern die Sünden, als er für Geschehenes, das bereut wurde, Versöhnung auswirkte. Der Rabbiner hingegen schaffet durch seine Lehre das Sündhafte der Handlung von vorn herein hinweg und stempelt es noch obendrein zum Verdienst! Weckung der Andacht auch den Kunstsinn unter den Juden ungemein fördern, den christlichen Besucher der Synagoge von der bereitwilligen Annäherung der Juden zu dcu Sitten der herrschenden Kirche überzeugen, und femit dem ungerechten Vorwürfe der Starrheit kräftigst entgegengewirkt werden. Außerdem wäre dies ein sehr wirksames Mittet, die gewünschte Amalgamation der Juden und deren Aufgehcu im Staate bedeutend zu beschlcuuigen. Von Seiten der Bibel kann dagegen Nichts eingewendet werden, da ja auch im Tempel D'Oro waren. DieTälmudisteu (nh^dd) wollen zwar aus (2 B. M. 21, 20) ein Verbot für Aufstellung von Bildwerken in der Synagoge herteiten; allein die R.-V. hat sich ja bereits vom Talmud emancipirt und dessen Autorität in jeder Hinsicht, wo derselbe erschwerend ist, entschieden zurückgewieseu. Wir hoffen daher, eine hochwürdige Rabbiner-Versammlung werde vorstehenden Anträgen ihre Aufmerksamkeit nicht versagen. I. M...n. Gleiwitz, im Juni. Gehört es auch nicht zur Tendenz des „Orients" darüber zu berichten, wie hier der Chasan gesungen oder dort der Bachnr gesprochen, hoffe ich dennoch, daß Sie den nachstehenden Zeilen Raum im Orient gönnen werden, da, wie Sie wissen, auch ich nicht denjenigen Skribenten mich anreihe, die jedes für die Gesammt-Jndenheit übrigens uninteressante Ereigniß, zu einem begenlangeu Referate ansbeuten, vielmehr nur daun referire, wenn eine bessere Absicht damit verbunden ist. — Der Gemeinde-Vorstand scheint jetzt ernstlich mit dem Gedanken nmzngehen, das feit fast zwei Jahren erledigte Rabbinat wieder zu besetzen, ohne jedoch zuvor eine Konkurrenz in den öffentlichen Blättern anszuschreiben. In Folge dessen sind bereits dem Vorstände mehrere indirekte Meldungen von Kandidaten zugekommen, und wir hatten schon öfters Gelegenheit sowohl erbauende gottesdienstliche, als belehrende Vorträge zil hören. Können wir auch nicht von allen Gehörten sagen, daß sie eines ungetheilten Beifalles sich erfreuten, so müssen wir dennoch gestehen, daß keiner derselben seine Wirkung verfehlte, mindestens weckten sie immer mehr das Bedürsniß nach einer Predigt beim Gottesdienste und bereiter die Gemeinde zu einer mäßigen und besonnenen Reform vor, so daß es dem künftigen Rabbinen nicht schwer satten wird, manche Aendernngen im Kultus und in der Synagoge, wenn sie nur auf echt jüdisch religiösem Boden basiren werden, zu treffen. Einen fast uns geteilten Beifall aber erndtete hier der Rabbinats-Kän-- didat Hirsch Pol lach ans Ansse in Mähren, der durch feine erbauenden Vorträge dem Gottesdienste am verwichenen Wochenfeste unb dem demselben voraugegangenen Sabbat besondere Weihe verlieh. Konnte man nun einerseits von den drei gehaltenen Vorträgen, sowie andererseits von der großen Zufriedenheit des Publikums 28 *

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