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Der Orient · 1846-06-18 · Heft 25 (18.6.1846) · p. Seite 195

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 25 (18.6.1846)
Date
1846-06-18
Page
Seite 195 (sequence 13)
Language
German
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195 ersten Aufruf ausgesprochen ist: Nur an Gleichgesimnte ergeht unser Wort; daß sie sich zu uns gesellen. Wir wollen nicht unsre Ueberzeugung denen au sdrLnge n, b i c sich in einer andern glü cklich fühlen, wir wollen nur diejenigen zur Lhat, zur o'.ffnen und gemeinsamen Lhatauffordern, die diese Ueberzeugung mit uns theilen und die ein gleiches Bedürfniß mit uns empfinden. Es ist für das Iudenthum die Zeit gekommen, in der es ein festes Wollen, in der es eine offene Rede und eine entschiedene Lhat gilt. Darum wähle ein Jeder den Platz, wo er stehen und wirken will; denn furchtsames Schweigen, unentschlossenes Schwanken oder gar gleichgiltiges Zuschauen es würde sich an uns, es würde sich an unseren Kindern strafen. Und so ergeht zum zweiten Male an Euch Ihr Gleichgesinnten unter unseren deutschen Glaubensbrüdern der Aufruf: daß Ihr Euch einzeln oder in Gesammtheiten zu uns gesellt, um als gleichberechtigte Glieder der einigen Genossenschaft für Reform im Iudenthum die Schritte berathen und ausführen zu helfen, durch welche wir unsere heilige Religion in derjenigen Gestatt wieder Herstellen wollen, in welcher wir sie zu unserm wahrhaften und Sollen Eigenthum machen und freudig unseren Kindern vererben mögen. Berlin, im Mai 1846. Das provisorische CentraL-Komitv der Genossenschaft für Reform im Iudenthum ' im Aufträge der ersten Deputirtenversammlung. Oesterreich. Wien, 1. Juni. Herr M. E. Stern hat in Folge seiner Überreichung der neuen Folge seiner Schriften (12 Bände) an Se. Majestät dm. Kaiser von Oesterreich — 16 Bände seiner frühem Schriften wurdet: schon vor 3 Jahren in die k. k. Privatbibliothek aufget:ommen — am 30. März L. I. von Sr. E.rcellenz dem Oberstkämmerer Grafen Moritz von Dietrichstein die k. k. österreichische goldene Medaille für Wissenschaft.und Kunst (mit dem Brustbilde Sr. Majestät itnb der Inschrift: Literis et Arübus und einem wunderschönen Lorbeerkranze—) und folgendes huldreiches Bclobungsschreiben im Allerhöchsten Aufträge erhalten: „Die von Ihnen am 16. Januar d. I. überreichten hebräischen Werke (12 Bände) haben Se. k. k. Majestät in die Allerhöchste Privatbibliothek ausgenommen. In Vollziehung eines Allerhöchsten. Auftrages habe ich Euer Wohlgeboren hiermit eine goldene Medaille, als einen Beweis des Allerhöchsten Wohlgefallens' mit Ihren Leistungen im Gebiete der hebräischen Literatur zu überreichen. Empfangen Euer Wohlgeboren bei diesem Anlasse die Versicherung meiner Hochachtung. Dietrich st ein." "Als literarische Notiz theile ich Ihnen mit, daß von einem unseree hiesigen, äußerst tüchtigen jungen mit) hoffnungsvollen Literaten, dem als Novellisten rühmlichst bekannten Leopold Komp ert, ein Band jüdischer Leben.s- und Familienbitder unter dem Titel:.„Aus dem Ghetto" erscheint. Nach einigen Piecen, die ich ans diesem schönen Werke!, vorlesen gehört, dürsten diese rühmlich und ebenbürtig, den „Dorfgeschichten" von Berthold Auerbach sich anreihen. Säros, 1. Juni. Die Schule in Sebes hat die gefährliche Krisis einer Anfeindung von Außen und der Spaltungen nach Innen glücklichuberstanden. Drei Prüfungen hat dieselbe abgelegt, die Sachkenner, wie die Herren Holländer, Dr. Bach und Dr. Sch. zu anerkennenden Aeußerungen veranlagte. Außer der Theilnahme dieser Männer verdankt die Schule ihr Bestehen vorzüglich der Tüchtigkeit und dem redlichen, wenn auch nicht belohnten Eifer des Oberlehrers Herrn Strauß. Die. Erhaltung der Schule in Sebes ist ein Verdienst um das ganze Kvmitat. Pilsen, im Juni. Eine Lustreise während des Lenzmonats führte mich vor Kurzem in den Westen Böhmens. Erlauben Sie mir daher, den Lesern des Orients ein Bild von einer Gruppe jüdischer Gemeinden vorzusühren, deren Dasein bis jetzt noch immer ans dem weißen Blatt der Geschichte gestanden. — Es sind die Jndengemeinden im Klattauer Kreise. Diese unbekannten Gemeinden, bis ans diesen Tag noch unbefleckt von der Korrespondenzeuluft unserer Zeit, leben noch immer inmitten unseres vielbelebten, kämpfereichen Jahrzehnts in bcneidenswerther Selbstgenügsamkeit, in jugendlicher, naiver Unwissenheit über die Spaltungen und Gährungen des modernen Israels; noch hat kein böser Nordwind ein Blatt der vielen jüdischen Journale dahin getragen; noch find sie unberührt von dem zersetzenden Gifte von Rabbiner- und Theologen-Versammlungen, von Genossenschaften und Zionswächtern, von allgemein'en und ungemein gemeinen Jndenzemmgm, selbst die verhängnisvolle Atmemer - Frage hat uroch nicht dm Zunder der Zwietracht in die Familienkreise geschlendert — was auf dem Wege der Entwickelung hie und da geschehen, ist reines, unverdorbenes Produkt der Zeit« Ihr religiöses Oberhaupt ist der von der Regierung bestallte Kreisrabbiner Herr Kaffka in Pilsen. Dieser Rabbi — weil doch nicht der alten, gewiß aber der neuen Schule hold — der in weiser., patriarchalischer Zurückgezogenheit sich und seiner Familie lebt, besitzt dieffelime Tugend, sich vor dem Fehler des ZnvietregierenS zu währen, und so. seine Gemeinden 'sich ganz selbst überlassend, verdient diese Tugend mn so mehr Anerkennung, da unter deren Uebung gewiß das Herz bricht, indem sie ganz im Widerspruche mit der ihm zur Pflicht gemachten Beanssichtignug der Jugendbildung steht. — Das etwa hierdurch Versäumte wird bei Gelegenheit der

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