Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1846)
- Date
- 1846-06-18
- Page
- Seite 196 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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196 - Werheirathung uachgeholt, und da unfehlbar eine'Prüfung (aus dem bekannten' Bne-Zion) abgehalten, wo unter Einem'zugleich dem Brautpaare Gelegenheit zu einer andern Veredlung.gegeben wird, wie sich nämlich mit leichtem Herzen vom schwer erworbener: nucbXcn Mammon trennen zu lernen. —- Um diese Veredlung möglichst zu fördern, wird demselben möglichst viel abverlangt. Auf diese Art werden die guten Gemeinden blos bei Sportelgetegeilheiter: daran erinnert, daß sie ein geistliches Haupt besitze!:, und ir: allen.andern der freien Entwickelung überlassen. So üben denn in der 'Regel die Schochtim, nach dem Principe der Lehrfreiheit, sobald sic die Taxe für die Kabala erlegt haben, unbehindert das Amt der Jngendbildnug und die künftigen Haussier werden mit keinem Wissen belästigt, das ihnen in ihrem spätem Berufe unbequem sein oder sie vielleicht einem andern zuweudcir konnte. Wir aber wollen uns den kleinern Gemeinden zulvenden. Thätiger und lebendiger als daS mehr bemittelte . S ch w i h a u sucht die Gemeinde R o n z p e r g, die zahlreichste im Kreise, Etwas zu thun. Ihr Rabbiner M. B. Schwab, klassischen Studien obliegend, verdient eine größere Gemeinde und die Gemeinde einen energischer:: Rabbi. — Zu bedauern ist die -tendenziöse Verschiedenheit dieses-Rabbiners mildem ehrenwerthen Hrn. E. Bloch, m Harmonie könnte mehr geschehen. Möge sich die allda im Anfkeimen begriffene Schule durch das Lob des sehr humanen, hochherzige,: Bischofs von Budweis nicht zu der Meinung verleitet: lassin, Genügendes zu leisten. Nascher schreitet Drosau vorwärts. Die glückliche Wahl des Rabbiners in dem beliebten Prediger M. Bloch wird diese eben so bildungsfähige als bildnngsbedürstige Gemeinde rasch einer zeitgemäßen Entwickelung znftthren. Neben an steht Neuern. Herr I. M. I a u o v i tz e r, ' unstreitig die bedeutendste Persönlichkeit im Klattauer Kreise, übt wohlthnend auf Gemeinde und Prediger Pra czak, welcher letzterer mit der Zeit gleichen Schritt zu halten strebt. Selbst dem kleinen Neumarkt konnte die strenge Grenzsperre den Zugang des deutsche!: Wortes nicht verhindern. Die Kanzel, der Talar, die. Predigten des Hrn. Popper wären da — wo bleibt der religiöse Geist und die religiöse Einheit und Einigkeit? —- Weih artig bleibt seit einiger Zeit zurück. Die ' Gerneinden Kan itz und M-erkliu sind mit ihrer: Rabbi'S glücklicher als diese mit ihnen. Herr Fl ex u er verdsink einen größem Wirkungskreis; Herr Stein bw ch mehr Gelegenheit zur Geltendmachung seiner Kanzetberedsamkeit. Gemeinden, die ich noch unerwähnt lasse, werden mir hierfür nur Dank wisst!: — und mögen diese Zeile,: zun: Beweise dienen, daß das Verdienst in jeder Sphäre Anerkermung findet, Verlag von C. L. Fritz fche. und zu dem Streben ansmmttern, den: Namen Israels auch m jener Gegend bessern Klang zu verschaffen , als es bis jetzt leider der Fall gewesen. Schwer lasten die Ausnahmsgesetze auf den Inden dieser Gegend; mit Mühe nur wird beut säuern Leben das schweißgebadete Brot erworben , und was geschieht ist ein um so größeres, opferreicheres Verdienst. — Gott und die Negierung mögen es besstrw! — Personalchrorrik und Miseellerr. Breslau. Die von Geiger in seinem Organe, in der JA., veröffentlichten Anträge an die 3. RV. haben hier allgemein die Lachlust erregt. Es kommen darin aber solche närrische Dinge vor, oder auch solche Unbesonnenheiten, daß man diese Geistesprodukte bedauern muß. Einer der wichtigsten Anträge ist: daß man am Vcrsöhmmgstag lederne Schuhe tragen )olh Auf diese Reform rhut sich Hr. Geiger viel zu gut. Das ist die Schuster-Reform. Nun giebt es auch noch eme Schneider-Reform, eine Küchenreform, eine Handwerkerreform, eine Käppchen- Reform, .eine Kittel re f o r m und eine Erbsen- und R e i s r e f o r m. Der Israelit des 19. Jahrh.'s giebr vielleicht einen Schmaus zum Besten, wenn diese Reformen durchgehen und die Gemeinde zu Köslin nimmt, dankbar gegen die RV., Hrn. I. zu ihrem ersten Rabbiner, weil er so rhätig smitge wirkt. Rom. Der Vater der gläubigen Christenheit ist entschlafen und die hiesigen Juden sehen mit Spannung der neuen Wahl entgegen, da von derselben die Gestaltung ihres künftigen Schicksals abhängt. Leipzig. Hr. Prof. Pick, ein ausgezeichneter Jünger der Mnemonik, hat an den Universitäten zu Wien, Prag, sowie in Dresden Vorlesungen gehalten, die ihm großen Beifall erwarben. Er ist gegenwärtig hier, um ebenfalls an der Universität zu lesen und dann eine Reise nach den großem Städten Deutschlands anzutreten. Die jüdischen Zuhörer de§ Hrn. Prof. Pick sollen sich noch der ersten Vorlesung erinnern, daß der Artikel 18. der Bundesbeschlüsse noch in daL Reich der schönen Träume gehört. Die Orthodoxen vergeffen kein Stückchen Pijut und die Reformen kein Wort Hebräisch. Die Mitglieder der Rabbinerversammlung können nach einer Vorlesung unsers Mnemonikers, sich am Schluffe der Rede erinnern, womit sie angefangeru Viele davon sollen bemerken, daß sie mit Nichts angefangen. ' Druck von I. H. Nagel.