Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1846)
- Date
- 1846-06-18
- Page
- Seite 191 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2360092-2360418-2360444--5478-3532316- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 191 Nun fehlt es aber Lm Inlande keineswegs an strebsamen Jünglingen, wohl aber hat es ihnen bisher an Gelegenheit gefehlt, sich auszubilden. Darum ist es nur sehr wenigen gelungen, sich die nöthige Befähigung zu verschaffen; die Mehrzahl wendet sich, zurückgeschreckt von der Schwierigkeit der Ausbildung für einen Stand, der überdies nicht viel äußerlich Anlockendes hat, andern Berufsarten zu, und das Lehrfach steht verwaist da. Wäre aber eine Anstalt zur Bildung jüdischer Lehrer vorhanden, worin jeder ohne große Kosten und ohne Schwierigkeit sich die nöthigen Kenntnisse verschaffen könnte, so würden'-m'cht nur viele, die schon jetzt Berüf und Neigung haben, sich dem Lehrfache-widmen; sondern es würden auch manche Talente, die jetzt schlummern,, geweckt werden; Eltern würden ihre Kinder diesem hohen und heiligen, intern Lohn und geistigen Segen so reichen Berufe widmen; auch würde der Lehrerstand selbst, wenn er nur aus tüchtigen und regelmäßig gebildeten Männern bestände, an Achtung u^d Ansehen gewinnen; seine äußere Stellung würde sich bessern, so daß nach einiger Zeit ein achtbarer und geehrter Lehrerstand vorhanden sein würde, dessen moralische Einwirkung auf die Gemeinden, dessen Streben für die Fortschritte der Jugend, von dem heilsamsten Erfolge sein muß.— Die Unterzeichnete, vom Königlichen Ministerium des Innern mit der Begründung einer solchen Anstalt beauftragte Kommission, von der Nothwendigkeit und dem hohen Nutzen derselben überzeugt, hält es für ihre Pflicht, dieselbe sobald als möglich ins Leben zu rufen, und zum Ende zunächst die erforderlichen Geldmittel herbeizuschaffen. Wenn auch schon früher von einigen Wohlthätern einzelne Beiträge für diesen Zweck zugesichert sind, und für die weitere Fortführung der Anstatt einige Beihülse aus öffentlichen Mitteln in Aussicht gestellt ist, so ist doch für ihre erste Einrichtung und für ihre feste, von allen Zufälligkeiten unabhängige Begründung ein bedeutender Fond' erforderlich. Denn nicht auf den Augenblick ist das Werk berechnet, sondern mit der Hülfe des Herrn soll es noch in späteren Zelten Zeugniß ablegen von dem wohlthätigen und frommen Sinne der jetzigen. Die Kommission wendet sich daher an alle Menschenfreunde mit der Bitte, das schone Werk durch reichliche Beiträge zu fordern, damit es bald zu Nutz und Frommen des Vaterlandes ins Leben treten könne. Der in unfern Tagen so lebendig und thatkrästig sich kund gebende Eifer für Volksbildung und Erziehung läßt Seminarien auf eine gute Kenntniß des Iudenthums und seiner Urkunden gesehen werde, daß der in diesen Anstalten gebildete Lehrer in kleineren Gemeinden wirklich zugleich Geistlicher sein und kräftig zur Hebung des religiösen Sinnes mit einzuwirken im Stande sein soll. Dazu ist aber vorzüglich nöthig: 1) eine gute Kenntniß der hebr. Grammatik; 2). eine genaue Kenntniß der heiligen Schriften; 3) eine Kenntniß der jüdischen Geschichte in großer Ausdehnung; 4) einige Kenntnisse in der Literatur. Die.Disciplinen, wie Katechetik, biblische Geschichte u. s. w. müssen aus der Nachäfferei christlicher Arbeiten der Art, in der sie leider jetzt stehen, hmaustreten, und auf jüdischem Boden bearbeitet werden. R. sie hoffen, daß auch.diese Anstalt rege Theilnahme finden werde. Die jüdischen Glaubensgenossen insbesondere werden gewiß den wohlwollenden Absichten der Negierung eifrig entgegenkommen und die Begründung dieser für sie so nothwendigen Anstalt nicht nur als Ehrensache, sondern als fromme Pflicht betrachten, der der Segen des Herrn nicht fehlen wird. Alle Geber aber, wessen Glaubens sie seien, werden in dem süßen Bewußtsein, ihren reichen Lohn finden, ein Werk der reinsten Menschenliebe gestiftet zu haben, durch welches sie nicht nur in der Gegenwart, sondern in den dankbaren Herzen fernerer Generationen ein unvergängliches Denkmal sich errichten werden. Zum Kaffensiihrer ist der Herr Hofagent K. Berend ernannt, welcher, so wie alle übrigen Mitglieder der Kommission, zur Annahme von Beitragen bereit ist. Verzeichnisse ^der 'eingegangenen milden* Gaben werden demnächst öffentlich bekannt gemacht. Hannover, den 26. Januar 1846. Als wir vor 4 .Monaten den vorstehenden Aufruf erließen, waren uns zu den Fonds der Anstalt aus einer früheren Sammlung — 175 Thlr. 19 gr. 6 Pf. Cour, überwiesen. Seitdem sind bei uns eingezahlt: 1) Von Israeliten in der Residenzstadt etwa . . . . . . 2V0 Thlr. Crt. und außerdem von dem Herrn , Kriegs-Agenten Cohen dahier noch zugesichert ..... 1000 „ Gold. 2) aus den in den Synagogen-Gemeinden veranstalteten Sammlungen sind abgeliefert: Neustadt a. N. incl. Rodewald . . » . 81 Thlr. 12 gr. Cour. Hoya . ♦ . .. . . ♦ 64 tt 12 tt tt Springe. . . . . . 9 tt 18 tt tt Lemförde . . . . . 13 tt 12 tt tt Gr. Munzel . . . . 20 tt — ' tt tt Hildesheim . . . . ♦ 65 tt 16 n tt Bodenfeld . . . . 10 n 4 tt tt Bolzum ♦ . . . . . 6 tt 18 tt tt Sudheim . . . . . 2 u 12 tt tt Peine. . . . . . . 63 tt 12 tt tt Sarstedt. . . . ♦ 10 // 12 tt tt Gleidingen . . . . . 9 tt 5 tt tt Salzgitter . . . . 10 tt 8 tt tt Moritzberg . . . . 4 tt — tt tt Bleckede . . » . . . 30 tt 4 tt tt Schnackenburg . . . 26 u . — tt tt Gartow . . . ♦ . . 30 tt — n tt Hartburg . . . . 49 tt — n tt Lüneburg. . - . . . 135 n —- tt tt 25*