Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1846)
- Date
- 1846-06-18
- Page
- Seite 190 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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190 mehrere Knaben und Mädchen auf höchst würdige und herzerhcbende Weise konfirmirte, an das Gebet um göttlichen Segen für unsere Obrigkeit, worauf ein zweites für die Vorsteher der israelitischen Gemeinde folgte, ein drittes anschloß, worin' er mit verdienter Anerkennung des Sir Moses gedachte, welcher, wie der Prophet, dessen Namen er führt, gerührt von den Leiden seiner Brüder, sein Leben der Milderung ihrer Leiden weiht, und wie früher nach Süden, so jetzt nach Osten gezogen, um mit Hintansetzung aller persönlichen Rücksichten, für sie Gerechtigkeit bei den Mächtigen der Erde zu erflehen. Als er hieran das Gebet für den trefflichen Mann knüpfte, der irdisches Gut für das Wohl der Menschheit zu verwenden als seinen Berns betrachtet, schloß sich die zahlreiche, aus Männern aller-religiösen Meinungsschattirungen bestehende Zuhörerschaft demselben mit einer Herzlichkeit an, die hinlänglich darthat, daß der wackere Redner Gefühle ausgesprochen hatte, welche alle seine Zuhörer mit ihm checkten. Halberstadt, im Juni. (Eingesandt.) Empfange theurer „Veritas“, du „sattelfester Orthodoxer", mit „einem warmen Händedrucke im Namen vieler meiner Komilitonen" meinen innigsten Dank für Deinen Aufsatz in der Beilage zu Nr. 17 des treuen Zions-Wächters, betreffend die Prüfung der israelitischen Schule zu Halber st ad t. Dieser Lage, „als ich noch mit meinem Morgengebete beschäftigt war" wurde mir, der ich sonst kein Leser dieses Blattes bin, diese „minutiöse Kleinigkeit" von einem Freunde zugeschickt, der meine Leidenschaft für derartige Artikel kennt „wo nach dem Grundsätze kaeta loquuntur ohne Posaunenschall und Prunk, ohne Reflexionen und Noten" in so kurzen Worten „praktische Beweise" für das zu Sagende geliefert werden. Ja, lieber „Veritas“, nur zu begründet ist der „weit verbreitete Ruf, den unsere Gemeinde behauptet!" Erlasse mir die Bezeichnung der würdigsten Träger desselben. Ihr ganzer Lebenslauf hat zu keinen „Insinuationen und Invektiven" Veranlassung gegeben und ihre von Dir gepriesene „praktische und theoretische Frömmigkeit" kann nur durch ihre bewährte „praktische und theoretische" Rechtlichkeit, in den „immomenten Hintergrund" gestellt werden. Traurig dagegen sind allerdings die jetzigen „Fraktionen in unserer Gemeinde, die sich um die Pole der Verwaltung der größeren und kleineren Gemeinde, d. h. der Gemeinde- Verwaltung und der Schuladministration drehen" und „die Scharmützel häufen sich zu Legionen;" doch wenn erst ein Redner und Schriftsteller, wie Du, theurer „Veritas“ wie die „Suada der hundertköpsigen Fama" berichtet, für immer unter uns verweilt, wird gewiß Vieles anders werden. „Es wäre daher sündhaft, dies glückliche Ereigniß einen Zufall zu nennen und wer die hiesigen Lokal-Verhältnisse kennt, wird mit mir zur Einsicht gelangen, wie sehr wir Gott für dieses an unserer Gemeinde so einflußreiche Faktum danken müssen." „Mehr als Millionen Phrasen bekunden dies" deine neulich gewiß auch lediglich „in goteesdienstlichem Interesse" gehaltenen Reden, bei deren Ende „die Aufregung aufs Höchste gestiegen war" und ich erfülle gewiß die „Desideria" des größten Theils der Zuhörer, wenn ich mich nochmals „für dieselben" sowie im Voraus für die folgenden hiermit „bedanke". Unus pro multis. Hannover, 7. Juni. Sie wollten etwas Bestimmtes erfahren über das hier einzurichtende Lehrseminar,, wie weit die Bestrebungen der dazu ernannten Kommission achtbarer und sehr energischer Männer gediehen sei u. s. w., und ich glaube diesen Anfragen am Besten zu genügen, wenn ich Ihnen folgende „Aktenstücke" mittheile, woraus sie die erlangten Resultate bis jetzt auf das Vollständigste erfahren. Diese Aktenstücke sind: 1) der den 6. Jan. d. I. ausgegebene „Aufruf" und das darauf erfolgte; 2) die neueste „Bekanntmachung" vom 22. Mai. Es ist wohl ein müßiger Streit, 'der in einigen jüdischen Annalen durchgekämpft wird: ob die Erri chtungvon jüdischenSchullehrer-Seminarien nützlich oder schädlich sei. Denn wie bedauerlich auch die Resultate dergleichen Seminarien in Westpfahlen, Kaffel u. s. w. ausgefallen sein mögen, so können sie doch, nach meiner Meinung, keinen Maßstab für das bei uns zu errichtende abgeben. Jene Seminarien sind von vorne herein vorzüglich in heterodoxem Sinne errichtet worden, wenigstens war das jüdische Element nicht die Basis und der Grundstein, und dabei ist es natürlich, daß man am Ende zu dem Resultate kommen müßte: die christlichen Lehrer-Seminarien können ebenfalls das leisten. Hier also die Aktenstücke: 1. „Der Mangel an tüchtigen jüdischen Lehrern in unserm Vaterlande ist eine eben so bekannte als betrübende Lhatsache, welche als das vorzüglichste Hinderniß einer besseren Gestattung'der jüdisch-religiösen Verhältnisse erscheint und daher eine wirksame Abhülse dringend erheischt.' Denn die Synagogen - Gemeinden aus dem Lande entbehren mit dem Lehrer zugleich den Geistlichen; ohne Leitung in ihren heiligsten Angelegenheiten, ohne Mittelpunkt für ihr religiöses Leben, müssen sie auf alle Vorzüge der religiösen Gemeinschaft verzichten, wodurch ihre Gegenwart zerstört wird. Aber auch die Zukunft der gesammten jüdischen Bevölkerung, ihr Fortschritt in Religiosität und Bildung, ist von der größeren und geringeren Tüchtigkeit der Lehrer bedingt. Nur eine geregelte Erziehung, auf der Grundlage tüchtigen Religions-Unterrichts und echter Schulbildung ruhend, vermag die bildsame Jugend für Tugend und Frömmigkeit, für Fleiß und Ehrenhaftigkeit, für Vaterlandsliebe und Bürgersinn zu erwecken; und es bedarf wohl keiner Nachweisung, daß die geistige Entwickelung in allen diesen Beziehungen leiden muß, wenn — wie bisher aus Mangel an tüchtigen einheimischen Lehrern öfter geschehen .mußte — Männer aus dem Auslande zu dem heiligen Lehramte ^gelassen werden, denen nur zu häufig sowohl die moralische, als die wiffenschafliche Befähigung abgeht. *) •) Um dieses zu erzielen, ist es also nöthig, daß in solchen