Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 24 (11.6.1846)
- Date
- 1846-06-11
- Page
- Spalte 379-380 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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378 Eigenschaften/ sich der heterodoxen Sekte der Metaseliten sehr nähert hat, was Makrisi, dem sehr frommen und streng orthodoxen Imam mißfallen mußte.; (Meine nächste Mitteilung wird sein über Saadja.) Wie Ncfornwcrwirrniig in der israelitischen Gemeinde in Bresla«. - - Angeblich herbei ge führt durch den Widerspruch des Dr. Geiger mit sich selbst. : > ■: m ' Begründung der Enttäuschung. " (Fortsetzung und Schluß.) Nach der Predigt ward das' gestrige deutsche Lied allge-. meinen Inhaltes abgesungen. Am Vorabende des siebenten Festtages ward vor dem Hebräischen Abendgebet wieder .das allgemeine deutsche Lied des ersten Abends über die Würde des Menschen gesungen. * Beim Gottesdienst des siebe n t e n Tages selbst lasen Sie die größere Hälfte der Tages-Haftara (Samuel. 2, 22: Herr, mein Fels, meine Burg, mein Erretter ü. s. w.) deutsch, und den ersten und letzten Vers hebräisch. "Vor der Predigt ward wieder das allgemeine deutsche Lied der ersten beiden Tage gesungen. Ihre Predigt begann heute mit einem positiven Texte: „Dreimal im Jahre soll alles Männliche vor dem Herrn Deinem'Gotte erscheinen an dem Orte, den er erwählen wird: am Passafeste, am Wochenfeste und am Hüttenftste: und es soll Keiner vor dem Herrn, Deinem Gort, leer erscheinen". Abermals lebte in mir die Hoffnung auf, daß nun endlich, am siebenten Festtage , die Feier des Tages Gegenstand der religiösen'Belehrung sein werde; ich hoffte dies um so mehr, als am siebenten Osterfesttage bekanntlich der Abschnitt vom Auszüge 'aus Egypten und der herrliche Triumphgesang am rothen Meere aus der Tora vorgelesen wird. Allein Sie sagten?. Damals, als nur Ein Tempel vorhanden war, erschienen nur die Männer dreimal im Jahre vor Gott; jetzt aber, da es an allen Orten Tempel gebe, können auch die Frauen und Kinder zum Feste erscheinen. Aber wie soll man erscheinen vor Gott? Nicht leer, sagt die Schrift, d. h. nicht etwa: nicht leer an Geschenken, sondern nicht leeren Herzens. Man müsse sich daher 'aufs Gebet gehörig vorbereiten. „Die früheren Frommen bereiteten sich eine Stunde vor dem Gebete dazu vor" u. s. w. Wenn man so vorbereitet ist, dann ist man befähigt „zu hören und zu lernen." Aber was soll man' hören? „Da giebt es Einige, die sagen: Gib uns recht Witziges und Spitziges, das da kitzelt dieEin- 379 bkldungskraft, erzähle uns aus Midrasch und Hagadah, erzähle uns Mährchen. Und' sie Horen blos darauf, ob die Rede schön oder minder schön, ob der Aufschwung der Rede mächtig und hinreißend war oder nicht, ob auf diesen oder jenen angespielt und hingedeutet worden sei. Das ist nicht das rechte Hören u. s. w." (Ich hätte hierzu gern bemerkt : Mein guter Lehrer, Sie übergehen gänzlich eine sehr große Klaffe von Hörern, die nämlich, welche, um in Ähnlichem Gleichklange zu reden- Ihnen zuru'fen: Gib uns Wahres und Klares, lehre die Offenbarung des göttlichen Wortes: das wollen wir lieber hören als alles Witzige und Spitzige, als alle Hagadah's und Mährchen, als die Geschichten von der Mutter, die sechsmalhunderttausend Kinder gehabt, und von dem Gewürzkrämer, der mit einem Lebenskraute herumreiste, Geschichten, die Sie gerade heute, sich selbst widersprechend, uns in großer Ausführlichkeit erzählt haben). Da glauben auch Viele, sagten Sie, daß sie, statt zu hören, es vorziehen müssen, ein Gebetstück nachzuholen, und noch einen Psalm herzusagen, und glauben sonst ihre Pflicht nicht erfüllt zu haben. Allein bei solchem Nachholen des Gebetes bleibe das Herz kalt u. s. w. Dies war der ganze und einzige Inhalt Ihrer Predigt für den siebenten Osterfesttag. ' Nach der Predigt ward wieder das allgemeine deutsche Lied der ersten beiden Tage gesungen. Am Vorabende des achten Osterfesttages ward vor dem hebräischen Gebete wieder das allgemeine deutsche Lied des zweiten Abends gesungen'. Beim Morgengottesdienste des achten und lehren Festtages begannen sie die Predigt mit den Worten: „Das Lied der Lieder, das dem Könige Salomo zugeschrieben wird;" und Sie sagten, das Lied attzme die Frische des Frühlings. Der Frühling sei gekommen: Denn siehe, der Winter ist vorüber, und der Regen enteilet und ist dahin, die Blüthen zeigen sich auf der Erde, die Zeit des Gesanges ist gekommen u. s. w." Und wie in der Natur, so fange es auch an Frühling zu werden in den Herzen der- Menschen. Das male das Gedicht lieblich und schön aus. Die Meinungen seien zwar darüber getheilt, ob das Gedicht die Schilderung des Gemüthzustandes eines unschuldigen Hirtenmädchens sei, das mit ganzer Seele den großen König Salomo liebt, oder ob es die Hingebung des menschlichen Herzens an ein Höheres darstelle. Das möge dahin gestellt sein, immer könne das Lied als Bild dieses hohen Strebens benutzt werden. „Auf meinem Lager in den Nächten suchte ich den, den meine Seele liebt; ich suchte ihn, aber ich ffand ihn nicht. So will ich denn hinausgehen nach der Stadt, und auf Plätzen und Straßen ihn suchen, den meine Seele liebt — ich suchte ihn aber ich fand ihn nicht. Da trafen mich die Wächter, die herumgehen in der Stadt. Habet ihr den nicht gesehen, den meine Seele liebt? Kaum war ich fort von ihnen, da fand ich ihn, den meine Seele liebt, ich hielt ihn fest, und ließ nicht von ihm, und brachte ihn in das Haus meiner Mutter, in das Gemach meiner Gebärerin." Dies sei ein schönes Bild des Strebenö Studien. Die Reformverwirrung in Breslau,