Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1846)
- Date
- 1846-06-11
- Page
- Seite 186 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- 186 — ist —' die •; Feldarbeit. Die Feldarbeit ist ein vorzugsweise geeignetes Mittel den Menschen an eine'geregelte nützliche Thätigkeit und an das Bewußtsein der Nähe Gottes zu gewöhnen; und durch Gewöhnung nur die Früchte des eignen Fleißes zu genießen, ihn vor allen üblen Folgen eines unthätigen müßigen Lebens zu sichern, so wie besonders vor böser Armuth oder nothgedrungener Auswanderung zu schützen. Darum auch hat der Unterzeichnete Ober-Rabbiner Salomon Eiger vor Allem sich zur Aufgabe gestellt, die landwirthschastliche Betriebsamkeit unter den Juden der hiesigen Provinz nach allen Seiten hin zu fördern. Er hat die von ihm zuerst aufgefaßte Idee der Kolonisation, dev Juden Sr. Majestät unserm allergnä'digsten Könige vorgetragen, Allerhochstdieselben haben diese Idee wohlgefällig aüfzunehmen und zu verheißen geruht, dem sich bildenden Verein, sobald' die erforderlichen Mittel vorhanden sein werden, durch erbpachtliche Ueberlaffung geeigneter disponibler Domainen - Grundstücke wirksame Unterstützung angedeihen zu lassen. In Folge 'dessen hat sich ein Central-Verein zur Begründung der fraglichen Kolonisation unter Vorsitz des Ober-Rabbiners Eig er yieselbst konstituirt. Der Herr Ober- Präsident v. B e u e r m a n n hat das demselben vom Verein übertragene Protektorat gnädig angenommen, und der Herr Polizei-Präsident Dr. v^ Mi nutoli das ihm einstimmig angetragene Präsidium zwar, mit der Erklärung: daß es für das Gedeihen der Sache förderlicher erscheine, dieselbe unter der Leitung des Herrn Ober-Rabbiners ins Leben treten zu lassen, - abgelehnt, sich jedoch als thätiges Mitglied dem Vereine angeschlossen, und die Redaktion der Verhandlungen übernommen. Die Sache hat bereits allgemeinen Anklang im Publikum gefunden; es sind Anmeldungen zur Kolonisation von jüdischen Familien eingegangen, deren Zahl schon gegenwärtig auf mehrere Hunderte sich beläuft, von denen die Hälfte ihre' kleinen Kapitalien vertrauungsvoll der neuen Lebensthätigkeit widmen.und dem Verein zur Disposition stellen wollen. ' Grade der erste Versuch einer, solchen Kolonisation wird von besonderer Wichtigkeit für die Zukunft sein, da von den gewonnenen Resultaten der Entschluß zur Nachahmung abhängig bleibt und es eben darauf ankommen wird, daraus eine Wohlthat für die große Anzahl von Juden in hiesiger Provinz Und noch mehr für die bedrückten Glaubensgenossen in Polen und Rußland hervorgehen zu sehen. Es scheint nothwendig den ersten Versuch gleich in einem größeren Umfange ins Leben treten zu lassen und eine angemessene Anzahl jüdischer Landwirthe zu einer ansehnlichen Landgemeinde zu vereinen, damit gleichzeitig für die Befriedigung des kirchlichen und Unterrichtsbedürfnisses gesorgt werden kann.. Die Kolonie wird unter der Leitung eines erfahrenen Oekonomen ins Leben treten, christliches Gesinde nur so lange gehalten, werden dürfen, als dies die Unterweisung in den verschiedenen landwirthschaftlichen Zweigen erforderlich macht, der Handel vorläufig ausgeschlossen bleiben, und die Aussicht auf Erwerbung des Grund und Bodens zu Eigenthum, die Liebe daran möglichst fördern. Zur Unterstützung des Unternehmens hat die hiesige israelitische Korporation bereits ein Hülfs-Qucrntum von 600Rthlr. jährlich an unfern Verein etatsmäßig ausgesetzt, und es sind auch von mehreren Wohlthätern namhafte Beiträge uns in Aussicht gestellt. Aber das Unternehmen kann nur dann recht wirksam ins Leben treten und segensreich'gedeihen, wenn wir uns dabei der kräftigen Unterstützung des In- und Auslandes zu erfreuen haben. Wir wenden uns daher vertrauungsvoll an alle edle Menschenfreunde des In- und Auslandes mit der Bitte: um wirksame Beihilfe und wohlwollendes Anschließen an unser Vorhaben. Es gilt die Unterstützung eines guten Werkes zur Ehre Gottes und zum Heile der Menschen. Der Lohn für die gute Lhat wird nicht ausbleiben, liegt er auch nur in dem Segen dankbaM zufriedener Menschen und in dem schönen Bewußtsein, zum Glücke Bedürftiger beigetragen zu haben. Die Namen der Geber und die Beitrage der eingegangenen und verwendeten Gelder werden öffentlich bekannt gemacht, zugleich aber auch von Zeit zu Zeit Berichte über die Erfolge unsers Vereins, und wir hoffen, immer erfreulichere, erstattet werden. Posen, den 7. April-1846. Der Central-Verein zur Begründung der Kolonisation der Juden in der Provinz Posen. Sal o mon Eig er. B. H. Asch. L. H. Jacobi. Leiser Iaffe. Herz Kö nigsberger. P. Lippmann. Moritz Ma.mroth. I. M. Marcuse. S. Meschelsohn. Or. I. v. Minutoli. A. Mosino. L. M. Wellenberg. Eichborn, Sekretair. Drei Fragen an die jüdischen Reformgenossenschaften «u Breslau imb Berlin von seinem toleranten Juden. „Das Göttliche ist in Jeden hineingebikdet, aber Jedem wird nur so viel davon kund, als er selbst-wieder aus sich herausbildet". Jos. Goluohowski. I. „Ist es jetzt an der Zeit?" — Stabilismus ist .der Tod des Bildungsprozesses, kein Fortschritt ist ein Rückschritt;— diese Devisen sind die-Grund-