Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1846)
- Date
- 1846-06-11
- Page
- Seite 183 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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183 Die in der Schule des Brüderverems erledigte Pre- - digerstelle ist noch nicht wieder besetzt, und hört man auch nicht, daß von Seiten der Vorsteher ernste Schritte ge- . than werden, tun bald einen neuen Prediger zu engagi- "ren. In der jüngsten Zeit haben sich zwar einige Kan-' didaten in' genannter Schule hören lassen; aber, wie wir t später erfuhren, waren die Predigten dieser Herren nichts weniger als Probepredigten. — Die Herren Gäste wahren: ein Pommer, ein Schlesier und ein Hcrzogthümer. Aller guten Dinge nlüssen drei sein. — Der erste, ein in Berlin studirender, H. Cassel aus Stolpe, gastirte am 1. u. 2. Passafeiertage, jedoch nur mit sehr mittelmäßigem Erfolge. Zwar waren seine Predigten reichan Inhalt, zwar sprach er mit Klarheit und Sicherheit über die Bedeutung des Festes, zwar zeigte er eine große Belesenheit in den Midraschim, wie in dem hagadischcn - Theite des Talmuds; allein was hilft das Alles? das .Publikum sieht nun einmal heutzutage mehr auf das Aeußere, auf das Gewand, und überdieß zu bcu Talenten eines Predigers gehört doch wohl vor Allein eine gute Anssprache, welche aber bei Herrn C. leider gänzlich vermißt wird. Es ist eine eigenthnmliche Erscheinung, daß alle aus dem gmon rvo hervorgegangenen Deutschpredig er nach noch so vielen Jahren den jüdischen Accent nicht ganz abstrcifen können. — Doch wenden wir uns jetzt zu uuserm zweiten Gaste, dein Schlesier. Dieser war Dr. Simon Sachs aus Glogau, im Jahre 1844 Mitglied der Braunschweigcr Synode , exitirt nachdem mau sein NichLrabbinerthum erfahren, später Neligiouslehrer in Anelam und zuletzt^) Hauslehrer in Neustadt bei Pinue. Er predigte in der Brüderschule am 7. und am letztere Festtage unb zwar mit noch geringerem Erfolge, als Herr C. Nierkwurdig l bei Dr. S. hatten wir gerade die entgegengesetzte Erscheinung von der bei E. Was diesen: fehlt, Organ und schöne Sprache, ’ das hat S.; allein er hat wiederum nur dies und weiter Nichts. Mit Phrasen, und seien sie noch so schön, und werden sic uoch so klangreich ausgesprochen, lassen sich aber Männer, wie der Brüderverein zu seinen Mitgliedern zählt, auch nicht gern abspeiscn; sie wollen gesunden Kern u n d schone Hülle. Die Vorträge des Hrn. S. waren aber (namentlich der zweite) nur Phrase, Nichts als Phrasen. — Der dritte und letzte Gast Herr Dr. Krakauer, Lehrer inBirubaum, ließ sich, am ersten Sabbat nach den Feiertagen Schemini vernehmen. Das WK im Wechenabschnitte gab dem Redner Veranlassung'von den gegenwärtigen Bewegungen im Judenthume zu sprechen. Seine Sympathie für die gemäßigte Reform zu 31 Jetzt ist Herr Dr. S. hier und giebt allwöchentlich 2 Stunden Religionsunterricht in der, mit dem „Seminar für Erzieherinnen " in Verbindung stehenden Mädchenschule, welche fast zur Hälfte von Jüdinnen frequentirt ist.- Ob angestellt, oder nicht, ist bis jetzt noch nicht bekannt. erkennen gebend, sprach- Kr. aber seine Ansichten so frei, so offen und mit so vielem Feuer ans, daß er leider nur von zu Vielen der Anwesenden mißverstanden und-in Folge dessen getadelt wurde. Bei seiner Schilderung des alten Jndenthnms, oder besser der alten Judenheit, hätte Hr. Kr. immer etwas weniger Schwarz in seine Farben wüschen mögen;?die Indignation bei Manchen dürste vielleicht dann um Vieles geringer gewesen sein. Das Kind kann durchaus nichts Böses auf seine Eltern sprechen hören, und. sei es von der Wahrheit dessen, was man spricht, noch so genau überzeugt. Wir wünschen Herrn Krakauer, dem Talente nicht abgesprochen werden können, anderwärts mit mehr Glück zu predigen. Unser Rabbi>:cr hat in der jüngsten Zeit die weise Anordnung getroffen, daß da§ Gebet Hirn W nicht mehr so ordnuugs- und gedankenlos wie bisher, sondern von nun an recitativ und abwechselnd zwischen Wi und ^np gesagt werden soll. *) Wer sich — so erklärte der.O.-R. öffentlich — dieser Anordnung nicht fugen will,, der thut besser, nrnn "W gar nicht zu sagen. W. Wreschen, 27. Mai. Am-26. dieses Monats hatten wir die Freude Sir und Lady Montefiorc in unserer Stadt zu begrüßen: Nachnütiags um 3 Uhr trafen dieselben von Petersburg kommend hier ein. Der Rabbiner Dr. Gebhardt mit fccui Rabbiuatskollegio nebst Repräsentanten und Korporations-Vorstehern, wie das'Lehrerpersonal und die angesehensten Gemeindemitglieder überreichten demselben eine vom Rabbiner verfaßte Dankadresse, worauf Sir Montestore dankend erwiderte, daß er die besten Hoffnungen habe,'die Reife'nicht vergeblich geinacht zu haben» Der Kaiser hätte ihm geheißen die'Provinzen bereisen, um die herrschenden Uebelstände genau kennen zu lernen, ihm dann unmittelbar Bericht darüber abzitstatten, wonach er alles Mögliche thuu werde, den Uebelftänden abzuhelfen. Sir Moses besuchst dann mit seiner Gattin unsere Synagoge, zu dem auf seinen bescheidenen Wunsch angeordneten -Gottesdienst,. um wie er sagte, in der ersten preußischen Stadt auf seiner Rückreise dem Herrn zu danke;:. Am Eingang derselben wurden sie vom Rabbiner und einigen der würdigsten Mitgliedern einerseits und von den würdigsten Frauen andrerseits empfangen, und zu ihren Plätzen geleitet. Es betete der Gotteomann im Gotteshause und wirklich 'wars jö DiT^y jrnn'bp nnn denn Alles stand andächtig da, in größter Andacht durch den GlaubenSmnth der hochherzigen Gäste gerührt. * 4) Der Wahrheit zu Ehre müssen wir es sagen, daß wir uns nicht erinnern können., irgendwo mit mehr Takc und Ordnung das Tü' recitiren gehört, zu haben, als in einer zur Diöcese'des Dr. Hirschfeld gehörenden kleinen Ge- 'weinde'z'sie.heißt Rackwitz. 24 *