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Der Orient · 1846-06-11 · Heft 24 (11.6.1846) · p. Seite 182

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 24 (11.6.1846)
Date
1846-06-11
Page
Seite 182 (sequence 3)
Language
German
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- 182 - uerversammlung 'zusammen kommen, wo ihr Vertreter und Präsident auf unterwühltem Boden steht, wo die Majorität der Gemeinde von vorn herein höchst ungünstig für sie gestimmt ist. Es ist diegrößte Unklugheit, die man sich nur.danken fajut, und wenn den aufrichtigen Freunden der RV. ernstlich daran gelegen ist, ihre Fortdauer zu sichern und sie nicht dem gefährlichsten Angriffe auszusetzen r so sollten sie die Zusammenkunft nach einem andern,. minder bewegten Orte verlegen. Die hiesigen Freunde derselben sind .auch wegen der Versammlung in nicht, geringer Verlegenheit. Mall will sich doch.nicht blamiren und sich auf's Anständigste dabei benehmen.; allein man hat keine Gelder, die Kosten zu decken. Der Vorstand kann nicht einen rothen Heller dafür disponibel machen; so.,wird die nvthige Summe von Einzelnen gleichsam züsamrneirgcbettett,. und nicht selten müssen die, Sammler die empfindlichsten Worte hören: z. B. cs wäre doch gerathener, die Gelder für die Unterstützung derÄrmen zu verwenden. Nicht besser geht es mit der Bildung eines Komitv für die NV. Wie zur Zeit des Verfalls des römischen Reiches jeder sich für die Ehre,^ ein Staatsamt zu übernehmen, höflichst bedaiikte, so geht es mit dem zu kenstituirenden Äomite. Die Kapitalisten, selbst die reformgenosscnschastlichen., lehnen die Ehre unter tausend Vorwänden ab, und es kostet Mühe die' nöthige Zahl unter Personen minorum gentium 51t . tcfrntiunu Nur ein Kapitalist hält seine Kasse für der Bedarf der Reformgenossenschaft und der damit zusammenhängenden Rabbm'erversanunlung noch immer offen , er ist unermüdlich im Geben, und der nie ^ruhende Volkswitz nennt die Anhänger Geigers nicht mehr Geiger:an er, sondern nach dem Namen jenes jüdischen Krösus, der sie durch ein goldenes Band zusammenzuhalten versteht. Fran kels Ausruf zur Bildung einer Versammlung jüdischer Theologen macht hier, wie sich denken läßt, die größte Sensation, nur wünscht man sie nicht auf den Herbst oder gar das Frühjahr hinauögeschobcn. — Letzten Sonnabend am 23. Mai nahnr Dr. .Geiger die Konfirmation von. Knabe:: und Mädchen vor, wobei es, wie bei den früher:: Konfirmationen," an äußerlichmüPvmp und an Schaustellung nicht gefehlt hat. An demselben Tage las man in der Breslauer Zeitung „eine bescheidene Anfrage" .vor: einigen Familienvätern': „ Warum nimmt Dr. Geiger' die Konfirmation alljährlich vor den'24. Mai, seinem Wiegenfeste vor und nicht, wie in den mctftcu Gemeinden, am Pfingstseste? Ein Witzbold gab die Antwort, weit Dr. Geiger' über daS Bibelwort hinaus ist: NW rv>rp nunD. — Der hiesige Lehr - und Leseverein hat den dritten Bericht über sein Wirken, verbunden mit einem Kataloge der in diesem Jahre neu hinzugekommenen 'Bücher veröffentlicht. Was.wir an diesem Berichte zu soben haben, ist der Mangel an Ruhmredigkeit und Selbstbespiegetung. Die Bibliothek hat einen bedeutenden Zuwachs erhalten, nah an 300 deutsche Bücher und Broschüren und etwa 100 hebräische Werke. Die Vcrtheitung der Bücher, die unter den Theilnehmern cirknliren, geschieht durch die Geschicklichkeit des unentgeltlichen Kustos, Herrn M. Breslauer in. schönster Ordnung, dem der Verein auch öffentlich für diese Uneigennützigkeiü Dank sagt. L—z. Posen, im Mai. Am. .jüngsten verwichencn .Sabbat hielt Herr Ptessner in der hiesigen sogenannten neuen Schule einen höchst gediegenen Vortrag über „Israels Bestimlnung^ mit Hinblick auf die Geschichte des Passafestes, de§ Wo.chenfesteS und der zwischen diesen beiden Festen liegenden Zeit.Jeme ha-Sefira. Der Text war Ps. 80. 9 jpqn JEDü re. Mit dem Psalm isien verglich unser Redner Israel'mit einen: Weinstocke.und hat er diese Allegorie wacker durchgeführt. Er begleitete Israel auf allen seinen Wegen und Wanderungen seit dem Auszuge ans Egypten bis auf die spätesten Jahrhunderte und unterließ zuletzt auch nicht, auf die gegenwärtigen Bewegungen (Wanderungen) in Israel treffend anzuspielen.. *) Daß Herr Pt. die Sprache :it seiner Gewalt hat und es ihm daher niemals an schlagenden Ausdrücken fehlt, bedarf wohl erst nicht gesagt zu werden; wir glauben, es ist dies von Hr. Pl. nicht minder weltbekannt, als seine Frömmigkeit. Von letzterer hier eine Probe. Als Herr Ptessner, wie gewöhnlich, auch in der eben erwähnten Predigt auf den so verwahrlosten Religionsunterricht zu sprechen kam, erklärte er sich bereit, allen denjenigen jüd. Knaben, deren Eltern so arm sind, daß sie nicht einmal 4 Groschen monatlich auf eine Rcligiousstunde wagen können, nnentgeldlichen Unterricht in der Religionslehre, wie in der Bibel angedeihen zu. taffen. Es wäre zu wüuschen, daß die armen Familienväter, deren es hier leider nicht wenige giebt, von diesem edlen Anerbieten des Herrn Pl. nun endlich einmal Gebrauch machten; denn wir können e§ leider nicht verhehlen, daß der wackere Mann diese Bereitwilligkeit schon mehremal vergeblich von der Kanzel herab verkündigt hat, was uns um so auffallender erscheinen muß, als Herr Pl. bei den Stabil-Orthodoxen fast durchgängig Anklang findet und die ärmern und ärmsten Kläffer: sich doch in der 'Reget zu dieser Partei bekennen. Noch Etwas von Herrn Plessner. Während derselbe bisher nur attvierwöchentlich einmal in der neuen Schule predigte, soll dies von nun an alle 14 Tage, und zwar abwechselnd in der alten und neuen Schule geschehen. 1) Bei dieser Gelegenheit schlüpfte auch der Name„Stern" über die Lippen des heiligen Mannes. . 1) Wieder ein schöner Zug. Herr Pt. will durchaus den hiesigen Religionslehrern keinen, nicht den geringsten Abbruch thun. —

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