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Der Orient · 1846-06-04 · 23 (4.6.1846) · p. Spalte 361-362

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
23 (4.6.1846)
Date
1846-06-04
Page
Spalte 361-362 (sequence 5)
Language
German
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361 Studien. Literarische Analekten. 362 die ebenfalls ganz allgemeinen Inhaltes ist. Sie beginnt: „Allerbarmer, der uns schützet, unser Beistand, unser Freund! Gieb uns, gieb uns, was uns nützet, das nicht, was uns nützlich scheint" u. s. w. Im hebräischen Mußafgebete trugen Sie nach den Worten „rab Phoschia“ statt der üblichen hebräischen Tal-Gebete ein deutsches „Frühlingsgebet" vor. So war die.Feier des ersten Osterfesttages beschlossen. Am zweiten Festabende ward vor dem hebräischen Abendgebete die-ebenfalls ganz allgemein gehaltene letzte Hälfte des oben erwähnten deutschen Liedes Nr. 79 gesungen, welche mit den Worten beginnt." „Aus dem wilden Erdgetümmel eil' ich hier zu Dir zurück,, offen schau ich Deinen Himmel, liebevoll den Vaterblick" n. s. w. Nach beendigtem Abendgebete war man darauf gespannt, ob Sie auch diesmal das S'fira h'-Zäh len übernehmen werden, eine Funktion, die Sie als eine rab bi nische freiwilligübernommen hatten, während sie vor Ihnen dem Kantor überlassen war. Sie unterließen diesmal das S'firah-Zählen. Beim Morgen - Gottesdienste des zweiten Festtags wurden Sie wieder zur Ablesung und Uebersetzung der Haftara aufgerufen; und Sie lasen und übersetzten von derselben (2 Könige, 23, 1—25) die letzten 5 Verse, welche die Feier des Paffafestes unter dem Könige Ioschijahu erzählen. Die inhaltreiche erste Hälfte, welche von -dem Feuereifer dieses Königs zur Wiederherstellung der mosaischen Lehre berichtet, ließen Sie fallen. Vor der Predigt ward das gestrige allgemeine deutsche Lied gesungen. Ihre Predigt selbst war an diesem Festtage eine vollständige Ko n tro v erspr e di g t. Sie begannen dieselbe mit einem Gebete, worin der Frieden das Hauptthema bildete. Dann sagten Sie: Sie sähen heute das Gotteshaus ungewöhnlich gefüllt. Viel trage freilich dazu bei, daß heute auch die Bekenner eines andern Glaubens ihren Festtag feiern (es war der erste christliche Osterfeiertag), aber sehr Viele seien auch gekommen aus Neugier, um zu hören, was Sie wohl auf die gegen Sie geschleuderten Angriffe antworten werden. Diese Neugierigen dürften in ihren Erwartungen sich getäuscht haben. Denn auf Schmähungen antworten Sie niemals, am allerwenigsten aber an heiliger Stätte; Sie haben hierfür „bei einer ähnlichen, wenngleich ganz verschiedenen Veranlassung" den Vers der Schrift in Anwendung gebracht: Ziehe die Schuhe von deinen Füßen, denn der Ort, auf dem du stehst, ist ein heiliger, d. h. streife ab alles Irdische, alle Leidenschaft, wenn du die heilige Stätte, wo Gottes Wort gelehrt werden soll, betrittst. Und nun lasen Sie, in sichtlicher Aufregung und sich im Lesen des Hebräischen öfters irrend, die bekannte lange Stelle aus dem Propheten Ezechiel über die Wiederbelebung der verdorrten, tobten Gebeine, und übersetzten sie deutsch und entwickelten dann die einzelnen Punkte. Verdorrtes sei viel in Israel, namentlich sei vieles im Gottesdienste, das abschrecke. So haben gestern Viele nach der Predigt das Gotteshaus verlassen, weil das hebräische Gebet sie abschrecke (und doch war ja gerade gestern ein deutsches Frühlingsgebet ins Mußaf eingelegt worden, und doch warten auch viele Christen das Ende ihres deutschen und von der Orgel begleiteten Gottesdienstes nicht ab). Aber da gebe es Viele, welche meinen: „Laß doch verdorren und absterben, was kümmerts uns?" Hier eiferten Sie mein Lehrer, sehr stark und leidenschaftlich und im vollen Widerspruche mit Ihren einleitenden Friedensworten und dem gedeuteten Verse vom Abstreifen alles Irdischen auf der geweihten Stätte gegen die, welche mit dem Zusammentreten (Sie meinten offenbor die Genossenschaften) nicht einverstanden seien; Sie warfen den Gegnern Kälte, Gleichgiltigkeit und dergleichen vor. Ihr Schlußgedanke war: Die todten Gebeine werden sich wieder zusammenfügen und 'neues Leben erhalten. (Ich hätte Sie hier gern gefragt, ob die Gebeine auch alsdann neues Leben erhalten , wenn sie vorher geflissentlich zu Staube zermalmt und in die Luft verweht worden sind; oder, um das ganz nahe Liegende bestimmter zu bezeichnen: ob die in Ihrem und Ihrer Genossen Sinne jetzt verdorrte Paffafeier'auch dann noch neues Leben gewinnen wird, wenn man das mosaische Gesetz von der Paffafeier aushebt und es als die erste Errungenschaft des Genoffenthumes betrachtet, am Paffa sich den Genuß des gewöhnlichen Brotes gestatten zu dürfen?) An eine Beziehung der ganzen Predigt oder eines Lheiles derselben auf den Osterfesttag war natürlich nicht zu denken. (Beschluß folgt.) Literarische Analekten. Zur Vertheidigung der Exegese Kimchi s in dem Sutze Ezechiel 8, 17: den miDin rin dtAw du Bei Gesenius unter miD) heißt es: ...... „2) überhaupt Reis. Ezcch. 15, 2. 8, 17: und siehe sie halten das Reis vor ihre Nase, Anspielung auf die gottesdienstliche Sitte der Parsen, welche bei dem Gebet zur ausgehenden Sonne ein Bund Neisholz (Barsom genannt) in der Hand hielten. S. Strabo p. 733 Casaub". Daß sie daS Neisholz — welches die Parsen' in der Hand hielten — ,,sich vor die Nase gehalten haben", das ist erstlichblose Hypothese. Dann ist die Schandthat dieser Menschen deutlich im vorhergehenden Verse dargestellt, daß sie nämlich dem 'Jehova den Rücken wendeten und sich zu der Sonne bücken, unser Satz sollte nun eine Steigerung enthalten; dahingegen steht er, nach obiger Exegese hier müßig angereihet, denn die

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