Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 23 (4.6.1846)
- Date
- 1846-06-04
- Page
- Spalte 357-358 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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357 Studien. Die Reformverwirrung in Breslau. Zamrija) einen Kommentar *) zu ben 25 Propositionen Maimuni's, am Anfänge des 2. Buches des miD, gemacht habe. Daraus schließt er, daß obgleich kein einziges mit arabischer Schrift geschriebenes Exemplar sich auf irgend einer europäischen Bibliothek befindet, der jedoch in vielen mit arabischer Schrift geschriebenen Exemplaren kursirt habe. Auch R. Simeon Duran in nDN* pD sagt: „Ich hörre ihre Weisen (der Muhammedaner) sagen, daß Maimuni in Allem, was er in j-prtD schrieb, Recht habe , mit'Ausnahme in dem Punkt der Prophetie". Die Nesormverwirrung in der israelitischen Gemeinde in Breslau. Angeblich herbeigeführt durch den Widerspruch des Dr. Geiger mit sich selbst. III. BegrjiuZnng der Enttäuschung. Auf das erste Sendschreiben der großen Mehrzahl der Gemeinde-Mitglieder der Israeliten in Breslau folgte eine etwas hochmiithig tönende Antwort. Dies war wieder ein Mißgriff. Die Ehrlichkeit des ersten Sendschreibens durfte so nicht verhöhnt werden, zumal sich darin Energie genug zeigte, diesen Gegenstand der Gefahr für den religiösen Sinn des Judentums nicht so leicht fallen zu lassen. Es folgte also natürlich bald ein zweites Sendschreiben, worin die Schreiber zeigen, wie sie, obgleich Laien, das Religiöse zu beurteilen vermögen. Hier folgt das zweite Sendschreiben: Hochgeehrter Herr Doktor! Wie richtig sagt doch das Sprichwort, daß es immer nur der erste Schritt ist, der Mühe kostet!. Seit langer, langer Zeit lebte in mir der Wunsch, Ihnen, mein verehrter Lehrer, über so Vieles, was ich gegen Ihre Lehre und Ihr Lehrverfahren einzuwenden habe, offen und unumwunden meine Ansichten zur Prüfung und Berichtigung vorzutragen, aber immer war es der erste Schritt, der mich' von dem Versuche, diesem Verlangen meines Herzens zu folgen, zurückschreckte. Ich sah voraus, daß mein Unternehmen bei Vielen Befremden und Verwunderung erregen würde; daß Ihre Parteigänger und Parteigängerinnen bei der bloßen Kunde von einem gegen Ihre Ansicht erhobenen Widerspruch schiefe Gesichter machen würden; daß man mich des Mangels an jeder religiösen Wärme *) Dieser Kommentar ist nach Moses Narbonne von N. Isaak ben Nathan de Hativa, ins Hebräische übersetzt, und in Venedig 1574, hinter den Fragen des R. Saul Cohen an R. Isaak Abravanel, gedruckt worden. 388 und Erhebung, daß man mich der Selbstsucht oder des Behagens an Widerspruch und Mäkelei oder der Intrigue oder welches unedeln Antriebes sonst beschuldigen würde. Doch das Bedenken, das diese Umstände in mir erzeugten, überwand ich schnell: denn ich sagte zu mir selbst: die Verwunderung, die dein Widersprechen etwa für den ersten Augenblick erzeugen möchte, wird bei Denkenden und Prüfenden gar bald in Zustimmung und Lheilnahme übergehen; und die schiefen Gesichter der zürnenden. Camarllla werden dir bei deinem ruhigen, leidenschaftslosen Charakter sicherlich sehr gleichgültig sein, vielleicht dir gerade recht vielen Spaß machen; und was endlich die unedeln Beweggründe betrifft, die man dir von der gegnerischen Seite etwa zuschreiben möchte, so kannst du sie im Bewußtsein.ihrer Unwahrheit, ruhig aussprechen lassen. Also dies, verehrter Lehrer, war es nicht, was mich von dem ersten Schritte zurückhiett; wohl aber Etwas, das Viele an mir als eine Lugend zu rühmen pflegen — es war meine Beharrlichkeit und Ausdauer, die ich fürchtete. Ich wußte, daß, wie ich mich kenne/ ich die einmal begonnene Thätigkeit für etwas Hohes und Geistiges nicht wieder aufgebe, bis ich, soviel an mir ist, ans Ziel gelangt bin; ich sah daher voraus, daß ich den gegen Sie einmal erhobenen Widerspruch nicht früher cinstellen werde, bis ich die Gegenstände, um die es sich handelt, von allen Seiten besprochen und beleuchtet habe, und bis ich von Ihnen entweder vollständig widerlegt und des Irrthumes überführt worden-bin, oder das — offene oder stille Zugeständnis) Ihres Irrthumes erlangt habe. Und diese meine Beharrlichkeit, ich bekenne es offen, mein Lehrer, fürchtete ich Ihretwegen. Wer weiß, dachte ich, ob es deinem so vielseitig beschäftigten und nach so vielen Richtungen hingezogenen Lehrer lieb ist, daß du. ihn zu einer öffentlichen Korrespondenz zwingest? Wer weiß, ob er es immer für ersprießlich halten wird-) dir auf deine Fragen, auf deine Bedenken und Zweifel zu antworten? Wer weiß, ob die vielen dunkeln Partien der neuesten jüdischen Theologie auch überall das Licht der Oeffeutlichkeit vertragen? Doch mein natürlicher Drang nach Wahrheit, der in dem Maaße lebhafter wurde, als ich die Unwahrheit, hier versteckt, dort offen, sich ausbreiten sah, dieser mein lebendiger Drang nach Wahrheit überwand auch das letzte Bedenken gegen mein öffentliches Hervortceten — und nun, nachdem der erste Schritt geschehen ist, durchströmt mich ein freudiges Gefühl, wie nach einer vollbrachten guten Lhat^ ich sehe mit Freuden mein Hervortreten von Männern gleichen Strebens und gleicher Wahrheitsliebe willkommen geheißen und als das erste Erwachen des nur zu lange durch Rednerzauberkünste in Schlummer gewiegten bessern Geistes begrüßt; und im Vertrauen auf den Gott der Wahrheit, vor dem die Krümme nichtbestehen kann, setze ich den begonnenen Kampf fort, des endlichen Sieges gewiß.— Als ich am Schluffe meines vorigen, am Rüsttage des ' Osterfestes beendigten Sendschreibens sagte, daß ich über die 2&*